Trotz guter Noten kein Job

Hallo Leute, ich bräuchte mal ein paar Ratschläge oder Tipps.

Bin 27 Jahre alt, aus Bayern und hab meinen Techniker Maschinenbau mit sehr guten Noten gemacht, auch Zusatzqualifikation Qualitätsmanagement dazu.

Davor als Fräser angestellt, auch mit gutem Arbeitszeugnis.

Leider bekomme ich auf Bewerbungen fast nur Absagen, oder schlechte Angebote. Die Bewerbungen an sich sind qualitativ gut, wurde mehrfach geprüft.

Ich habe mich vor allem in die Richtung Konstruktion / QM beworben. Auf dem Gebiet habe ich auch meine Technikerarbeit erfolgreich gemacht (Note 1).

Leider heißt es dann aber seitens der Firmen immer nur "Ja sie kommen ja frisch aus der Schule und haben gar keine Berufserfahrung auf diesem Gebiet..."

Leider sind 90% der Online-Stellenanzeigen nur (Lock)-Angebote von Personaldienstleistern, Zeitarbeitsfirmen usw. Personaldienstleister hatte ich mich paar mal beworben, die wollen einem aber nur in Aushilfsjobs stecken.
Und in die großen Firmen wie Audi, BMW kommt man scheinbar auch nur mit "Beziehungen" rein, öffentlich schreiben die in diesem Berufsfeld fast nichts aus bzw. vergeben die Stellen intern.

Es ist wirklich ein Graus. Hatte letzte Woche ein Vorstellungsgespräch bei einer großen Firma mit Tarifbindung als "Maschinenbediener" (mal unverbindlich anhören + irgendwas muss ich ja machen....). Lohn EG 4 bei 3 Schichten, Grundgehalt 2.700€...

Man macht doch keinen Techniker, vor allem mit sehr guten Leistungen, um dann weiterhin an der Maschine zu arbeiten, sogar noch in Nachtschicht (was ich eigl. nicht will). Wenn ich erstmal (wieder) an der Maschine stehe, wird es doch umso schwerer dort weg zu kommen...

Auf was kann ich mich denn alles bewerben als MB-Techniker mit QM-Zusatz?
Meiner Meinung nach

- Konstrukteur
- QM-Bereich
- CAD/CAM-Programmierer
- notfalls CNC-Fräser

sonst noch was...?

MfG
 
Zuletzt bearbeitet:
Als Konstrukteur bitte nicht. Denn hier gibt es einen übermächtigen Konkurrenten und das wäre der Bachelor. Seit der Bologna Reform haben es Techniker ohne Beziehungen oder welche die nicht im urpsrünglichen Unternehmen bleiben wollen sehr schwer.
Entweder die Erwartungen runterschrauben, ausdauernder sein oder besser noch mal ein Studium anstreben.
 
Ich komme zwar nicht aus dem Maschinenbau, aber mir hat Xing etwas geholfen. Auch da tummeln sich viele Angebote die nichts taugen, aber das ein oder andere war ansehenswert.
 
B

Benutzer74741

Gast
Xing wird hier nicht weiterhelfen... Xing ist als Karriereplattform gedacht für Leute, die schon relevante Daten in ihrem Lebenslauf haben, sodass z.B. Headhunter darauf aufmerksam werden. Wobei ich die Wirkung von Xing selbst bei diesen Leuten für massiv überschätzt halte. In erster Linie profitiert Xing und die Arbeitgeber von den Leuten, die sich dort kostenfrei nackig machen und nicht der Arbeitnehmer...

Für Jemanden, der noch keine Berufserfahrung hat und in einem überlaufenen 08/15-Bereich wie "Konstruktion" einen Job sucht, wird Xing hingegen nix bringen...

Kein Arbeitgeber geht bei Xing auf die Suche nach "Frisch von der Schule, keine relevante Berufserfahrung, dafür aber beste Noten..."

Wenn es gar nicht anders geht, musst du bei einem Personaldienstleister und hoffen, dass du irgendwo in einem Unternehmen hängenbleibst.
So unrealistisch ist das nicht, ich kenne nicht wenige, die bei Ingenieursdienstleistern angefangen haben und nach einigen Jahren dann fest in andere Firmen gewechselt sind...

Wichtig ist, dass du jetzt relevante(!) Berufserfahrung sammelst, auch wenn das zunächst heißt, nicht dein Wunschgehalt zu bekommen. Wenn du dich jetzt wieder an die Maschine stellst, ist der Ofen nach wenigen Jahren komplett aus.
 
Wenn es gar nicht anders geht, musst du bei einem Personaldienstleister und hoffen, dass du irgendwo in einem Unternehmen hängenbleibst.
So unrealistisch ist das nicht, ich kenne nicht wenige, die bei Ingenieursdienstleistern angefangen haben und nach einigen Jahren dann fest in andere Firmen gewechselt sind...

Wichtig ist, dass du jetzt relevante(!) Berufserfahrung sammelst, auch wenn das zunächst heißt, nicht dein Wunschgehalt zu bekommen. Wenn du dich jetzt wieder an die Maschine stellst, ist der Ofen nach wenigen Jahren komplett aus.

Genauso ist es......
 
Schade wenn es in eurem Bereich so ist, aber warum? In der Informatik stehen wir auch in Konkurrenz zum Bachelor und es fängt von meiner Klasse niemand bei einer Leih- oder Zeitarbeiterbude an.
 
Hallo zusammen,

also ich arbeite bei einer Personalberatung (keine Arbeitnehmerüberlassung) und wir suchen hier in BaWü händeringend für einige real existierende Kunden mit real existierenden Vakanzen (und ordentlichen Gehältern) gute Leute.

Konstrukteure, Techniker, Messtechniker, SPS-Programmierer, Automatisierungstechniker usw usw
Aufgrund der gefühlten Fachkräftemangels erlebe ich das durchaus, dass auch junge Leute gute Chancen haben.

Und viele viele unserer Kunden sind von den Bacheloranden gar nicht mal so begeistert, die nehmen viel lieber Techniker und Leute aus der Praxis. Also da würde ich mich gar nicht unterbuttern lassen.

Ein guter Personalberater kann einen auch voranbringen, wenn er seinen Kunden und den Kandidaten kennt.
Leider gibt es viele schwarze Schafe und die Berufsbezeichnung ist ja auch nicht irgendwie geschützt.

Dennoch würde ich die Flinte nicht ins Korn werfen. Der Arbeitsmarkt und der gefühlte Fachkräftemangel, zumindest in BaWü, sprechen voll für euch.

Schöne Grüße,


Carmen
 
Moin,

sich erfolgreich zu bewerben ist eine echte Kunst die leider zu großen Teilen von Parametern abhängt die man selbst nicht kennt und nicht beeinflussen kann.

Gerade als Berufseinsteiger ist es sehr schwer, ich kenne das und bin selber nach dem Techniker -zwar in der Industrie- aber einem völlig anderen Bereich eingestiegen als ursprünglich geplant. Im nachhinein war es gut so, insbesondere weil der erste Job weder die Rente definiert noch man sich damit so abhängig macht das man nicht doch nochmal wechseln könnte. Ich habe auch einige Bewerbungen schreiben müssen, viele Gespräche geführt und am Ende nach längerer Zeit ohne Option plötzlich zwischen drei Optionen wählen müssen. Aber ich habe vom Handwerk in die Industrie gewechselt, wäre ich wieder als Elektriker los gelaufen hätte ich wohl dauerhaft darin fest gehangen.

Insbesondere bei Einsteigern kommt es darauf an sich gut und richtig zu verkaufen. Noten sagen inhaltlich wenig aus, es geht hier also eher um den Eindruck und den Nasenfaktor.

Xing und Co. sind kein Allheilmittel, Stellenanzeigen , die Websiten der im Umkreis ansässigen Firmen auf Stellen durchforsten, Jobmessen etc... all das kann helfen. Ansonsten einfach mal den besten Kumpel/Freundin der/die auch was in der Birne hat fragen ob er sich vorstellen kann dass das eigene Verhalten vielleicht abschreckt...Kann ja auch sein: zu schüchtern, zu still, zu laut, zu überheblich, schräger Satzbau etc...

Nebenbei gesagt: Personaldienstleister sind besser als arbeitslos sein.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
 
B

Benutzer74741

Gast
Bundeswehr würde ich mir gut überlegen. Dort stehen dir in jedem Fall mehrere Auslandseinsätze bevor, die für die Bundeswehr immer öfter auch echte Kampfeinsätze sind. Wenn du nicht im Sarg oder behindert nach Hause kommst, hast du gute Chancen auf eine posttraumatische Belastungsstörung...

Ob das am Ende die 2.000 EUR Netto Einstiegsgehalt wert sind... naja...
 
Gebe rotH Recht.
Am Ende muss es dir klar sein was du da unterschreibst und ob dir das Risiko wert ist.
Für mich würde so etwas niemals im Frage kommen
 
Statistisch betrachtet ist der Dienst bei der Bundeswehr weniger gefährlich, als die Inanspruchnahme des öffentlichen Verkehrsraumes oder die Behandlung als Patient in einem Krankenhaus.
 
B

Benutzer74741

Gast
Naja, letztlich ist das ein Taschenspielertrick... denn den öffentlichen Straßenverkehr nutzen und ins Krankenhaus gehen müssen Soldaten ja hin und wieder auch. Also kommt das Risiko durch den Job "on top" und nicht "stattdessen"...

Darüber hinaus wäre interessant, wie diese Statistik entstanden ist. Zählen da auch die ganzen alten Soldaten mit rein, welche die Kaserne nicht mehr verlassen müssen? In die Kampfeinsätze schickt man die jungen Offiziere und Mannschaften, die verpflichten sich bei Antritt auch dazu. Kampfpiloten usw. bekommen auch seltener eine Belastungsstörung... Kampfpilot wird man aber nicht als Feldwebel, usw. ;)

Und am Ende des Tages berücksichtigen solche Statistiken auch nicht die Leute, die aus dem Einsatz zwar körperlich unversehrt wiederkommen, aber seelisch kaputt sind. Es ist schön alle seine Gliedmaßen behalten zu haben, aber wenn man in Depressionen versinkt und/oder anfängt zu saufen, hilft einem das auch nicht viel...

Es gibt diese Fälle zuhauf... wer meint ihm passiert das nicht, bitte die Bundeswehr sucht Leute... ich würde es nicht machen...
 
@angemon. Er wird da nur direkt als Feldwebel angestellt, wenn der "richtige" Techniker im Anforderungsprofil der Stelle steht. Glaubt nicht dass das automatisch so passiert. Mir kam es so vor als ob die Stellen vergeben werden wie auf dem Basar. Entweder du bewirbst dich spezifisch auf eine Stelle bei der Bundeswehr, oder es kann auch sein dass sie dich als SaZ4 Kraftfahrer einkaufen wollen. Wenns denn die Bundeswehr sein soll.
 
Hallo,
ich hatte ähnliche Erfahrungen mit einem kleinen Unterschied:
- Master TU Maschinenwesen, sehr guter Abschluss, sehr gutes Abi, vorher techn. Ausbildung

Bin nun auf einer Techniker-Stelle gelandet als Konstrukteur. Leider nur mit
2700€ Brutto (erste 6 Monate), danach (3100 € Brutto) @ 13 Gehältern = 40.000 € Br/Jahr.
Hab extra sehr niedrige Gehaltserwartung reingeschrieben um überhaupt einen höheren technischen Job zu bekommen. Hab mich extrem unter Wert verkauft, aber alles besser
als Langzeitarbeitslosigkeit und gar keine Perspektive.
So kann ich zumindest Berufserfahrung sammeln und Kapital aufbauen für weitere
Bewerbungen.

Hab selbst 12 Monate lang gesucht, über 100 Bewerbungen versandt. Am Ende hatte
ich nur 2 richtige Angebote
- Konstrukteur bei einer kleinen Firma mit 250 MA, im ländlichen Raum
- Consultant bei einem Dienstleister für 1.5 Jahre, aber mit 48.000 € Brutto, dafür aber in einer Metropole (München)
Da bringen die paar € mehr netto auch nichts mehr.

Es gibt aus meiner Sicht eine Flut an Ingenieurabsolventen von FH und TU. Als Techniker geht man da leider unter.
Leider findet man die Jobsituation erst heraus, wenn der Abschluss schon längst in der Tasche ist.

Du bist also bei Leibe nicht der einzige der solche Schwierigkeiten hat.
Wie sieht's derzeit aus? Hat sich schon was getan?
Aus eigener bitterer Erfahrung dauert ja jede Bewerbung in diesen Gewässern mind. 2 Monate.

Viele Grüße
 
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