Weiterbildung, nur welche?

Hi!

Erstmal vorweg, ich weiß dass dieses Thema schon x-mal angeschnitten und durchgekaut worden ist, trotzdem konnte ich bis jetzt keine Antwort finden die mich wirklich zufrieden stellt... Wende mich daher direkt an euch mit der Bitte um den ein oder anderen Ratschlag.

Zu mir: 23 Jahre alt, wohnhaft in Baden-Württemberg, Abitur (jämmerliche Note von 3,7), knapp 2 Jahre Bund, jetzt im dritten Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker, Notenschnitt von 1,3, vorgezogene Abschlussprüfung ist abgesegnet.

Bin der einizige Industriemechaniker im Betrieb (ca. 180 Mitarbeiter, Lohndreherei) und vom Anfang an im Werkzeugbau tätig. Mittlerweile mach ich den Werkzeugbau komplett alleine, dass heißt: Aufträge annehmen oder ablehnen, entscheiden ob ein Auftrag überhaupt machbar ist, selbstständige Einteilung wann mach ich was (sofern die Dringlichkeit des Auftrags es zulässt), Werkzeug/Materialbestellungen, seit September auch die komplette Ausbildung der Azubis im ersten Lehrjahr (Feilen, Bohren, konventionelles Drehen und Fräsen, Schleifmaschinen, Einführung in CNC-Fräsen sofern die Zeit es zulässt, Maschinenwartung und Instandhaltung, Maschinenelemente wie Lager, Übersetzungen, Antriebe, etc.) übernommen und mache das auch komplett selbstständig, also wann was wielange. Vorher wurde ich auch schon sehr stark in die Ausbildung mit einbezogen. Des weiteren auch teilweise die Organisation aller Azubis (z.Zt. 8 Zerspanungsmechaniker und 4 Maschinen Anlagenführer) und auch inoffizieller Stellvertreter des Ausblindungsmeister.
Der Meister kuckt über Bestellungen, etc. mal drüber und segnets dann ab, fragt gelegentlich nach dem Stand der Azubis im ersten, kuckt denen auch mal über die Schulter und fragt die immer wieder mal nach deren Fachwissen ab. Ebenso mein aktueller Auftragsstatus und auch mein Fachwissen/Arbeitsweise. So werde ich 'überwacht' und kontrolliert, gegebenfalls steuert dann etwas nach. Mache aber jetzt schon weit mehr als ein Facharbeiter, und das alles obwohl ich selber noch Azubi bin.
Das Ganze kann man jetzt entweder als Anerkennung meiner Fähigkeiten oder als Armutszeugnis meines Meisters sehen... Da ich aber durchweg sehr positive Resonanz von Azubis, Externen, anderen Facharbeitern und Meistern/Abteilungsleitern bekomme gehe ich mal vom ersten aus. :)

Ich hab unglaublich viel Spaß am Ausbilden und würde dass auch gerne weitermachen! Auch die Arbeit macht mir sehr viel Spaß und bin völlig faszinert von Technik, in der Berufsschule ist es meistens so dass ich von neuen Themen mindestens schon die Grundlagen kann/weiß, weil ich das schon in diversen Fachbüchern/Fachsendungen/Gesprächen/Foren aufgeschnappt habe. Kurzum, ich bin der Schule unterfordert. Möchte einfach noch mehr wissen, verstehen (es gibt nichts schlimmeres für mich wenn als Antwort "Das ist halt einfach so" bekomme) und tiefer in die ganze Materie gehen.

So, eine mächtig lange Einleitung, aber ich hoffe dass ihr mich und meine Situation jetzt etwas besser verstehen könnt... Aber mit Fragen wie "Was soll ich machen?" und ein bis zwei Sätzen dazu kann man meiner Meinung nach nicht viel anfangen...

Jetzt aber zum eigentlichen Punkt, ich möchte mich weiterbilden, ganz klar. Für ein Studium Maschinenbau räume ich mir keine sonderlichen Chancen ein, Abi 3,7 Mathe 2-5 Punkte und so weiter. War keine Leuchte. Ob das jetzt an den falschen Freunden, falsche Umstände (gesamte Schulzeit im Internat), mangelnde Weitsicht und Motivation lag, ich denke es war ein Mix aus allem. Jedenfalls habe ich während der Zeit beim Bund begriffen dass es so nicht weitergeht, es hat sich jetzt alles in Gegenteil, zum besseren gekehrt. Trotzdem fehlen mir massig Grundlagen, grade für ein Mathematik-lastiges Studium wie Maschinenbau. Ich will halt nicht durch das Studium rauschen und realisieren dass ich 1, 2 oder sogar 3 Jahre in den Sand gesetzt habe.

Meister machen? Auch eine Möglichkeit. Ich hätte die Möglichkeit im März mit einem ehemaligem Azubi (ausgelernt) den Handwerksmeister mit Teil 3+4 in Teilzeit zu beginnen. Ist natürlich vorteilhaft wenn man sowas zusammen mit jemandem macht dem man sehr gut kennt und der es fachlich auch draufhat. Ja, das wäre noch während meiner Ausbildung, aber ich habe das OK von der Meisterschule und der Handwerkskammer. Ich kann die Kurse besuchen, muss aber vor den Prüfungen mein Berufsabschluss nachreichen. Obwohl mir viele raten es nicht zu machen, da sie meinen dass ich mehr als das kann, unter anderem mein Meister. Ob er mir das jetzt sagt weil er sich Sorgen macht dass ich an seinem Stuhl säge, völlig unwahrscheinlich ist es nicht...

Also, Techniker? Auch sehr interessant für mich! Bleibt ja eigentlich auch nichts mehr übrig ,meines Wissens nach... Hier hätte ich die Möglichkeit nach einem Jahr Berufserfahrung mit einem meiner jetzigen Klassenkameraden den Maschinenbautechniker in Vollzeit zu machen. Wieder vorteilhaft, siehe Möglichkeit Meister... Den Techniker traue ich mir zu, die nötigen Grundlagen (Mathe...) würde ich dann mit ihm in dem Jahr wiederholen und auffrischen bevor es dann in Vollzeit losgeht.

Wie seht ihr das? Mir ist völlig klar, was ich mache muss ich selbst entscheiden, nur kann ich mich zur zeit nicht wirklich entscheiden... Bitte euch daher einfach um ein paar Tipps, Ratschläge, konstruktive Kritik, vielleicht eigene Erfahrungen so dass ich einen Schubs in die richtige Richtung bekomme. Ich tendiere eher zum Techniker, bin mir aber noch nicht sicher...

Vielen Dank im voraus!
Lg

P.S: Falls das alles jetzt etwas wirr ist, entschuldigt bitte, es ist jetzt 00:02 und ich bin jetzt leicht müde ;)
 
Das nenne ich mal eine ausführliche Herleitung^^
Ich bin selber zwar nicht im Maschinenbau tätig und kann dadurch nicht genau sagen ob es auch auf deinen Bereich zutrifft, jedoch gab es bei mir auch die Wahl zwischen Meister oder Techniker. Warum habe ich mich für den Techniker entschieden?
Dies war für mich relativ einfach zu dem Zeitpunkt, denn der Meister ist mehr auf Personelles, BWL, Büro etc. fixiert. Der Technik dagegen hat zwar diese Bereiche auch mit drin, jedoch zu etwas geringeren Teilen, dafür aber mehr Praxiswissen. Mir war es einfach wichtig auch etwas tiefer in die Materie einsteigen zu können und verstehen zu können was im Hintergrund abläuft, ohne aber auch auf die Planungsseite zu verzichten.
Man sieht es ja bereits daran das der Meister eine kürzere Weiterbildungszeit als der Techniker hat.

Die war jetzt aber nur ein kleiner Einblick von Techniker und Meister, alle anderen Sachen wie Studium oder andere Weiterbildungen kann ich nun nicht beurteilen.
Was ich dir aber empfehlen würde, da es dir soviel Spaß macht die Ausbildung zu koordinieren, mach nach deiner Ausbildung den AdA-Schein.
 
Danke für deine Antwort! Der AdA-Schein war sowieso geplant, da man den ja (zwingend?) braucht um ausbilden zu dürfen, meines Wissens nach. Was ich ja auch gerne weitermachen würde, sofern die Gegebenheiten es zulassen... Und wenn nicht: Was man hat, das hat man.

Deine Argumentation Meister/Techniker ist für mich sehr gut nachvollziehbar, im Grunde hab ich den gleichen Gedanken im Kopf. Allerdings muss ich gestehen (und das ist die Zwickmühle) dass mir dias Praxiswissen auch sehr wichtig ist... Brauch wahrscheinlich einfach noch etwas Zeit bis sich herauskristalliert was mir im Endeffekt wirklich wichtiger ist...

Jetzt mal eine vielleicht völlig abstruse Idee, sind die Meisterteile einzelnd irgendwas wert? Genauer gesagt Teil III? Der AdA-Schein lässt sich ja als Teil IV anerkennen (umgekehrt auch? Oder ist das ein und dasselbe?)... Rein hypothetisch, ich fange ab März den Meister mit Teil III an und mache den AdA-Schein bei der IHK (was so oder so der Plan ist, 2 Wochen Vollzeit). Die zeitliche und finanzielle Belastung mal nicht mit einbezogen. Nach Teil III und AdA-Schein dann den Techniker machen. Oder wird beim Techniker Betriebswirtschaft im gleichen Umfang oder mehr behandelt wie beim Meister? Ist der Teil III dann bei Bewerbungen irgendwas wert?
Muss aber zugeben, je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr sieht diese Idee nach Käse aus... Zumal du es schon erwähnt hast dass der Techniker BWL, etc im geringeren Umfang hat als der Meister. Ich lasse den Gedankengang jetzt aber trotzdem mal stehen.

Sehe grad in deiner Signatur DAA-Technikum... Was kannst du mir davon an Erfahrungsberichten erzählen? Da du im 5ten Semester bist gehe ich mal davon aus dass du den HLK-Techniker als Abendschule machst. Dafür erstmal meine Anerkennung, ich stelle mir das alles andere als einfach vor. Ich tendiere zwar eher zur Vollzeit, aber ich halte mir ertsmal noch alles offen. Wie ist es mit der Doppelbelastung?
 
Wie es mit der Anrechnung der einzelnen Meister-Teile aussieht kann ich dir leider nicht sagen da ich mich mit dem Bereich null auskenne. Zum Ada-Schein kann ich dir sagen das er auf jedenfall zwingend notwendig ist um als direkter Ausbilder tätig zu sein. Denn in Deutschland brauch man als Ausbilder eine Ausbildungsbefähigung und eine Ausbildungeberechtigung. Die Berechtigung erhält man durch eine Berufsausbildung/ein Studium und die Befähigung durch den AdA-Schein. In der Ausbilder-Eignungsverordnung (Vom 21.01.2009) gibt es aber im §6 Abs. 2 den Hinweis, dass man durch eine Meisterprüfung o.ö. eine berufs- und arbeitspädagogische Eignung nachweisen kann und somit den theoretischen Teil der AdA-Prüfung überspringen kann. So glaube ich es verstanden zu haben, jedoch warte ich persönlich selber noch auf eine Antwort der IHK zu dem Thema wie es da genau läuft.

Zum DAA-Technikum:
Vorab sei gesagt dass das DAA-Technikum keine Abendschule ist sondern eine reine Fernbildungseinrichtung ist. Somit läuft der gesamte Lernprozess (bei mit 7 Semester) im häuslichen Studium ab, man lernt selbstständig das was und wann man will und legt seine Prüfung dementsprechend auch im eigenen Rhythmus ab. Klar man muss zusehen am Ende alle Prüfung geschafft zu haben um zur staatlichen Prüfung zugelassen zu werden, dafür wird einem aber auch ein Leitfaden zur Seite gestellt an dem man sich orientieren kann oder, wie ich es mache, eben nicht und die Prüfungen im eigenen Tempo erledigt.
Jedoch ist dies ein Knack-Punkt beim DAA, sobald man selbstständig lernen will und das im eigenen Tempo und der eigenen Reihenfolge machen will ist man abhängig von anderen Leuten in höheren Semestern. Denn die DAA ist nicht bereit Lernmaterial vorm geplanten Zeitpunkt heraus zu geben und somit macht es sich manchmal etwas schwer eine Prüfung schon 1 oder 2 Semester vorm geplanten Zeitpunkt ab zu legen, weil man sich sagt das es gerade perfekt passen würde in die eigene Planung.
Vom Lernaufwand her ist das DAA dagegen aber eher trivial, natürlich ist dies eine rein subjektive Auffassung.
Beim DAA kann man entweder sehr viel lernen wenn man auch alles verstehen und können will oder man lernt nur für die Prüfungen um eine gute Note zu kriegen und hat dann einen Zeitaufwand von ca. 2-3 Wochen pro Prüfung und mehr nicht.
Vom Ablauf ist es so das man in den ersten 3 Semestern einen begleitenden Samstagsunterricht hat den man besuchen kann oder auch nicht, dieser ist nur für die Grundfächer (Mathe, Physik, Englisch, Deutsch, Politik). Zwingend notwendig wird der Unterricht erst wenn man Bafög bezieht, da die Termine als Leistungsnachweis zählen.
Ab Ende des 3. Semester beginnen dann die Präsenztermine in Würzburg, Jena oder Osnabrück (je nach Fachrichtung), für Maschinenbau (was für dich wohl kommen würde) wäre es Würzburg. Diese Termine finden jedes Quartal statt, der erste geht nur 2 oder 3 Tage (weiß net mehr genau) und alle weiteren dann von Mittwoch bis Samstag (Samstags ist mittags meist Schluss). Diese Termine sind an sich wieder freiwillig außer es kommt wieder das Thema Bafög dazu, da dies auch als Leistungsnachweis zusätzlich zu den Fernaufgaben und Prüfungen zählt.
Jedoch sollte man die Termine trotzdem wahrnehmen da einem dort diverse Dinge über Prüfungsabläufe etc. erzählt werden und am Ende des Studiums, vor der staatlichen Prüfung, muss man noch eine Projektwoche ablegen in der man in Teamarbeit ein komplettes Projekt abwickelt. Dieser Ablauf ist dann gleich dem Ablauf der Präsenzphasen und Übung macht den Meister^^


Soweit einmal ein kleiner Ausblick auf das DAA-Technikum, solltest noch weitere Fragen haben stehe ich dir gern zur Seite^^
 
S

skyahawk

Gast
Hi Gizmo1990,

Du erinnerst mich mit Deiner Vorgeschichte (Abitur, Lehre, etc) an mich vor ca. 20 Jahren.

Ich habe erst vor kurzem beim DAA-Technikum meinen Staatlich geprüften Informatiker ziemlich gut erfolgreich beendet.
Trotzdem, und vielleicht gerade deshalb, bedauere ich es inzwischen sehr, dass ich nicht nach meiner Ausbildung folgendes gemacht habe:

  • mir vom Klett-Verlag die entsprechenden Mathe-Bücher (10. - 12.Klasse Gymnasium) besorgt habe,
  • mich 1 Jähr nur intensiv mit Mathematik beschäftigt hätte und
  • dann sofort an einer FH oder Uni immatrikuliert hätte
Weißt Du, aus meiner Erfahrung spart man sich so viel Mühe und Zeit, wenn man gleich studiert und nicht (so wie ich) einen Umweg nach dem anderen geht, um doch nur festzustellen, dass man sein Potenzial besser hätte investieren können.

Ich kann Dir nur empfehlen, wenn Du noch zu Hause wohnst oder es Dir finanziell irgendwie leisten kannst, asap ein Studium zu machen.
Ich weiß genau, was Du geschrieben hast, denn mir ging es ähnlich.

Später wirst du vielleicht Dein Leben lang (ungeachtet Deiner Abiturnote) daran denken, dass Du es mit ein wenig mehr Einsatz doch hinbekommen hättest.

Du bist in der beneidenswerten Situation noch (aus meiner Sicht) so jung zu sein. Bis 30 ist noch nichts verloren. Später rennt die Zeit, eine Familie möchtest Du gründen, etc. - und schon bist Du 40.

Jeder Mensch steht irgendwann an einer Weggabelung und muss entscheiden; manche Entscheidungen haben jedoch ungleich mehr Gewicht als andere.
Deshalb mein einziger Rat: WÄHLE GUT UND ENTSCHEIDE LANGFRISTIG !!!

Viele Grüße

skyahawk
 
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