Quereinstieg Informatik

Hallo zusammen,

ich habe da ein "kleines" Anliegen welches mich seit einigen Wochen beschäftigt.
Letztes Jahr im Sommer habe ich meine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker mit der Fachrichtung Elektrotechnik abgeschlossen.
Vorher habe ich eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik absolviert. Da die Technikerweiterbildung mehr oder weniger Informatik-lastig ist, ist mir aufgefallen, dass ich mich sehr zur Informatik hingezogen fühle. Gerade was das Programmieren oder auch Automatisieren von Prozessen mit Hilfe von Microcontrollern angeht, interessiert mich sehr. Aufgrund dessen hatte ich bis vor kurzem die Überlegung ein Informatikstudium zu beginnen da mir ein E-Technik Studium dann doch wieder zu Elektro-lastig wäre. Allerdings bin ich mir mittlerweile unsicher ob das der richtige Weg für mich ist. Es wäre wenn ausschließlich ein Fernstudium geworden. Ich habe bereits einen Mathevorkurs bearbeitet und mir dafür täglich 3h Zeit genommen. Das würde auch ungefähr den täglichen Workload eines Studiums in Teilzeit entsprechen (für die nächsten 6 Jahre). Um ehrlich zu sein traue ich mir das nach vier Jahre Techniker berufsbegleitend nicht mehr zu. Außerdem bin ich mir nicht sicher ob ich damit in den Bereich (Automatisierung) komme der mich interessiert. Jetzt frage ich mich, ob es nicht eine andere Möglichkeit gibt wie z.B eine fachliche Weiterbildung im Bereich Anwendungsentwicklung, sodass ich umfangreiche Programmierkenntnisse erlangen könnte und diese dann mit meiner Technikerweiterbildung bündeln könnte. Einen kompletten Neuanfang würde ich definitiv meiden wollen, da ich bereits eine Technikeranstellung und auch entsprechendes Gehalt habe. Ich suche nun also irgendwelche Möglichkeiten eine Weiterbildung im Informatikbereich auf den Techniker aufzusatteln und mit Hilfe beider Qualifizierungen dann einen entsprechenden Beruf zu finden. Gibt es hier jemanden der diesbezüglich Optionen sieht?

Über jegliche Antworten würde ich mich sehr freuen und verbleibe mit schönen Grüßen.
 
Hallo Ib517,

mir geht es ähnlich wie dir. Habe auch letzten Sommer in der gleichen Fachrichtung den Techniker abgeschlossen und empfand ihn, wie du bereits sagst sehr Informatik lastig zum Ende hin.
So konnte ich jedoch an mir ein neues Interesse entdecken. Hatte vorher gar nichts mit Informatik zutun und Microcontroller in Zusammenhang mit einer Programmiersprache waren für mich eher alles sehr fremde Begriffe.
Ich kann dir zwar zu nichts raten, da ich selber noch nach einem Weg "suche", wie man Beruf und dieses Interesse in weiterer Zukunft vielleicht mal miteinander verbindet, trotz auch bereits vorhandener Technikerstelle.
Aber ich kann vielleicht mal erzählen wie ich damit umgehe und vielleicht wird es dir in irgendeiner Form weiterhelfen.

Die Zeit in der ich "Suche" versuche ich damit zu verbringen mir ein ganzheitliches Verständnis zu einigen Themen anzueignen, unabhängig von irgendwelchen Schulen.
Microcontroller zu programmieren geht meiner Meinung nach Hand in Hand mit elektrotechnischem Verständnis.
Ich möchte nicht nur programmieren können ohne das andere zu verstehen oder umgekehrt.
Denn ich habe im Laufe der 3.5 Jahre fernstudium gemerkt, dass ich mich lieber für einen längeren Zeitraum intensiv mit 1 - 2 großen Themen beschäftige als noch weitere 15 Themen/Fächer im Hinterkopf zu haben.
Für mich war das gefühlt so, als versuche man mehrere große Steine auf die Spitze eines Berges gleichzeitig zu rollen. Kommt oben aber mit keinem der Steine an, weil immer wieder ein Stein nach unten rollt.
Das Erreichen der Spitze des Berges soll hier das sehr gute Verständnis(die unbewusste Kompetenz) und die Steine unterschidliche Themen symbolisieren.
Das hochgehen des Berges soll das verinnerlichen von Zusammnhängen symbolisieren, was neben Familie auch häufig viel Zeit kostet und
die Schwerkraft die dem ganzen entgegenwirkt könnte man noch als Vergessen von Zusammenhängen symbolisieren.
Nur weil man es am Ende trotzdem geschafft hat und ein Stück Papier, was für Unternehmen bekanntlich als der Beweis gilt, in der Hand hatte, war es für mich kein Ereignis was mich in meinem Bewusstsein vollkommen erfüllt hatte.
Bedeutet aber nicht, dass ich mich nicht trotzdem sehr gefreut habe.
Genau deswegen auch die Entscheidung vieles autodidaktisch, wie schon gewohnt aus dem Fernstudium, anzugehen und nur das im Fokus zu haben was mich wirklich interessiert und das Thema, was uns beide wohl interessiert ist riesig!
Die Welt der eingebetteten Systeme!
Es wird noch größer und spaßiger, wenn man die theoretischen Zusammnhänge versucht in die Praxis umzusetzen.
Finde dieses Forum trägt für mich an einigen Stellen auch eine Menge dazu bei etwas dazuzulernen, vor allem weiterhin im elektrotechnischen Bereich.
Und mal schauen wie das Leben noch so spielt.
Jedenfalls nehme ich an, die "Zeit für die Suche" wird ein gutes Fundament für den eventuellen Quereinstieg in den Beruf bilden und wenn es aus unterschiedlichsten Gründen nicht zu einem Berufswechsel kommt, dann bleibt es ein sehr interessantes Hobby und das Verständnis was man sich in der Zeit erworben hat, wird bei manch anderen technischen Tätigkeiten auf keinen Fall schaden.

Nun ist es mal wieder doch ein längerer Text geworden. :)

Schöne Grüße
 
Danke für deine ausführliche Antwort. Was du da geschrieben hast ist wirklich sehr passend formuliert und ich kann das selbst sehr gut nachvollziehen! Eventuell bist du bei deiner Suche schon mal auf das Weiterbildungsangebot der Fernuni Hagen gestoßen?
Da bin ich auf viele interessant klingende Kurse gestoßen (Softwareentwicklung). Allerdings kann man dort auch ein sog. Akademiestudium beginnen in dem man einzelne Module studieren kann, ohne sich einzuschreiben. Nach einer Prüfung wird ein Zertifikat ausgestellt mit welchem man dann seiner Karriere einen Schub geben kann. Falls man dann später doch nochmal studieren möchte, kann man sich diese Module auch anrechnen lassen. Jetzt überlege ich ob eine strategisch kluge Zusammenstellung von Modulen und Kursen in Kombination mit meinem Technikerabschluss ein sinnvolles Gesamtpaket mit guter Jobgarantie im oben genannten Bereich darstellt. Ich denke eine der wichtigsten Kernkompetenzen wäre z.B das Beherrschen einer Programmiersprache. Ich habe mal irgendwo aufgeschnappt, dass viele Firmen bei der Personalsuche im Informatikbereich den größten Wert auf diese Fähigkeit legen und praktisch Jeden nehmen, der diese Fähigkeit irgendwie nachweisen kann. Wenn man nun die oben genannten Module bzw. Kurse belegt hat man danach genau diese Nachweise in Form von Zertifikaten einer Universität. Das sieht doch bei einem Personaler erstmal nicht schlecht aus! Oder mache ich mir da zu viele Hoffnungen?
Eventuell liest hier ja ein Quereinsteiger mit und kann das beurteilen.
 
Ergänzend zu meinem vorherigen Post hatte ich alternativ noch das hier gefunden:
https://www.ils.de/fernkurse/informatiker/
Bietet natürlich wieder ein Komplettpaket, allerdings ein ziemlich gutes würde ich mal behaupten. Die Frage aller Fragen bleibt für mich, egal für welchen Kurs, Weiterbildung o.Ä ich mich entscheiden werde: Kann ich das irgendwie mit meinem Techniker verbinden oder werde ich dann auf dem Markt wie ein Facharbeiter im Bereich Informatik behandelt und auch bezahlt?
 
Nein ich habe mich aus oben genannten Gründen nicht weiter umgeschaut.
Richtig, denke auch, dass es schon sehr viel bedeutet eine Programmiersprache wirklich zu können aber das bedeutet auch sehr viel Aufwand auf sich zu nehmen.
Als wäre die Elektrotechnik nicht schon komplex genug, kommt noch die Programmiersprache dazu mit ihren vielen Befehlen und deren Verhalten.
Halte auch nichts davon von einer Programmiersprache zur anderen zu springen und dann gleich zu behaupten man könne jetzt zwei Sprachen.
Da wäre man wieder an der Stelle mit dem Berg und mehreren Steinen zu gleich.
Was ich jedoch für einen guten Weg halte ist erstmal eine Sprache, z.B. C in Zusammenhang mit Mikrocontrollern, sich sehr gut zu verinnerlichen.
Sobald man das Bewusstsein dafür entwickelt komplexere Aufgaben ohne größere Aufmerksamkeit mehr zu lösen, dann könnte man überlegen die Fähigkeiten von C auf eine andere Sprache zu adaptieren.
Mit "ohne große Aufmerksamkeit" meine ich vergleichsweise die Fähigkeit ein Fahrzeug zu fahren und zu lenken.
Wenn man sich zurück erinnert, war das nicht immer so, vor allem am Anfang nicht. Nachdem man sich alles verinnerlicht hat, ist es heute so selbstverständlich und einfach und man kann seine Aufmerksamkeit viel mehr auf weitere Dinge lenken, wie dem Straßenverkehr.
Ähnlich verhält es sich eben mit der Fähigkeit eine Programiersprache wirklich zu können.
Welcher Weg dahin führt, wo du hin möchtest kann ich nicht beurteilen.
Manchmal benötigen einige Stellen auch etwas Glück.
Aber vielleicht gibt es ja jemanden hier, der sich mehr mit deinem Weg identifizieren kann.
Eine gute Richtung glaube ich jedoch, wie bereits erwähnt, wäre einfach dem Interesse zu folgen.
Denn am Ende, wird sich die Bezahlung stark nach deinen Fähigkeiten als Programmierer richten.
 
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