Wie kann man sich zum Techniker weiterbilden?

Vielleicht sind es nur die Fließbänder oder langweilige stupiden Aufgaben, weswegen sich viele für eine weitere Qualifikation interessieren. Die Gründe für eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker können vielfältig sein. Mit dieser Qualifikation eröffnen sich jedenfalls neue berufliche Möglichkeiten nach oben: Ein Gehalt bis 5.000 Euro ist später durchaus realistisch. Auch eine Position mit Führungsverantwortung kann drin sein.

Wer noch höher hinaus will, kann mit dem Abschluss in der Tasche danach auch noch an einer Hochschule oder Universität ein Studium zum Ingenieur draufsetzen. Denn als staatlich geprüfter Techniker bekommt man die “allgemeine Hochschulzugangsberechtigung”.

So verlockend die Perspektiven auch sein mögen, die Techniker-Weiterbildung ist kein Spaziergang. Die Inhalte sind eher mit denen eines Ingenieursstudium als mit dem Stoff aus der Berufsausbildung vergleichbar. Ist die Ausbildung schon einige Jahre her, darf man sich erst mal wieder ans Lernen gewöhnen. Außerdem fallen Lehrer oder Eltern weg, die einem hierfür in den Hintern treten – man darf sich also stets selbst motivieren. Das geht oft ganz gut, da man ja für die Weiterbildung meist bezahlt. Und selbst wenn nicht, darf man sich nur ausrechnen, wieviel Zeit dafür aufgewendet wurde und was man in dieser Zeit im Job hätte verdienen können. Hinzu kommt das veränderte Lebensumfeld. Aus Hotel Mama ist man in der Regel schon lange draußen und neben eventuellen Gebühren kostet ja auch der normale Lebensunterhalt Geld.

Es gibt daher drei Wege, die zur Qualifikation des Technikers führen: Die Vollzeit-Schule, die Teilzeitschule und das Fernstudium. Welche Möglichkeit die beste ist, hängt von der individuellen Lebenssituation ab, denn alle drei Wege haben ihre Vor- und Nachteile.

Techniker Weiterbildung in Vollzeit-Schule

Der schnellste Weg zum staatlich geprüften Techniker ist es, in Vollzeit noch mal die Schulbank zu drücken. Staatliche und private Schulen bieten hier die Weiterbildung innerhalb von mindestens 24 und maximal 42 Monaten. In zwei Jahren kann man also zum Techniker kommen. Theorie und Praxis wird so vermittelt, wie man es von der Berufschule her schon kennt. In der Woche können gut um die 35 Schulstunden zusammenkommen – also weitaus mehr als in der gemütlichen Pflichtschulzeit.

Staatliche Schulen verlangen entweder gar kein Geld oder nur einen relativ geringen Betrag als Schulgeld, Kopierkostenauslage oder Materialpauschale. Das kann pro Semester (also Halbjahr) zwischen 100 und 500 Euro variieren – je nach Fachrichtung, Bundesland und Schule. Private Schulen oder Bildungsträger langen da schon mehr hin: Es sind gut 100 bis 200 Euro monatlich, die man hier berappen darf. Mit dem Schulverzeichnis im Techniker-Forum ist schnell die passende Schule in der Nähe gefunden.

In der Schulzeit kann man natürlich kein Geld verdienen, da in der Vollzeit-Weiterbildung keine Zeit für eine Festanstellung bleibt. Idealerweise hat man das im Voraus bedacht und aus dem Job vorher einige Rücklagen dafür gebildet. Oder man ist bzw. fühlt sich doch noch so jung genug, um daheim bei den Eltern zu wohnen und reduziert so seine Ausgaben auf ein Minimum. Ebenso denkbar ist die Variante “Student” – etwa in einer WG zu wohnen und nebenher zu jobben. Damit ist die Miete recht gering.

Ganz auf dem Trockenen bleibt man dennoch nicht sitzen: Der Staat fördert die Techniker-Weiterbildung mit dem Meister-BAföG. Das sind beispielsweise bei einem kinderlosen Alleinstehenden immerhin 697 Euro, die monatlich dem Lebensunterhalt zugute kommen. Wer verheiratet ist und Kinder hat, bekommt noch mehr. Circa ein Drittel davon gibt es als Zuschuss – muss also nicht zurückbezahlt werden. Den Rest darf man hinterher als zinsloses Darlehen zurückzahlen. Es gibt noch weitere Fördermöglichkeiten, die jedoch nur für wenige in Betracht kommen. Etwa das Schüler-BAföG oder die Begabtenförderung.

Vorteile und Nachteile der Techniker-Weiterbildung in Vollzeit:

  • kurze Dauer von 2 Jahren
  • günstig bis kostenlos
  • keine Doppelbelastung aus Arbeiten und Lernen
  • kein Gehalt aus dem Beruf
  • Schulden aus dem BAföG

Teilzeit-Weiterbildung zum Techniker

Wer seine Festanstellung nicht aufgeben möchte oder sich die Vollzeit-Schule nicht leisten kann oder will, für denjenigen kann das Teilzeit-Modell zur Techniker-Qualifikation eine Lösung sein. Es sind in der Regel dieselben Schulen, die auch eine Vollzeit-Version anbieten. Inhalt und Ablauf der Ausbildung entspricht daher auch dieser. Die Schüler absolvieren dieselbe Stundenanzahl bis zur Abschlussprüfung, dem Staatsexamen, nur um die 15 Schulstunden pro Woche. Die Kurse finden daher abends und samstags statt, sodass es möglich ist, in Vollzeit im Beruf zu arbeiten. Grob gesagt halbieren sich die Wochenstunden, sodass die Ausbildungsdauer sich dementsprechend auf etwa 3,5 bis 4 Jahre verdoppelt.

Was die Kosten angeht, so ist das Schulgeld oder der Semesterbeitrag etwas geringer als im Vollzeit-Modell, sofern hier überhaupt Geld zu zahlen ist. Auch hier gibt es kostenlose Ausbildungen von staatlichen Schulen. Über die gesamte Ausbildungsdauer hinweg ist die Techniker-Qualifikation in Teilzeit aber wesentlich teurer als in im schnelleren Vollzeit-Modell. Denn die Kosten pro Monat oder Semester bzw. Halbjahr halbieren sich nicht, sondern betragen in etwa zwei Drittel. Gerade an Privatschulen, die meist weitaus teurer sind als die staatlichen, fällt das stark ins Gewicht, wenn man die Gesamtkosten betrachtet.

Die Kosten lassen sich aber in der Regel leicht berappen, die Teilzeit-Weiterbildung sowieso nur für diejenigen eine sinnvolle Alternative ist, die über eine Festanstellung und dementsprechend regelmäßiges Gehalt verfügen. In der Techniker-Ausbildung in Teilzeit sind die Ausbildungsgebühren und Lebensunterhalt daher weniger ein Thema. Dennoch besteht auch hier die Möglichkeit, auf das Meister-BAföG zurückzugreifen, denn es ist unabhängig von Alter und Einkommen. Da hiermit der Staat Geld verschenkt und Teile der Prüfungskosten übernimmt, macht das Meister-BAföG auch für Teilzeit-Schüler Sinn. Außerdem ist es nicht unüblich, dass der Arbeitgeber sich an den Weiterbildungskosten beteiligt. Das wird er zwar nur unter bestimmten Bedingungen machen, aber beim Chef mal anzufragen kostet ja nichts.

Viel schwieriger ist es da, die Doppelbelastung durch Lernen und Arbeiten unter einen Hut zu bekommen. Zur regulären 40-Stunden-Woche kommen nochmal etwa 15 Stunden Schule und einige weitere zum Lernen hinzu. Die Wochenstunden ermittelt man am besten schon vorher und plant Zeitfenster etwa fürs Lernen ein. Dessen muss man sich nicht nur vorher bewusst sein, auch das Geplante durchzuziehen erfordert eine gute Portion Selbstdisziplin. Vier Jahre sind eine lange Zeit für diese Anstrengung, in der man sich immer wieder selbst motivieren und sein Umfeld aus Familie und Freunde darauf vorbereiten muss.

Vorteile und Nachteile der Techniker-Weiterbildung in Teilzeit:

  • Berufstätigkeit muss nicht unterbrochen werden
  • Finanziell daher in der Regel kein Problem
  • Stress durch Doppelbelastung aus Arbeiten und Lernen
  • lange Dauer von bis zu vier Jahren
  • höhere Gesamtkosten der Weiterbildung

Techniker als Fernstudium

Die flexibelste aber auch teuerste Möglichkeit, einen Techniker zu machen, ist das Fernstudium. Das wird – zumindest für den staatlich geprüften Techniker – ausschließlich von Privatschulen angeboten. Der große Vorteil an diesem Weg ist es, dass man hier keine Schulbank mehr drücken muss und nahezu alles bequem von zu Hause aus lernen kann. Manch einer arbeitet in Schicht, daher ist hier die Abendschule auch keine Lösung. Wer abends und samstags nicht noch in die Schule kann oder will, für den ist das Fernstudium der Teilzeit-Weiterbildung vorzuziehen.

Je nach Schule und Fachrichtung geschieht auch vieles mittlerweile online. Man muss also nicht mehr nur stapelweise Mappen wälzen, sondern man kann auch etwa am Laptop Übungen lösen und dadurch lernen. Natürlich gehen auch hier keine Prüfungen aus der Ferne. Für die darf man dann doch zu bestimmten Schulen anreisen.

Wie schon erwähnt, ist die Techniker-Qualifikation im Fernstudium mit Abstand die teuerste. Während etwa eine staatliche Schule im Halbjahr vielleicht 150 Euro Schulgeld berappt, verlangen die Ferninstitute dieses Geld pro Monat. Die Ausbildungsdauer ist aber die gleiche: Auch im Fernstudium ist der Techniker in mindestens 3,5 Jahren machbar. Die jeweiligen Kostenunterschiede zu einer Voll- oder Teilzeit an einer recht günstigen staatlichen Schule kann sich jeder selbst ausrechnen. Wie aber auch beim Teilzeitmodell sind die Kosten eher zweitrangig: Die nimmt man der größtmöglichen Flexibilität zuliebe in Kauf.

In diesem vermeintlich großen Vorteil, sich absolut die Zeit flexibel einteilen zu können, liegt aber auch gleichzeitig ein nicht zu unterschätzender Nachteil: Freiheit ist verlockend, weil das Nichtstun genauso möglich ist, wenn der innere Schweinehund siegt. Aus einer “Aufschieberitis” (Prokrastination) kann schnell ein Scheinstudium werden, wenn die nötige Selbstdiziplin fehlt. Während im Präsenzunterricht das Wissen von einem Dozenten eingetrichtert wird und die Kollegen im Klassenverband einem beim Dabeibleiben helfen, muss im Selbststudium die Initiative zu beidem von einem selbst ausgehen. Der Weg des Fernstudiums – egal zu welcher Qualifikation – ist immer der mit den höchsten Abbrecherquoten.

Es gibt übrigens keine Privatschule, die mit einem elitären Ruf derart heraussticht, dass sie gegenüber den anderen vorzuziehen wäre oder gar bessere Jobchancen bieten würde. Was zählt, ist die Qualifikation zum staatlich geprüften Techniker an sich und die eigenen Leistungen. Die Ferninstitute wählt man daher nach Angebot und Preis. Alle bieten kostenloses Infomaterial, in dem beides detailliert beschrieben ist. Das lässt man sich am besten zuschicken, vergleicht einfach und entscheidet sich für die Schule, die einem am besten zusagt.

Bei einigen Fernschulen kann man sich Infobroschüren zuschicken lassen. Diese sind kostenlos, enthalten viele Infos und ermöglichen einen Vergleich der Angebote:


ILS – Institut für Lernsysteme
SGD – Studiengemeinschaft Darmstadt
Fernakademie für Erwachsenenbildung GmbH
HAF – Hamburger Akademie für Fernstudien

Vorteile und Nachteile der Techniker-Weiterbildung im Fernstudium:

  • zeitlich vollkommen flexibel
  • eigenes Lerntempo
  • eiserne Disziplin und Motivation erforderlich
  • lange Ausbildungsdauer
  • teuerste Weg zum Techniker

Fazit: Den besten Weg zum Techniker gibt es nicht

Übersicht: Weiterbildungswege zum staatlich geprüften Techniker

Vollzeit Teilzeit Fernstudium
Schulen staatl. und privat staatl. und privat privat
Kosten 0 bis ca. 500 p. Sem. 0 bis ca. 500 p. Sem. ca. 130-150 € mntl.
Dauer 2 Jahre 3,5 bis 4 Jahre 3,5 bis 4 Jahre
Kurszeiten tagsüber abends & samstags frei einteilbar

Welche Möglichkeit zur Techniker-Weiterbildung die beste ist, hängt stets individuell von der jeweiligen Lebenssituation ab. Wer es sich leisten kann, der kommt in der Vollzeit-Schule schnell und günstig zum Techniker. Wer fest im Berufsleben verankert ist und nicht aussteigen möchte,  wählt ein Teilzeit-Modell zum Techniker. Wer zeitlich noch flexibler sein möchte, macht den Techniker im Fernstudium. Und eigentlich ist doch nicht wichtig, wie man ihn macht, sondern dass man ihn macht.