Von der Krankenschwester zur Gesundheitsmanagerin

Thomas

Mitarbeiter
[TEASER][NIMGR]http://tfcdn.de/attachments-news/7/73.gif[/NIMGR]"Run" auf Aufstiegsstipendien des BMBF: Immer mehr Menschen, die bereits im Berufsleben stehen, möchten studiere.

Zwei Jahre ist es her, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die "Aufstiegsstipendien" eingeführt hat. Es richtet sich vor allem an Menschen, die sich aus ihrem Beruf heraus über ein Studium weiterqualifizieren wollen. Mittlerweile werden 2.500 Stipendiatinnen und Stipendiaten damit gefördert. Zehn von ihnen werden am Donnerstag, den 2. Dezember, zur Aufnahme in die BMBF-Förderung bzw. zum Abschluss ihres Hochschulstudiums von der BMBF-Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen in Berlin in einer Feierstunde im Ministerium beglückwünscht. [/TEASER]

"Deutschland braucht Fachkräfte. Deshalb ist es wichtig, dass wir alle Talente fördern und beruflich erfolgreichen Menschen ein Hochschulstudium ermöglichen", sagte Quennet-Thielen im Vorfeld der Veranstaltung. "Früher sagte man, wenn jemand seine Berufsausbildung beendet hatte, er habe ausgelernt. Angesichts des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts und des sich weiter beschleunigenden wirtschaftlichen Wandels kann und darf heute davon keine Rede mehr sein", so Quennet-Thielen weiter. "Dass es bis jetzt schon fast 10.000 Bewerberinnen und Bewerber gibt, zeigt, wie hoch das Interesse von Fachkräften an zusätzlichen Aufstiegsperspektiven ist."

Die nachfolgenden Kurzbiografien geben einen Einblick in die Bildungsbiografien ausgewählter Stipendiatinnen und Stipendiaten. So schildert eine 30-jährige gelernte Kfz-Elektrikerin, wie sie als gebürtige Thailänderin durch ihren "Wunsch, mehr zu wissen" zum Studium für Elektronik und Informationstechnik kam. Eine 40-jährige Kinderkrankenschwester aus Berlin sucht nach dem Aufstieg zur stellvertretenden Stationsleitung mit einem berufsbegleitenden Studium "Management im Gesundheitswesen" nach Möglichkeiten, noch weiter aufzusteigen.

Derzeit studieren im Programm "Aufstiegsstipendium" 40 Prozent aller Stipendiaten berufsbegleitend. Etwa 30 Prozent belegen ein Studium im Bereich der MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik. 8 von 10 Stipendiaten studieren an einer Fachhochschule, rund 40 Prozent sind älter als 30 Jahre. Und: Nur ein Drittel hat ein klassisches Abitur. Quennet-Thielen: "Das zeigt auch, dass das Programm einen wichtigen Beitrag liefert, um die Chancengerechtigkeit beim Hochschulzugang zu erhöhen." 2009 stieg die Zahl der Studierenden ohne Hochschulreife um 45 Prozent - von 4350 (2008) auf 6.311 (2009). Von allen beruflich qualifizierten Studienanfängern ohne Abitur erhält jeder zehnte ein Aufstiegsstipendium.

Das Aufstiegsstipendium unterstützt Berufserfahrene bei einem ersten Hochschulstudium. Die Berufserfahrung wird belegt durch den erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung und durch eine anschließende Berufstätigkeit von mindestens zwei Jahren. Voraussetzung ist, das das Studium an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule erfolgt und mit einem akademischen Abschluss endet (i.d.R. Bachelor oder Diplom). Nach Stipendienzusage ist ein Jahr Zeit mit dem Studium zu beginnen. Wer bereits studiert, kann sich bis zum Ende des zweiten Studiensemesters bewerben. Die Förderung für ein Vollzeitstudium beträgt 750 Euro monatlich, für ein berufsbegleitendes Studium 1.700 Euro jährlich. Wegen der großen Nachfrage soll das BMBF-Fördervolumen im kommenden Jahr um 70 Prozent gesteigert werden, von 13 auf 22 Millionen Euro.


Kurzbiografien

Dariga Kordic
Als Frau hat sich Dariga Kordic eine eher untypische Berufssparte ausgesucht: Die gelernte Kfz-Elektrikerin studiert Elektronik und Informationstechnik an der Hochschule Heilbronn. Das, so sagt sie, war schon immer ihr Traum. "Der Wunsch, mehr zu wissen, kommt bei mir von ganz tief innen", meint die 30-jährige aus dem baden-württembergischen Lauffen.

Dass sie einmal so weit kommen würde, war keineswegs selbstverständlich. Denn als die gebürtige Thailänderin mit 16 Jahren nach Deutschland kam, wurde sie zunächst auf die Hauptschule verwiesen, weil sie kaum Deutsch sprach. Dass sie in Thailand das Gymnasium besucht hatte, spielte dabei keine Rolle. "Sie haben nicht nach meinem Wissen gefragt, sondern nur nach meinen Deutschkenntnissen", sagt Dariga Kordic. Sie ließ sich aber nicht entmutigen. Nach der Hauptschule, die sie als Zweitbeste ihrer Klasse abschloss, nahm sie ein Jahr an einem Berufsvorbereitungsjahr teil, vor allem um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Anschließend wollte sie eigentlich zwei Jahre den technischen Zweig einer Berufsfachschule besuchen, aber schon nach einem Jahr bot ihr Audi in Neckarsulm einen Ausbildungsplatz an. Der Rektor der Schule riet ihr, sich diese Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Den Realschulabschluss könne sie immer noch nachholen.

Dariga Kordic ließ sich überzeugen. Neben ihrer Ausbildung holte sie auf der Abendschule den Mittleren Schulabschluss nach. Und weil sie sich schon einmal ans Lernen nebenher gewöhnt hatte und mit ihren beruflichen Plänen noch längst nicht am Ende war, besuchte sie anschließend das Abendgymnasium. Das Fachabitur, das sie hier erwarb, ermöglichte ihr später den Zugang zum Studium.

Währenddessen hatte sie sich bei dem PKW-Hersteller bereits zur Entwicklungsfachkraft hochgearbeitet und testete die Software neuer, noch nicht im Handel befindlicher Fahrzeuge. "Das hat mir viel Spaß gemacht, aber ich habe gemerkt: Ich kann die Fehler nicht selber beheben, sondern nur an die Softwareentwickler melden. Es reizte mich einfach, das auch selbst reparieren zu können." Damit stand ihr Entschluss für das Studium fest. Sie hörte von der Möglichkeit, über die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB), die im Auftrag und mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Weiterbildungs- und Aufstiegsstipendien betreut, Unterstützung zu beantragen. Beim Bewerbungsgespräch, so meint sie, habe sie vor allem mit ihrem großen Ehrgeiz begeistert.

Dieser Ehrgeiz führte zu der Entscheidung, ein Vollzeitstudium und kein berufsbegleitendes Fernstudium aufzunehmen. "Ich befürchtete, dass ich dann beides nicht richtig machen kann - die Arbeit und das Studium", sagt Dariga Kordic. Ihre Familie unterstützte sie bei dieser Entscheidung, mehr noch: Ihr Mann entschloss sich zeitgleich zu dem gleichen Studium. Der Wechsel aus der Arbeitswelt ins Studium stellt Dariga Kordic vor neue Herausforderungen. "Das hohe Tempo und die vielen verschiedenen Themen sind eine neue Welt für mich", sagt sie. "Aber der Weg ist der richtige. Ich habe ein gutes Gefühl."


Jürgen Meschenmoser
Neugier, Spaß und Engagement, aber vor allem Disziplin seien notwendig, um dahin zu kommen, wo er sich jetzt beruflich befindet, meint Jürgen Meschenmoser. Der 43-jährige aus dem baden-württembergischen Eriskirch studiert seit einem Jahr in einem berufsbegleitenden Fernstudium Mechatronik und meint: "Bis jetzt haben mich diese Eigenschaften zum Glück noch nicht verlassen. Früher war ich allerdings eher faul", sagt der gelernte Maschinenschlosser über sich selbst.

Dass das nichts mit mangelnder Motivation, sondern eher mit Unterforderung zu tun hatte, entdeckte er erst im Laufe seines Berufslebens. Zunächst besuchte er eine Hauptschule; seine Eltern fanden, das sei doch eine solide Ausbildung, die durchaus Aussicht auf einen Arbeitsplatz biete. Jürgen Meschenmoser sah das anders und überredete sie, ihn noch zwei Jahre auf einer Berufsfachschule gehen zu lassen, um den Realschulabschluss nachzuholen. Als dieser bestanden war, fand Meschenmoser tatsächlich sofort einen Ausbildungsplatz. Wegen seiner Fachschulreife und besonders guter Leistungen dauerte seine Ausbildung statt der üblichen dreieinhalb allerdings nur zwei Jahre.

Nachdem Jürgen Meschenmoser drei Jahre am Band Getriebe montiert und dann seinen Wehrdienst absolviert hatte, dachte er das erste Mal über ein Studium nach. Seine Eltern sahen sich nicht in der Lage, diesen Wunsch zu unterstützen, das Geld reiche dafür nicht, sagten sie. Also beschloss Jürgen Meschenmoser, neben seiner Arbeit die Abendschule zu besuchen. 1996 schloss er sie als staatlich geprüfter Techniker ab.

Inzwischen arbeitete er längst nicht mehr am Band, sondern war über die Arbeit als Detail- und Entwicklungskonstrukteur bei einem Hersteller für Schiffsgetriebe auf einer Stelle als Forschungs- und Entwicklungsingenieur gelandet, ohne tatsächlich eine entsprechende Ausbildung zu haben. Das soll sich jetzt ändern. Nicht nur aus beruflichen Gründen ist Jürgen Meschenmoser das Studium wichtig: "Ich brauche das für meinen Kopf. Ich will einfach immer etwas dazulernen", sagt er. Zum Glück unterstütze ihn sein Vorgesetzter sehr. "Er sagt: ,Das Studium tut Ihnen und auch der Firma gut.'"

Weil Meschenmoser inzwischen auch Familie hat und Alleinverdiener ist, fiel die Entscheidung für ein Studium nicht leicht. Das Aufstiegsstipendium des BMBF machte alles einfacher, sagt er, denn immerhin müsse er für Unterlagen und die Reisen zu den Präsenzveranstaltungen der Hochschule rund 400 Euro im Monat aufbringen. Seine Frau und seine Kinder akzeptieren, dass er abends mehr am Schreibtisch als im Wohnzimmer sitzt. Dass sie ihn bei seinem Vorhaben unterstützen, rechnet er ihnen hoch an. "Ohne ihren Rückhalt würde ich das nicht durchstehen." So aber habe er die Möglichkeit sich um das zu kümmern, was ihm wichtig sei. "Ich stehe hundertprozentig hinter dem, was ich tue. Das hat mich so weit gebracht."
 

Thomas

Mitarbeiter
AW: Von der Krankenschwester zur Gesundheitsmanagerin

Sebastian Schiller
Welche Eigenschaften Sebastian Schiller für ein Stipendium qualifizieren, kann er knapp zusammenfassen: "Meine Persönlichkeit, meine Kommunikationsfähigkeit und mein Wille, dass ich einfach mehr erreichen und dabei meine persönlichen Grenzen kennen lernen möchte."

Dieses Selbstbewusstsein hat er sich hart erarbeitet. Nachdem der gebürtige Ebersberger 1998 die Realschule beendet, bewarb er sich für eine Lehrstelle und begann eine Ausbildung zum Elektrotechniker mit der Fachrichtung Nachrichtentechnik in München. Von seiner Firma übernommen, arbeitete Schiller anschließend in der Netzwerkabteilung in Nürnberg, wo er Computernetzwerke aufbaute und wartete.

Weil er seinen Zivildienst absolvieren musste, legte er 2003 eine Zwangspause ein. Die Arbeit als Zivildienstleistender in der Behindertenwerkstatt gefiel dem jungen Mann so gut, dass er noch ein weiteres Jahr in der gleichen Einrichtung blieb und erwog, sich zum Heilerziehungspfleger ausbilden zu lassen.

Schließlich kehrte er aber doch zurück zur Technik und besuchte die Technikerschule in München, wo er seine Fachhochschulreife nachholte und die Lust am Lernen entdeckt: "Dort kam erstmals richtiger Ehrgeiz in mir auf. Ich habe angefangen, mich genauer für die vielfältigen Themen zu interessieren und wollte einfach mehr wissen. Davor hatte ich mich nie hingesetzt und gelernt - und dann wollte ich plötzlich studieren", sagt er.

Im Herbst 2007 nahm er an der Hochschule für Technik und Wirtschaft sein Bachelorstudium im Bereich Nachrichtentechnik auf. Das Aufstiegsstipendium, das er ab seinem dritten Semester erhielt, war eine große Unterstützung für Sebastian Schiller: "Ohne die finanzielle Hilfe durch das Stipendium wäre es sehr viel anstrengender gewesen, das Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen. So war es für mich natürlich eine tolle Hilfe und hat mir viel Zeit gegeben, das Studium so erfolgreich zu absolvieren", sagt er.

Inzwischen studiert Schiller im Masterstudiengang Elektrotechnik mit der Fachrichtung Kommunikationssysteme an der TU Berlin. Zusätzlich hat er einen Job als studentische Hilfskraft am Heinrich-Hertz-Institut angenommen: "Ich bin damit sehr zufrieden, ich lerne viel und meine Aufgabe bestärkt mich, noch weiter zu machen. Denn der Job ist viel mehr, als nur die finanzielle Unterstützung meines Studiums." Die Arbeit im Forschungsinstitut für mobile und stationäre Kommunikationsnetzwerke entspricht genau dem, was er später gerne machen möchte.

Quelle: Pressemitteilung Bundesministerium für Bildung und Forschung
 
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