Werdet Techniker und Handwerker...

Dieses Thema im Forum "Berufsleben und Gehalt" wurde erstellt von Renegade1000, 17 März 2019.

  1. Hi,

    freue mich auf interessante Diskussionen https://s3.eu-central-1.amazonaws.com/fernstudium/emoticons/default_001_smile.gif


    http://karriereblog.svenja-hofert.d...ierung-auf-dem-voellig-falschen-dampfer-sind/
     
  2. Hmm ja... derselbe Quark, wie das alle Arbeitslosen doch einfach selbstständig mit irgendwas werden sollen oder diese Restaurant-Rettungsshows im Fernsehen...

    Wenn es alle machen, funktioniert es nicht mehr. Dann haben wir eine Handwerkerschwemme und die Betriebe unterbieten sich ins Bodenlose...

    Abgesehen davon, studiert mn BWL ja nicht, weil man lieber Ingenieur geworden wäre. Man studiert BWL, Journalismus oder solches Zeug, weil es einen interessiert. Wen Technik (oder körperliche Arbeit, siehe Handwerk) nicht interessiert, der sollte um Gottes Willen die Finger lassen.
    Was ist schlimmer als kein Handwerker? Genau ein schlechter Handwerker...

    Lieber bleibt die Terasse so wie sie ist, als dass ich die von einem Stümper machen lasse, der im Grunde seines Herzens lieber Tabellen erstellen wollte und Handwerker wurde, weil da das "große Geld" winkte.
    Das große Geld gibts übrigens im Handwerk auch nicht, da muss man schon Ingenieur werden, am besten Wi-Ing und dann in die Unternehmensberatung. Der normale Ingenieur verdient zwar gut, aber eben nicht überragend...
     
    JHK82 und derschwarzepeter gefällt das.
  3. ...ein bischen was ist aber durchaus dran. Meine Schwiegereltern haben ein Gas-Wasser Unternehmen und finden kein brauchbares Personal. Deren Meister (angestellt) verdient mehr als so mache gestandener Techniker hier laut dem Gehaltstread.
    Man wird als angestellter Handwerker sicher nicht reich, arbeitslos aber momentan auch eher nicht. Wer etwas drauf hat und auch für Kundendienst und komplexere Themen wie Fehlersuche und spezielle Techniken etc. eingesetzt werden kann, kann davon recht gut leben.

    Im Gegensatz zu Bürojobs gibts sicher rmehr Überstunden, diese werden in aller Regel aber auch vergütet.

    Ein Kumpel von mir ist als selbstständiger Elektriker zugange, der kann sich vor Aufträgen kaum retten, knüppelt ordentlich Stunden und lacht über mein Gehalt... Wenn er schlau ist wird er sich einen zweiten, dritten Mann/Frau dazuholen und seine Stunden reduzieren und trotzdem gut leben.
     
    ElektroFuzzi gefällt das.
  4. Nunja... du kannst dich als Angestellter natürlich nicht mit einem Selbstständigen vergleichen...

    Das geht schon damit los, dass dein Kumpel eben 60h pro Woche arbeitet (inkl. Buchhaltung, usw.) und eben nicht nur die vertraglichen 40h, Überstunden bezahlt bzw. abbummeln usw.
    Und dann besteht ja immer noch das Problem, dass viele, wenn nicht die meisten, Selbstständigen gerne übersehen, dass die private Krankenversicherung sie im Alter ruinieren kann, sie privat vorsorgen müssen, eine adäqute Unfall- und Berufsunfähigskeitsversicherung brauchen (da sie in keinerlei Sozialversicherung einzahlen), usw. Darüber hinaus trägt er als selbstständiger Meister die gesamte Verantwortung alleine. Dafür soll er natürlich auch gut verdienen, keine Frage...

    Als Handwerker wirst du auch eher selten die Rente mit 65 erleben, das heißt die müssen unbedingt was zurücklegen, weil die meisten mit 60 einfach nicht mehr können.

    Wenn du Geschäftsführer einer kleinen Firma wärst, würde er auch nicht über dein Gehalt lachen... allerdings müsstest du dann auch 50h+ arbeiten...

    Und du hast es selbst auch schon gesagt... "Im Moment" wird man als Handwerker sicherlich nicht arbeitslos, keine Frage.
    Das Handwerk wird allerdings weiterhin unattraktiv bleiben, denn die Jugendlichen werden sich nicht plötzlich in 10 Jahren wieder alle die Finger mit schwerer körperlicher Arbeit schmutzig machen wollen.
    Wenn das also weiterhin so bleibt, dann werden 2 Dinge passieren:
    1. das Handwerk wird verstärkt versuchen Arbeiten zu automatisieren
    2. man holt sich (billige) Fachkräfte aus dem Ausland

    Man darf nicht unberücksichtigt lassen, dass der momentane Bauboom einzig und allein ein Kind der Niedrigzins-Phase ist und die Investitionswut wird nachlassen. Nicht morgen, nicht übermorgen, aber das wird passieren...

    Ich gönne das jedem Handwerker, dass er gut verdient. Die machen körperlich teils richtig schwere Arbeit, ruinieren sich ihr Kreuz, kloppen sich die Finger kaputt, das soll gut entlohnt werden.
    Aber ich finde es gefährlich jetzt mit aller Gewalt Leute in einen Markt pressen zu wollen, der zwar im Moment boomt... aber in dem es in absehbarer Zeit wieder mächtig bergab gehen wird...
     
  5. Das gilt eigentlich für jeden Bereich.....
    Hatte ja schon mal geschrieben, dass mein Bruder sich im Bereich SPS Programmierung selbstständig gemacht hat und sich vor Aufträgen kaum retten kann. Die Auftragsvermittler, die bei ihm anrufen und für 45 EUR/Stunde Aufträge anbieten, lehnt er dankend ab. Stundensatz (zzgl. Hotelkosten+Reisekosten) 90 EUR aufwärts. Seine Kunden wissen aber auch, dass er seine Arbeit top und termingerecht abliefert.

    Naja, ich bin als Selbstständiger weiterhin in der GKV versichert und sehe es eher positiv, dass ich privat vorsorgen kann und mein Geld nicht mehr in die gesetzliche Rentenversicherung stecken muss.

    Genau so ist es.....
     
  6. Es gibt da einen schönen Ausdruck, sog. "Schweinezyklus". D.h. sobald ein angeblicher Mangelzustand immer wieder öffentlich gemacht wird, entsteht ein Run auf die entsprechenden Ausbildungen / Studiengänge (beim Lehrerberuf immer wieder beobachtbar) - und dann entsteht ein Überangebot an Fachkräften, z.B. Handwerkern oder Lehrern, lest u.a. http://aktuelle-sozialpolitik.de/2017/10/02/die-lehrer-und-der-schweinezyklus/
     
  7. Ich hoffe ich hatte den Schweinezyklus nicht explizit erwähnt, wenn ja tut es mir sehr leid, denn der ist bei den Handwerkern in der Tat nicht das Problem...

    Das Problem im Handwerk ist ein gesamtgesellschaftliches bzw. (global gedacht) eins des 21. Jahrhunderts. Unsere Kinder wachsen heute in aller Regel auf mit Technik. Nahezu alles Anstrengendes muss man Ihnen nicht abnehmen, aber man kann es ihnen abnehmen. In dieser Wohlfühlkultur geht natürlich jedes Kind davon aus, dass es später mal im Büro sitzt, am Computer Tasten drückt und dann 3.000 EUR überwiesen bekommt...

    Und es geht weiter. Mit einem Hauptschulabschluss bekommt man mit viel, viel Glück eventuell einen Job als Gärtnergehilfte. Mit guter Realschule nimmt einen noch der Maurermeister um die Ecke. Für die Ausbildung in der Industrie ist hingegen das Abitur längst der Regelabschluss. Schon zu meiner Zeit hatten 30% der Schlosser- und Elektriker-Azubis Abitur und das war 2003...

    Lange Rede kurzer Sinn:
    Das Handwerk kann gar nicht soviel zahlen, wie man jungen Leuten zahlen müsste, um sie zu der Drecksarbeit zu bewegen, die man im Handwerk nun mal leisten muss. Das hat mir übrigens auch ein GWS-(Gas-Wasser-Sch*****)Meister vor Kurzem bestätigt. Die Gehälter, die potenzielle Bewerber verlangen, kann er nicht zahlen. Dann macht er die Arbeit lieber alleine und hat weniger Umsatz, dafür aber mehr Gewinn...
     

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