Techniker vs Ingenieur

Hallo,

Ich weiß, dass das Thema hier oft aufgegriffen wird, aber es kam nie zu einer sachlichen Auseinandersetzung, zumal es auch gar keinen Thread bis jetzt gibt, der nur das Thema behandelt.

Es geht mir hier um eine Diskussion, in der die Ausbildung, Voraussetzungen und Einsatzmöglichkeiten von Ingenieuren und Technikern gegenübergestellt werden. Ein Vergleich würde mich echt interessieren. Und um der Diskussion vorzubeugen: Mit Ingenieure meine ich alle Ingenieure, also Diplomingenieure, Bachelor und Master nach Ingenieursgesetz. Unterschiede zwischen diesen akademischen Graden sollen hier keine Rolle spielen, sondern nur der Vergleich zwischen Ingenieur und Techniker.

Sind hier vielleicht sogar welche, die beides gemacht haben? Ich bin gespannt.
 
Ich finde das Thema eigentlich auch sehr interessant. Es will natürlich jeder wissen wo er mit seinem Abschluss steht, nachdem er viel Zeit, Arbeit und oft auch Geld investiert hat. Leider enden solche Diskussionen meist unsachlich.
Ich kann ja trotzdem mal aus meiner Sicht (Student, vorher Ausbildung) wiedergeben, was ich bisher aus ähnlichen Diskussionen mitgenommen habe:

Grundsätzlich hat jede "Ausbildungsart" seine Daseinsberechtigung und oft überschneiden sich die Tätigkeitsfelder und Aufgaben in großen Teilen.
Die Diskussion beginnt eigentlich erst bei Betrachtung des DQR, in dem "Techniker" und "Ingenieure" als "gleichwertig" dargestellt werden. Diese Gleichstellung endet jedoch meistens, sobald es um die Bezahlung geht.
An dieser Stelle wird dann oft der Aufwand/Schwierigkeit die jeweiligen Abschlüsse zu erlangen, in Frage gestellt und wie tiefgehend die jeweiligen Ausbildungen sind.

Meiner Meinung nach, sollte sich keiner im Nachhinein über sein Gehalt beschweren. Wenn ich den Techniker/Studium mache weiß ich welche Voraussetzungen ich brauche und was ich später ungefähr verdienen kann. Und dann kann ich eben nicht grundsätzlich ein Ingenieursgehalt verlangen wenn ich "bloß" den Techniker in der Tasche habe, nur weil die Kollegen im selben Büro mehr verdienen.

Sind hier vielleicht sogar welche, die beides gemacht haben? Ich bin gespannt.
Das würde mich auch interessieren. Ich hatte mal einen Kommilitonen der vorher den Techniker gemacht hat. Ich frage mich wie schwierig der Einstieg ins Studium ist wenn man statt dem klassischen Abitur die Hochschulzugangsberechtigung durch den Techniker erlangt hat.
Vielleicht findet sich ja noch jemand.
 
Grundsätzlich hat jede "Ausbildungsart" seine Daseinsberechtigung
Absolut, sonst würde es sie nicht geben. Genau so wie es keine Leute mehr gibt, die Fahrstühle manuell per Muskelkraft hochziehen (Fun Fact: automatische Fahrstühle entstanden aus einem Streik eben genau dieser Arbeiter)

Die Diskussion beginnt eigentlich erst bei Betrachtung des DQR, in dem "Techniker" und "Ingenieure" als "gleichwertig" dargestellt werden. Diese Gleichstellung endet jedoch meistens, sobald es um die Bezahlung geht.
Das zeigt, dass es doch Niveauunterschiede geben muss.

Ich kann ja trotzdem mal aus meiner Sicht (Student, vorher Ausbildung)
Diesen Weg bin ich auch gegangen. Das, was in der Berufsschule als "Mathe" bezeichnen wurde, ist BESTENFALLS Mittelstufenrechnen und nicht mit Mathe aus dem Grundstudium zu vergleichen. Das mal als erster Vergleich.

Ich finde es falsch, dass der Techniker gleichwertig ist mit der Begründung, dass der Techniker eine Ausbildung gemacht hat. Die habe ich auch gemacht als Bachelor. Demnach müsste ich noch höher sein als Bachelors, die das nicht gemacht haben. Bin ich aber nicht. Weil halt nur der höchste Abschluss gilt.

Mich würde mal interessieren, was die Leute zu den Tätigkeitsfeldern beider Berufe zu sagen haben.
 
[...]

Mich würde mal interessieren, was die Leute zu den Tätigkeitsfeldern beider Berufe zu sagen haben.

Mittlerweile verschwimmen hier die Grenzen und ein guter Techniker wird auch in Konzernen in der Hierarchie weiter aufsteigen als ein schlechter Ingenieur. Allerdings gibt es nach wie vor, auch wenn anderes behauptet wird, eine gläserne Decke die man nur mit akademischen Abschluss durchstoßen kann.

Was man allerdings nicht mehr sagen kann ist dass Ingenieure eher dieses und Techniker eher jenes Aufgabenfeld besetzen, vorallem nicht pauschal.

Was ich definitiv sagen kann: Der theoretische Anspruch während des Studiums ist im Vergleich zum Techniker um ein vielfaches höher. Maschnenbautechniker haben Mathematik bestenfalls auf Abi-Niveau, das ist mit Analysis 2 nicht im ansatz vergleichbar. Von Kinematik, Kinetik oder Maschinenelementen fange ich garnicht erst an. Gleichzeitig hat der Techniker ganz andere Schwerpunkte die viel mehr das Große und Ganze im Blick haben. Disziplinen wie Mitarbeiterführung, Produktionslogistik und-organisation, Produktionsplanung und -steuerung, Projektmanagement und ähnliches hat ein Ingenieursstudent maximal am Rande oder in Zusatzkursen während sie beim Techniker fundamentale Lehrinhalte darstellen. Hinzu kommt der längere, zwingend erforderliche, Bildungsweg um den Technikerabschluss erreichen zu können.

Daher ist aus meiner Sicht eine gleichwertige Bewertung nach dem DQS durchaus legitim aber ein direkter Vergleich unmöglich. Hierbei handelt es sich um komplett unterschiedliche Bildungswege da sich ein "Spezialist" und ein "Generalist" gegenüberstehen. Diese Diskussion ist in meinen Augen mehr als Überflüssig.

P.S.: Ich kenne beide Seiten aus persönlicher Erfahrung. Ausbildung + Fachabitur + 5 Semester Maschinenbaustudium (Abgebrochen wegen schwerem Unfall) + Technikerabschluss.
 
Ich gebe dir soweit in allen Punkten recht.
Hinzu kommt der längere, zwingend erforderliche, Bildungsweg um den Technikerabschluss erreichen zu können.
Das kann ich so nicht ganz stehen lassen.
Man muss hier m.M.n. beachten, dass man ja nicht arbeitet um die "Zulassungsvoraussetzung" zu erreichen sondern in erster Linie um Geld zu verdienen. Wenn man den Techniker nicht machen würde, würden die meisten wahrscheinlich wie bisher in ihrer Stelle weiter arbeiten. Dass man sich dadurch zum Techniker anmelden kann, ist nur ein netter Nebeneffekt.
Allerdings zahlt einem niemand das Abitur/Fachabitur/etc.
 
Ich gebe dir soweit in allen Punkten recht.

Das kann ich so nicht ganz stehen lassen.
Man muss hier m.M.n. beachten, dass man ja nicht arbeitet um die "Zulassungsvoraussetzung" zu erreichen sondern in erster Linie um Geld zu verdienen. Wenn man den Techniker nicht machen würde, würden die meisten wahrscheinlich wie bisher in ihrer Stelle weiter arbeiten. Dass man sich dadurch zum Techniker anmelden kann, ist nur ein netter Nebeneffekt.
Allerdings zahlt einem niemand das Abitur/Fachabitur/etc.
Spielt ja auch eigentlich keine Rolle ob jemand des Geldes wegen arbeitet oder um die Zulassungsvoraussetzung zu erreichen.
Diese Person hat dann 3 1/2 Jahre eine Ausbildung gemacht + danach 2 Jahre Vollzeit den Techniker (3,5 Jahre Teilzeit).
Dann gibt es eben Jobs die passen besser zu einem Techniker und welche die passen besser zu einem Ingenieur. Ich glaub kein Techniker hat die Absicht als Entwicklungsingenieur bei einem Automobilhersteller zu arbeiten. Da reicht es dann eben nicht für einen Techniker.

Mich stört es dann nur wenn der Techniker immer schlecht gemacht wird.
Es wird immer gute Ingenieure geben aber auch welche die es nicht drauf haben.
So ist es auch bei Technikern.
Bei uns im Betrieb arbeiten Techniker und die machen den selben Job wie die Ingenieure.

Um nochmal auf das Gehalt zurückzukommen, wenn ich die selbe Tätigkeit ausübe wie der Ingenieur, dann möchte ich auch gleich bezahlt werden. Leider ist das nicht immer der Fall. Was ich nicht nachvollziehen kann.
 
Spielt ja auch eigentlich keine Rolle ob jemand des Geldes wegen arbeitet oder um die Zulassungsvoraussetzung zu erreichen.
Diese Person hat dann 3 1/2 Jahre eine Ausbildung gemacht + danach 2 Jahre Vollzeit den Techniker (3,5 Jahre Teilzeit).
Doch es spielt eine Rolle und zwar für die, die sich für die schulische Ausbildung und eine Zeit voller Entbehrungen entschieden haben und deshalb später auch entsprechend entlohnt werden wollen.

Um nochmal auf das Gehalt zurückzukommen, wenn ich die selbe Tätigkeit ausübe wie der Ingenieur, dann möchte ich auch gleich bezahlt werden. Leider ist das nicht immer der Fall. Was ich nicht nachvollziehen kann.
Grundsätzlich gebe ich dir hier recht. Jedoch ist "die selbe Tätigkeit" oft rein subjektiv. Außerdem kommt hier auch immer das Verhandlungsgeschick des Bewerbers an. D.h. sogar zwei Personen mit der selben Ausbildung und selber Tätigkeit können unterschiedlich verdienen.
 
Warum nicht? Wird ja wohl einen Grund haben, dass es ein Ingenieur macht und kein Techniker. Sonst würde es ein Techniker machen, da er, wie du selber gesagt hast, billiger ist.

Ja, es gibt Stellen, die für Techniker/Ingenieure sind. Die sind dann aber auf Technikerniveau. Nach dem Motto: Wenn ich kein 20-Liter-Fass finde, nehm ich auch wohl ein 30-Liter-Fass, wenn es nicht mehr kostet. Umgekehrt geht das nicht.

Diese Diskussion ist in meinen Augen mehr als Überflüssig.
Ich finde sie interessant. Hilft vielleicht, andere Seiten kennenzulernen. Das gilt für alle.

Doch es spielt eine Rolle und zwar für die, die sich für die schulische Ausbildung und eine Zeit voller Entbehrungen entschieden haben und deshalb später auch entsprechend entlohnt werden wollen.
Das ist der Punkt. Worauf muss denn bitte ein Techniker, dessen Ausbildung leicht genug ist, um sie "nebenbei" zu machen, verzichten? Ein Student lebt, da er es Vollzeit macht, in der letztzen Woche des Monats oft von Nudeln mit Pesto (falls er sich Letzteres zum Monatsende noch leisten kann, sonst muss man die Nudeln halt so runterwürgen).
 
Zeitinvest in Teilzeit
Lohnverzicht in Vollzeit

Wenn man sich die Portion Nudeln mit Tomatensoße durchgängig leisten möchte, muss man bei Vollzeit einem Nebenjob nachgehen. Ob als Techniker oder Student spielt da keine große Rolle.
 
Das ist der Punkt. Worauf muss denn bitte ein Techniker, dessen Ausbildung leicht genug ist, um sie "nebenbei" zu machen, verzichten? Ein Student lebt, da er es Vollzeit macht, in der letztzen Woche des Monats oft von Nudeln mit Pesto (falls er sich Letzteres zum Monatsende noch leisten kann, sonst muss man die Nudeln halt so runterwürgen).
Und es ist wieder Deine anmaßende These, die mich nervt:
Für jemanden mit Abitur, mag die sgT-Fortbildung "einfach nebenher" laufen. Für einen Realschüler, der sich 10 Jahre nach der MR entschließt, nochmal was vorwärts zu bringen, ist es ein finanzieller und persönlicher Kraftakt, keinesfalls "leicht und nebenher" - in Teilzeit ggf. richtig heftig - zu erledigen (für die fachspezifische Theorie ist es m.E. ziemlich egal, ob Abi oder Hauptschule - da ist für jeden fast alles Neuland).

Zur Entlohnung:
Der dipl. Ing. hat es qua Titel einfacher, in gewisse Gehaltsstrukturen eingruppiert zu werden. Der sgT muss dafür mehr "abliefern" und sich verkaufen können.
Jedem sgT dürfte klar sein, dass er nicht erwarten kann, auf für Akademiker ausgeschriebene Stellen gleich mit entspr. Gehalt eingestellt zu werden. Hier tut man gut daran, für erneute Verhandlungen zeitliche Ziele zu vereinbaren - oder weiter zu suchen.

Wer Geduld hat, Leistung bringt und gut verhandelt, kann es auch als sgT in höhere Entgeltgruppen (oder AT...) schaffen.
 
Worauf muss denn bitte ein Techniker, dessen Ausbildung leicht genug ist, um sie "nebenbei" zu machen, verzichten? Ein Student lebt, da er es Vollzeit macht, in der letztzen Woche des Monats oft von Nudeln mit Pesto (falls er sich Letzteres zum Monatsende noch leisten kann, sonst muss man die Nudeln halt so runterwürgen).
Also das ist jetzt wirklich eine wilde Behauptung! Erkläre mir bitte mal, wie jemand, aus der Hauptschule, den Techniker mal so nebenbei macht?
Du hast doch keine Ahnung wie das da aussieht! Ich habe meine Abende mit lernen verbracht!
Dem Techniker in Vollzeit geht das mit dem Geld nicht anders! Ich habe die zwei Jahre komplett am Limit gelebt! Dispo war jeden Monat komplett ausgereizt. Wovon soll man denn leben, wenn die Hälfte vom Bafög schon für die Miete draufgeht und für einen Nebenjob gar keine Zeit da ist?

Also sei mit solchen Aussagen mal ganz vorsichtig! Die meisten, die ich kenne, haben den Techniker nicht mal so nebenbei gemacht!
 
Dieser Thread bietet wieder genau das, was hier schon öfter veranstaltet wird, nämlich "Techniker-Bashing" - zu welchem Zweck wohl?

Niemand kann etwa dazu, dass es anscheinend kein "Ingenieur, Bachelor, Master"-Forum gibt, wo man sich austauschen kann. Stattdessen wird diese Plattform benutzt, um den sgT in den Dreck zu ziehen, das ist nur noch schäbig!
Vielleicht erhofft man sich, dass durch ständiges Wiederholen von diesen genannten Erniedrigungen, sich in den hier mitlesenden eine negative Meinung über den sgT verfestigt - das kennt man ja zur Genüge von aktuellen Diskussionen im Bereich Politik, Corona, Klima usw.

Aus diesem Grunde finde ich diese "Techniker vs. Ingenieur"-Themen so müßig, so lange sie auf diesem Niveau geführt werden.

Ich zum Beispiel habe kein Problem anzuerkennen, dass eine akademische Laufbahn hohe Anforderungen an Persönlichkeit, Willen, Wissen und Durchhaltevermögen und auch den finanzierenden "Geldbeutel" stellt.
Wenn ich jetzt anfangen würde, dass ich einen Haufen Studierende kenne, die ihr Studium mit Saufen, Party, Vorlesung schwänzen, "Durchmogeln", Papas Geld verjubeln und Semester ranhängen verbracht haben, würde ich den zig tausend Studierenden nicht gerecht, die sich täglich den A... aufreißen für ihr Ziel.

Genau diese Wertschätzung vermisse ich hier, wie mit einer Überheblichkeit von oben herunter 4 Jahre Fortbildung (2 Jahre Vollzeit) mit einer Handbewegung als "Pillepalle" weggewischt werden - das stinkt mir kolossal.
 
Ich weiß, dass das Thema hier oft aufgegriffen wird, aber es kam nie zu einer sachlichen Auseinandersetzung,

Worauf muss denn bitte ein Techniker, dessen Ausbildung leicht genug ist, um sie "nebenbei" zu machen, verzichten? Ein Student lebt, da er es Vollzeit macht, in der letztzen Woche des Monats oft von Nudeln mit Pesto (falls er sich Letzteres zum Monatsende noch leisten kann, sonst muss man die Nudeln halt so runterwürgen).

@Nutzi in a nutshell.

Ich wollte extra nix hier schreiben, als ich den ersten Beitrag gelesen habe. Habe mir gesagt "Don't feed a troll.".
Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach.
 
Es ist schwierig, sachlich zu bleiben bei den Vorurteilen gegenüber dem SgT und seiner Ausbildung.

Die Verwendung hängt von der Fachrichtung ab. Die qualifiziert für einen bestimmten Unternehmensbereich. Mich würde interessieren, wie der Unterschied zwischen z.B. Konstruktionstechnik und allgem. Maschinenbau ist bzgl. der Ausbildungsinhalte. Wird heute etwas Richtung FEM gelehrt in der Konstruktionstechnik?
 
Wenn ich heutige Masterarbeiten sehe, ist es vom Inhalt nicht weit entfernt von den Aufgaben zu meiner Zeit als technischer Zeichner. Trotz mehr theor. Grundlagen im Studium, sehe ich das Niveau insgesamt als geringer wie vor 10 Jahren.
 
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