Verlust durch Schlupf

Dieses Thema im Forum "Konstruktion" wurde erstellt von Ganse, 15 Nov. 2007.

  1. Hallo,
    ich hab ein arges Problem beim Riementrieb!
    Dass durch Schlupf ein Drehzahlverlust entsteht liegt ja auf der Hand.
    Aber entsteht gleichzeitig auch ein Drehmomentverlust??

    Folgende Situation:
    Riementrieb mit der Übersetzung 1. Der Riemen hat 3% Schlupf. Die Drehzahl der Ausgangswelle ist also um 3% kleiner als die der Eingangswelle.
    Wie verhält sich aber das Ausgangsmoment im Vergleich zum Eingangsmoment? Ist es auch 3% niedriger oder ist es genausogroß wie das Eingangsmoment?
    Und wie kann man das Ganze begründen?

    Ich hoffe Ihr könnt mir irgendwie weiterhelfen.
    Gruß Ganse
     
  2. AW: Verlust durch Schlupf

    Hi Ganse,
    ich kenne das nur so:

    Bei z.B. einem Asynchronmotor versucht der Läufer das quasi vorlaufende Statordrehfeld einzuholen, um synchron zu sein. Erreicht er die Synchrondrehzahl, so schneidet er mit seinem Läufer keine Feldlinien mehr und fällt dann mit der Drehzahl wieder ein wenig zurück. Sagen wir bei z.B. 3.000 1/min um 3% auf 2910 1/min. Dann will er wieder synchron werden, erreicht das Ständerfeld und fällt dann wieder ab. So geht es dann immer weiter.

    S= (3000- 2910)3000 = 3%; n= 2910 steht auf dem Typenschild.

    Das Drehmoment bleibt immer konstant.

    Wenn Du diese Drehzahschwankungen nicht haben willst, musst du eine andere Motorart auswählen, oder mit z.B. einem Frequenzumrichter regeln.

    Gruß
    Andreas2007:)
     
  3. AW: Verlust durch Schlupf

    Also Andreas, so kann man das einem Berufsschüler zum ersten Verständnis erklären.
    Mit einem Frequenzumrichter würde sich auch nichts ändern, das Betriebsverhalten der Asynchronmaschine bleibt gleich.

    Der Asynchronmotor hat bei gleichem Drehmoment auch eine konstante Drehzahl, die halt etwas unter der synchronen Drehzahl liegt, aber diese ist immer konstant.
     
  4. AW: Verlust durch Schlupf

    Hi Motormensch,
    ja das leuchtet ein. Drehzahlkonstanz habe ich damit eigentlich nie verbunden, da dachte ich immer an Synchron - oder Servomotoren. Wieder was dazu gelernt.

    Gruß
    Andreas2007:)
     
  5. AW: Verlust durch Schlupf

    Hallo Ganse!
    also das Problem beim Riementrieb ist der Schlupf er sorgt dafür das nicht die volle Kraft (Tangentialkraft) übertragen wird. Das heißt mal salopp geagt es kommt nicht soviel Kraft an. Und da das Drehmoment M = F (kraft) * l (länge des Hebelarms in dem Fall r deiner Riemenscheibe) ist. wird wenn die Kraft durch den Schlupf kleiner wird auch das Moment kleiner. und zwar genau 3% wenn der Schlupf 3% ist. Der Schlupf mindert den Kraftfluss zwischen Riemen und Scheibe so das nicht alle Energie zur Scheibe übertragen wird. Die 3% werden in Wärem oder andere Energieformen gewandelt (z.B. Schall quietschen von Keilriemen) . Ich hoffe ich konnte helfen.
     
  6. AW: Verlust durch Schlupf

    Hallo zusammen,
    ACHTUNG: Hier (beim Riemenantrieb, Flachriemen) ist Dehnschlupf gemeint und nicht Gleitschlupf. Letzterer ist unbedingt zu vermeiden, denn der führt durch Reibungswärme am Riemen zur Versprödung und zum schnellen Ausfall. Dehnschlupf (ca. 2%) erzeugt durch unterschiedliche Dehnung von Last- und Leertrum auch einen Geschwindigkeitsverlust bzw. Drehzahlverlust an der angetriebenen Scheibe/Rad.
    ABER: Die Frage bleibt: Drehmomentverlust oder kein Drehmomentverlust?
    FG MichaEL
     
  7. AW: Verlust durch Schlupf

    Eine wirklich gute Frage, die ich zwar nicht beantworten kann, aber meine Denkweise mal darlege.
    Lässt man man die Reibung weg, so denke ich dass das Drehmoment das gleiche ist.
    Es wird zwar Leistung verlorengehen, aber bei gleichem Drehmoment und einem geringen Drehzahlverlust, wird der Leistungsverlust wohl daher kommen.

    Vorstellen könnte man sich die Sache so. Es ist doch egal, ob ich an einem Drehmomentschlüssel direkt mit der Hand ziehe, oder ob ein Seil dazwischen ist, das sich dehnt. Wenn jeweils mit 10N gezogen wird, so sind das auch 10N.
     
  8. AW: Verlust durch Schlupf

    Eigentlich hat´s für mich "Beatlejuice" ja auf den Punkt gebracht. :):thumbsup:
    Ich dachte immer: "Schlupf" ist, wenn einer hinter dem "Soll" hinterherhinkt.

    Freue mich über die Hilfe von "Motormensch!":)
     
  9. AW: Verlust durch Schlupf

    Hallo,
    vielen Dank an alle für Eure Antworten. Ich seh das eigenlich genauso wie Motormensch. Beim Dehnschlupf sollte eigentlich kein Moment verlorengehen, nur Drehzahl...

    Nochmals Danke an alle!
    Gruß Ganse
     
  10. AW: Verlust durch Schlupf

    Ich denke nicht, daß dies die richtige Sichtweise ist.
    Denn wenn wir versuchen, uns das differentiell zu betrachten, haben wir auf der einen Seite einen antreibenden Motor, der nur in der Lage ist, ein max. Drehmoment leisten zu können.

    Und mit diesem "karpft" er nun gegen ein ihn hemmendes Drehmoment an.
    Ob dabei ein "Dehnschlupf" oder sonst einer mit im Spiel ist, spielt dabei überhaupt keine Rolle:
    jeder Schlupf bedeutet Verlust der Leistungsübertragung.

    Jedenfalls dann, wenn man von der idealen Leistungsübertragung (= verlustlos) ausgeht.
    Die es bekanntlich nicht gibt.
     

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