Liebes Forum :)
ich bin 21 und momentan dabei mir eine Ausbildung rauszusuchen. Da gibts ganz schön viel Auswahl, aber auf einen Nenner bin ich nicht gekommen. Jetzt habe ich den Beruf des technischen Modellbauers entdeckt ( komischerweise sehr selten gelistet). Sprich Fachkräfte, die Prototypen in der Auto- oder in anderen Industrien herstellen.
Der Job scheint mega interessant, wenn auch nicht super bezahlt. Auf Seiten hab ich bereits geschaut, aber ich würds gerne von euch direkt wissen.
Ich würde gerne ein paar Erfahrungsberichte von euch hören, also denjenigen, die diesen Beruf ausüben oder jemanden kennen, der das tut.
Wie gefällt euch die Arbeit so?
Wieviel verdient ihr ( wenn ich das fragen darf) ?
Arbeitet ihr in einer großen oder kleinen Firma?
Wie schätzt ihr die Zukunftsperspektive in diesem Beruf ein?
Wie siehts mit Aufstiegschancen aus? ( Vllt. gibts ja mehr Möglichkeiten, als im Internet aufgelistet)
Seid ihr schon Techniker oder Meister? Lohnt sich das üperhaupt?
Kann man sich " leicht" selbstständig machen oder ist das fast unmöglich?
Habt ihr den Beruf gewechselt? In einen fachfremden Bereich oder durch irgendeine andere Weiterbildung?

Schiffsfahrt find ich auch interessant, bin mir da aber noch nicht so sicher. Falls jemand dazu was zu erzählen hat, ich hör gerne zu :)

Vielen vielen Dank schonmal im Vorraus! Ich hoffe, dass sich möglichst viele melden, sodass man sich ein richtiges Bild machen kann.
Soraya
 
Ich rate Dir, Dich mehr an der Nachfrage zu orientieren

Da stimme ich querdenker2 zu.

Man sollte das händische Arbeiten nicht zu sehr romantisieren meiner Meinung nach, siehe die Tätigkeiten vieler Tischler heutzutage.

Modellbauer ist nicht sehr gefragt, da man mittlerweile viel drucken kann. Die Tätigkeiten kann meiner Ansicht nach auch ein gut ausgebildeter Mechaniker mit etwas Anlaufzeit erledigen.
 
Hmm, aber so ganz ohne Handarbeit kann ich mir einen Beruf nicht vorstellen.
Ich hatte auch an etwas wie Seefahrt gedacht, dafür habe ich jedoch eine zu starke Sehschwäche.
Vieles wird mittlerweile von Maschinen übernommen, da gebe ich dir recht. Allerdings muss immer noch mit Hand nageschliffen werden. Das fordert anscheinend ein umfassendes Wissen. Find ich natürlich spannend, da man sich immer weiterbilden und somit herausfordern muss!
Wie das Ganze in 10 Jahren von jezt aussieht, steht natürlich offen.
Sollte ich in großen Karosserieunternehmen, welche Prototypen für Autos oder Flugzeuge herstellen, unterkommen, kann ich mir eine Übernahme vorstellen. Ich meine, wenn sie sogar schon einen Azubi ausbilden, dann besteht doch die Nachfrage oder nicht ( zumindest in diesem Unternehmen)?
Ich find das einfach unglaublich schwer einen Kompromiss zu finden. In Bürojobs würde ich auf Dauer psychisch kaputt gehen, in Baujobs körperlich. Was haltet ihr denn von Elektrikern? Die sind doch gefragt oder? Wäre aber so ziemlich meine letze Wahl um ehrlich zu sein. Oder Notfallsanitäter?
Tut mir leid für den Fragenhagel, aber ich verzweifel hier langsam.
Vielen Dank schonmal für die bisherige Hilfe.
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Hmm, aber so ganz ohne Handarbeit kann ich mir einen Beruf nicht vorstellen.
Ich schon,
aber ganz sicher nicht für mich!
Den ganzen Tag vor dem Monitor zu sitzen, wäre mir ein Gräuel!

Ich rate dir zu einer Mechatronik-Ausbildung:
Da bekommst du UMFASSENDEN Einblick in (fast) die gesamte Welt der Technik
und kannst dir anschließend die Rosinen rauspicken, die dir am besten gefallen haben.
Für die Industrie bist du aufgrund deines technischen Allgemeinwissens wertvoll (und gesucht!)
und dass du weitergehende Ausbildung brauchst, weiß ohnehin jeder Arbeitgeber.
 
So ich hoffe es ist noch nicht zu spät für deine Ausbildungswahl.

Kurz zu mir: Ich bin 24 Jahre alt habe das Abitur gemacht und mich dann für eine Ausbildung zum technischen Modellbauer mit der Fachrichtung Gießerei entschieden. Meine Ausbildung habe ich 2019 beendet und arbeite jetzt in einem Architekturbüro und führe dort ein "ein-Mann-Team" ;) .

Zum Beruf des Modellbauers:
Wichtig zu erwähnen ist, dass es drei Fachrichtungen gibt und diese sich doch sehr unterscheiden. Zum einen gibt es die Gießereimodellbauer, diese fertigen Modelle für Gießereien (bei mir waren es verlorene Modelle aus geschäumten Polystyrol - oder auch Styropor). Außerdem erstellen sie komplette Modelleinrichtungen.
Als weiteres gibt es Produktionsmodellbauer. Diese fertigen, wie du schon sagtest Prototypen für die Automobilindustrie, Verpackungsindustrie, ...
Der dritte im Bunde grenzt sich doch etwas ab. Es handelt sich um den Anschauungsmodellbauer. Diese findet man oft im Architekturmodellbau oder dort wo Miniaturmodelle benötigt werden. Hier ist besonders Geduld und eine ruhige Hand gefragt.

Ich fand meine Lehrzeit als sehr spannend und man bekommt sehr viel Einblicke in alle gängigen Materialien, Fertigungsmethoden und weiß anschließend von allem etwas. Wichtig ist hier natürlich, wie in jeder Ausbildung auch, dass du dir einen guten Arbeitgeber aussuchst.
In meinem Fall war es doch recht einseitig und ich war mehr die billige Arbeitskraft. Dies habe ich durch Jobwechsel und viel Interesse beim Thema Modellbau wieder ausgeglichen.
Mittlerweile habe ich doch den Sprung vom Gießereimodellbau zum Anschauungsmodellbau geschafft (dies ist nicht üblich, da der Anschauungsmodellbau doch ein Beruf für sich ist). Ich arbeite in einem Architekturbüro (ca. 100 Mitarbeiter) und fertige dort die Modelle die für Wettbewerbe, Präsentationen oder sonstiges benötigt werden.

Nun zu deinen Fragen:

1) Mir gefällt die Arbeit sehr gut und ich kann von mir behaupten, dass ich wirklich jeden Morgen gerne zur Arbeit gehe!

2) Ja du darfst fragen. Ich bekomme 3000€/Monat + Prämien (zum Vergleich: als Einstiegsgehalt nach der Ausbildung habe ich 2550€/Monat bekommen. Allerdings auch 14 Gehälter)

3) habe ich schon erwähnt

4) Tatsächlich als gut, da:
Hier muss ich meinen Vorredner etwas widersprechen. Natürlich gibt es mittlerweile viele 3D-Drucker aber diese müssen auch bedient werden. Außerdem Konstruieren Modellbauer auch ihre Modelle! Du hast deshalb in der Ausbildung auch sehr viel CAD-Unterricht.
Die Modelle, die nach einer Fertigung im 3D-Drucker gekommen sind müssen meistens auch noch nachbearbeitet/weiterverarbeitet werden. Auch werden Modellbauer auch gerne in Der Qualität gesehen, da Modellbauer viel Wissen mitbringen.

5) Aufstiegschancen sind die üblichen. Du kannst z.B. den Meister oder den Maschinenbautechniker machen. Ich mache aktuell eine Weiterbildung zum Maschinenbautechniker an der Abendschule. Du kannst dich aber auch bereits als Geselle selbstständig machen.

6) JA! Weiterbildungen lohnen sich immer!

7) Da kann ich nicht viel zu sagen da ich nicht selbstständig bin.

Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen. Bei Fragen melde dich einfach ;)
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
ich hoffe es ist noch nicht zu spät für deine Ausbildungswahl.
Ich denke, wenn man zuvor nicht Künetten gegraben hat, als Callboy oder als Fernfahrer tätig war,
kann man u.U. Erfahrungen mitbringen, die auch im neuen Job wertvoll sein können.

Zum Anschauungsmodellbauer:
Denkt ihr nicht, dass das ein aussterbender Beruf ist?
Mein Schwiegersohn leitet eine Mechatronikfima, deren einer Schwerpunkt 3D-Druck ist.
Nachdem er bis zu 1m x 1m x 0,5m große Objekte drucken kann,
zählen zu seinen Kunden immer mehr Architekten,
die sich ihr ohnehin als Datei vorliegendes Modell drucken lassen ... und den Anschauungsmodellbauer ersparen.
Insofern wird ein etablierte Anschauungsmodellbauer vielleicht noch länger Arbeit haben,
aber einer frisch aus der Ausbildung längerfristig schlechte Karten haben.
 
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