Technischer Betriebswirt oder Studium?

Da ich nun schon seit Jahren ein „stiller Mitleser“ bin und hier immer nützliche Hinweise und Tipps finde, möchte ich nun auch eine Frage stellen.

Dabei geht es um euren Rat zum Thema Weiterbildung.

Kurz zu meinem Werdegang:

Ursprünglich habe ich nach der Mittleren Reife Mechaniker in einer Maschinenbaufirma gelernt. Diese Firma war im Bereich Sondermaschinenbau tätig.

Nach Abschluss meiner Berufsausbildung habe ich dann mein Abitur in Vollzeit nachgeholt. Eigentlich wollte ich danach studieren, aus diversen Gründen ist daraus nichts geworden.

Daher bin ich wieder in meiner alten Lehrfirma eingestiegen und habe mich in Teilzeit zum Industriemeister Metall (IHK) weitergebildet.

Zu meinen beruflichen Aufgaben gehörten damals die Montage & Prüfung von Sondermaschinen in der Firma sowie deren Installation, Inbetriebnahme, Wartung & Reparatur beim Kunden deutschlandweit.

Auf Grund dieser Praxiserfahrungen, die ich mit dieser Arbeit über viele Jahre sammelte, gelang mir der Einstieg im Vertrieb bei meinem jetzigen Arbeitgeber, der in der gleichen Branche tätig ist.

Nun gehört es zu meinen Aufgaben, den Kundenwunsch und die „Mathematisch-Physikalisch-Technische Machbarkeit“ in Einklang zu bringen und den Kunden die optimale Maschine für seine Anforderung auszulegen und anzubieten. Natürlich dürfen dabei auch die Wirtschaftlichkeit der Maschine und der finanzielle Rahmen des Kunden nicht außer Acht gelassen werden.

Seit geraumer Zeit beschäftigt mich das Thema Weiterbildung.

Ich weiß, dass das hier das Techniker-Forum ist, aber es soll kein Techniker werden. Leider habe ich im Netz kein gleichwertiges Forum gefunden, wo ich hätte meine Frage posten können. Außerdem schadet es ja nicht, wenn jemand mit anderer Sichtweise drauf schaut und vielleicht einen anderen Ansatz hat.

Möglich wäre entweder der Technische Betriebswirt oder ein Studium. Meine Firma unterstützt mich, lässt mir aber frei Hand bei der Auswahl der Weiterbildung.

Da ich mittlerweile über 30 bin, spielt natürlich auch die Planung des Privatlebens eine wichtige Rolle (Familiengründung, Haus, usw.), daher wäre es mir wichtig, dass die Weiterbildung in Teilzeit stattfindet.

Aktuell tendiere ich zum Technischen Betriebswirt, da ich mir nicht sicher bin, ob mir ein betriebswirtschaftliches Studium so viel nützt. Außerdem ist natürlich auch die Zeit, die man für einen Bachelor (und vielleicht Master) benötigt, recht lang.

Was denkt Ihr?

Pro oder Contra?

Gibt es vielleicht eine Weiterbildung, die ich bis jetzt noch gar nicht auf dem Schirm habe, aber in Frage kommen könnte?

Ich bin auf eure Meinung gespannt…


Viele Grüße

Piet van Holmen
 
In deiner Situation würde ich wohl zum techn. Betriebswirt tendieren.
Aber auch der TBW macht letztlich nur dann Sinn, wenn du dir damit realistischerweise eine besse Stelle bzw. besseres Gehalt versprist.
Das 1x1 der BWL ist fast nur GMV, dass kann man sich bei täglichem Umgang für meine Begriffe recht schnell aneignen.
Außerdem hast du den Meister, da ist es fraglich, ob du bei den relevanten Basics noch viel lernen wirst.
Der TBW ist so konzipiert, dass der Techniker, der von Betriebswirtschaft im Normalfall keine Ahnung hat, auch mitmachen kann.
Das Studium dauert länger, ist mit Sicherheit weitaus anspruchsvoller und ich erkenne ehrlich gesagt für deine Position auch nicht unbedingt den Mehrwert, den ein tiefes Grundlagenwissen bietet.
Da musst du also schon Bock drauf haben aber das hört sich eher nicht so an.
Ich würde es also davon abhängig machen, ob dir der TBW in der Firma was bringt.
Es sein denn natürlich, du möchtest den halt gerne machen.
 
Vielen Dank für Deine Antwort @moe589

Die berufliche Perspektive durch einen Aufstieg im Unternehmen ist gegeben. Damit geht natürlich auch eine Gehaltssteigerung einher.
Mit der Weiterbildung möchte ich mich daher quasi "gut in Stellung" bringen und eine gute Ausgangsbasis schaffen.

Weiterhin sehe ich die Weiterbildung auch als Investition in die Zukunft, da ich natürlich nicht weiß, was diese bringt. Vielleicht möchte ich mich auch in zehn Jahren beruflich neu orientieren und da ist ein zusätzlicher Abschluss sicher nicht verkehrt.
Da ich jetzt noch (mittel)jung bin, kann ich mir jetzt eine Weiterbildung gut vorstellen. Ob ich dazu in zehn Jahren noch die Zeit (und Lust) hätte, weiß ich nicht.

Die Sorge, dass mir ein BWL-Bachelor nichts bringt, treibt mich auch um. Da ich schon den IMM habe und nun seit ein paar Jahren als Vertriebler arbeite, sind mir die betriebswirtschaftlichen Grundlagen natürlich bekannt und fließen tagtäglich in meine Arbeit mit ein.
 
Dann würde ich den Gedanke ans Studium begraben.
Zumal auch BWL/WiWi nicht zu unterschätzen ist, wenn man schon einige Zeit "raus" ist.
Allerdings ist meine Erfahrung durch Gespräche, dass der TBW allein meist nicht den Karriereturbo bedeutet.
In einem kleinen Betrieb mag das noch eher was bewirken, bei einem größen Laden sehe ich diesen Abschluss als nicht besonders wertvoll an.
Vorallem, wenn man den "einfach so" macht.
Bei einer Tätigkeit als Meister/Techniker brauch man das nicht wirklich und wird auch sicher nicht eher wegen des TBW eingestellt.
Sollte man als einer der ganz wenigen tatsächlich in die Verlegenheit kommen, eine administrative Position zu bekleiden, kann man sich das recht zeitnah immernoch überlegen.
Ich würde mir also grundsätzlich nicht zu große Hoffnungen damit machen.
Im Zweifel nimmt ein größerer Laden eher einen WIng als einen TBW für eine solche Stelle.
Ich kenn ja deine Firma nicht, würde ich aber ehrlich fragen, ob ich mit dem TBW Chancen habe oder dann alle anderen um mich rum studiert haben und die Chance entsprechend gering ist, dort reinzurutschen.
Andersrum brauchst du den TBW nicht, wenn du bereits erfolgreich als Vertriebler tätig bist...da wirst du wohl einiges zum zweiten mal hören.
 
Vielen Dank für Dein Feedback @moe589

Ich bin mir im Klaren darüber, dass der TBW nicht das non-plus-ultra ist. Aber er ist auch besser, als auf der Stelle zu stehen und gar nichts zu tun.

Mein bisheriger und mein aktueller Arbeitgeber zählen zum sogenannten Mittelstand mit um die 100 MA. Ich fühle mich in solchen Firmen wohl und strebe nicht nach einer Anstellung bei einem Konzern. Dass man dort als TBW gegenüber einem WIng keine Chance hat, ist schade, aber bekannt.

Wie schon erwähnt, ist mein Arbeitgeber der Weiterbildung gegenüber aufgeschlossen und es wurden auch schon Gespräche diesbezüglich geführt, auch in Hinblick auf den weiteren Berufsweg innerhalb der Firma.
Studierte Konkurrenz habe ich (bis jetzt) innerhalb unseres Hauses nicht zu befürchten. Natürlich kann auch jeder Zeit jemand von Außen dazukommen, den man jetzt nicht auf dem Schirm hat.
Gerade durch die aktuelle Lage, Kurzarbeit, usw. ist vielleicht der Ein oder Andere auf der Suche.
Die betreffende Stelle wird allerdings erst in 2 - 3 Jahren zu besetzen sein, wenn der Kollege in den wohlverdienten Ruhestand geht. Von daher gehe ich nicht davon aus, dass schon jetzt die Stelle neu besetzt wird. Ausgeschrieben ist sie aktuell nicht.

Da ich durch meine Tätigkeit ohnehin viel Betriebswirtschaft habe, hätte ich eben auch gern einen Abschluss in diese Richtung, der dies wiederspiegelt, da ich "nur" den IMM habe.
Es geht also im Prinzip um ein Stück Papier. Traurig aber wahr.
 
Dann mach das, wenn dein AG einen förmlichen Nachweis haben möchte.
Ist ja zeitlich auch nicht der ganz große Aufhänger.
Wie gesagt, in einer kleinen Bude ist es nicht so, dass die Hierachien zwischen Gelernten und Studierten ziemlich festgefügt sind.
Daher kann dir das schon was nützen.
Ich wollte damit auch nicht sagen, dass dir das in keinem Fall was bringt aber es ist von meinem Gefühl her oft so, dass der TBW verpufft.
In größeren Betrieben, egal ob Mittelstand (das ist ja per Definition kein Ausdruck der die Größe des Unternehmens beschreibt) oder Konzern ist es ja bereits normal, dass es in Produktion/Fertigung viele Meister/Techniker gibt, die keine Stelle bekommen, weil es einfach nicht soviele gibt.
Ich kann deine Meinung zu kleineren Unternehmen nachvollziehen, geht mir genauso.
Da du ja -sehr löblich- nach deiner Lehre noch das Abi drangehängt hast, wirst du gemerkt haben bzw. merken, dass die Weiterbildung zum Meister und zum TBW nichts ist, was man nicht schaffen kann.
Daher und durch deine Praxis wirst du den TBW wohl recht gediegen absolvieren.
 
Meinem AG ist der Nachweis gar nicht wichtig, aber mir.
Wie schon erwähnt, spielt da aber auch noch der Gedanke nach beruflicher Neuorientierung eine Rolle.
Sollte es tatsächlich einmal so kommen, könnte ich "nur" den IMM vorweißen.

Es freut mich, dass Du das nachgeholte Abitur als sehr löblich empfindest.
Ich habe mittlerweile leider das Gefühl, dass es der "wunde Punkt" in meinem Lebenslauf ist.
Da ich den Weg Mittlere Reife - Berufsausbildung - Abitur genommen habe, erwartet jeder förmlich, dass ich auch studiert habe, weil dieser Weg sonst eigentlich keinen Sinn macht. Und es stimmt ja auch, dieser Weg macht so keinen Sinn, wenn man nicht danach studiert.

Ich habe aber nicht studiert, sondern ich habe den IMM gemacht. Da erntet man dann schon mal fragende Gesichter und es wird gefragt, warum man denn dann das Abitur hat oder warum man nicht studiert hat usw.

Für den IMM hätte ich das Abitur nicht zwingend gebraucht, da hätte auch die Mittlere Reife und der Berufsabschluss gereicht.
Es ist nicht so, dass ich beim Abi nichts gelernt habe. Aber ich lass es heute bei (Small-Talk-)Gesprächen meist weg, wenn es nicht unbedingt gefragt wird (Natürlich nicht in Bewerbungsunterlagen usw.), um solche Situationen zu umschiffen.
 
So ein Quatsch...es wird doch niemand gezwungen nach dem Abi zu studieren.
Allein was du dabei in Mathe und Physik gelernt hast, konntest du ja mit Sicherheit gewinnbringend hinterher einsetzen.
Dagegen ist das bisschen Mathe im Meister ja einfach.
Ich würde das im Gegenteil hier und da durchaus mal anbringen.
Denn ein richtiges Abi ist was anderes als das geschenkte, wenn man den Meister fertig hat.
Und klar ist das löblich.
Sind wir mal ehrlich, die meisten Gesellen/FA haben nach Schulabschluss und Lehre weder die Lust, noch das Durchhaltevermögen, manche auch nicht das Zeug um das Abi in dieser Situation oder generell zu machen.
Das zeigt also, dass du weder doof bist, noch dich vor einer Herausforderung in einer eigentlich anderen Richtung drückst.
Wenn mir deswegen einer blöd kommen würde, würde ich eher denken, dass da insgeheim der Neid im Spiel ist.
 
@moe589

Es freut mich natürlich sehr, dass Du das so sieht.
Leider habe ich in der Vergangenheit nicht die Erfahrung gemacht, dass andere Leute das auch so sehen.

Es ist natürlich richtig, gezwungen wird niemand zum Studium
Aber das Abitur ist ja trotzem eher "Mittel zum Zweck". Und der Zweck ist in den allermeisten Fällen das Studium.
 
Gern möchte ich das Thema noch einmal hochholen.
Vielleicht hat jemand noch etwas zur Thematik beizutragen.


Bei meiner Suche nach einer passenden Weiterbildung bin ich auf etwas Namens Fachingenieur gestossen.
Dieser wird von verschiedenen Anbietern für unzählige Fachrichtungen angeboten.
Bis auf einen Berufsabschluss und drei Jahre Berufserfahrung scheint es keine Zugangsvoraussetzungen zu geben.

Für mich war diese Weiterbildung absolut neu, kann mich nicht erinnern, schon mal davon gehört zu haben.
Daher meine Frage, wie hoch ist die Aktzeptanz dieser Weiterbildung in der freien Wirtschaft?
Die Anbieter verweißen natürlich alle auf die große Aktzeptanz in der Wirtschaft hin, allerdings möchte die den Kurs natürlich auch an den Mann bzw. an die Frau bringen.
Wie ist der Stellenwert des Kurses wirklich einzuordnen?
Ich gehe davon aus, dass man es eher mit einem Techniker als mit einem "richtige" Ingenieur vergleichen kann?


Viele Grüße

Piet
 
Hey Piet,

kurz gegooglet und dies beim VDI gefunden:

"Die Voraussetzungen für die Teilnahme sind in der Regel ein ingenieurwissenschaftlicher Hochschulabschluss und mindestens 3 Jahre Berufserfahrung zum Zeitpunkt der Prüfung."

Jetzt steht da "in der Regel" und ich kenne die Ausnahmen nicht... weiß aber, dass mein Chef einen Schweißfachingenieur an sein eigentliches Fahrzzeugbaustudium angehangen hat.

Gruß
 
Hallo @schwax

Vielen Dank für Deine Antwort.

Interessant, was Du schreibst.
Offensichtlich kommt es auf die Fachrichtung an.
Beispielsweiße schreiben die TU Berlin & die TU Graz beim Pumpenfachingenieur:
"Grundsätzliche Teilnahmevoraussetzung ist eine Umfangreiche Praxis im Umgang mit Pumpen, sowie eine Berufsausbildung in einem (Lehr-)Beruf, der in der produzierenden Industrie wichtig ist."
Das klingt für mich so, als bräuchte man für diese Fachrichtung keinen Hochschulabschluss.

Viele Grüße

Piet
 
Bei meiner Suche nach einer passenden Weiterbildung bin ich auf etwas Namens Fachingenieur gestossen.
Dieser wird von verschiedenen Anbietern für unzählige Fachrichtungen angeboten.
Bis auf einen Berufsabschluss und drei Jahre Berufserfahrung scheint es keine Zugangsvoraussetzungen zu geben.
Doch. Man muß nach Ingenieurgesetz die Berufsbezeichnung führen dürfen. Das ist da ganz wichtig, denn der Ingenieur ist extra geschützt. Jedes Bundesland hat ein Ingenieurgesetz. Fachingenieur ist ein Ing. mit Berufserfahrung und einer speziellen Fortbildung.
 
In diesem Artikel vom August 2019 wirkt es auf mich eher so , dass man sich zwar wünscht, dass man für den Fachingenieur einen Hochschulabschluss braucht, in der Realität aber jeder (wieder mal) sein eigenes Süppchen kocht.

Offensichtlich gibt es mit dem Pumpenfachingenieur mindestens eine Fachingenieursweiterbildungen, wo kein Hochschulabschluss vorrausgesetzt wird.
 
In diesem Artikel vom August 2019 wirkt es auf mich eher so , dass man sich zwar wünscht, dass man für den Fachingenieur einen Hochschulabschluss braucht, in der Realität aber jeder (wieder mal) sein eigenes Süppchen kocht.

Den technischen Hochschulabschluß braucht man, um Ingenieur zu sein.

Bei einigen Ingenieurkammern kann man sich als eintragen lassen. Weitere Voraussetzung ist da die Mitgliedschaft in der Kammer.
Bezeichnung ist dann "Fachingenieur ... der Ingenieurkammer XXX".
 
So richtig durchblicke ich das System "Fachingenieur" immer noch nicht.

Allerdings habe ich gemerkt, dass ich die falsche Vorstellung hatte. Bin eher davon ausgegangen, dass es sich hier um einen Ingenieur "Light" handelt.
(Quasi änhlich Abitur - Fachabitur).
Aber so einfach ist es in Deutschland eben dann doch nicht.
Blickt bei den ganzen Abschlüssen überhaupt noch jemand durch?

Welchen Stellenwert hat der FI nun in der Wirtschaft?
Wird der tatsächlich nachgefragt?
Und nur mal aus Interesse... auf welcher Stufe würde er im DQR stehen?
 
Fachingenieur ist ein Ing. mit Spezialisierung in der Fortbildung. Also ein Ingenieur + Fortbildung. Viele Firmen nehmen solche gerne wie SFI als Schweißaufsicht. Die dürfen da sehr viel. Andere Richtungen sind auch beliebt.
 
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