Nickel durch Säure lösen

In meinem letzten Thema fand leider kein Informationsaustausch statt, daher das gleiche Thema in einem frischen Beitrag.



Diverse Messingkupplungen (im folgenden: Fittings), waren früher vernickelt, zu sehen in Bild 1.
Im Rahmen einer Gesamtreinigung meiner PC-Wasserkühlung (auflösen verschiedener Verunreinigungen durch die vorherige Kühlflüssigkeit) legte ich auch die Fittings in ein Säurebad mit 10% Phosphorsäure (Raumtemperatur)
Ich dachte, die Nickelschicht würde sich dabei entweder ganz, oder gar nicht auflösen.

Komischerweise löste sich die Nickelschicht auf manchen Fittings teilweise (Bild 2), auf anderen Fittings vollständig (Bild 3).
Die Fitting aus Bild 2 reagierten weder in 85% Phosphorsäure, noch in 96% Schwefelsäure (beide Raumtemperatur) weiter.

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Ich will alle Fittings wieder in der gleichen Optik haben, blankes Messing ist dabei völlig okay.

Folglich benötige ich eine Möglichkeit, Nickel aufzulösen, die auf dem Trägermaterial keine Salzschicht hinterlässt. Sollte sich das Messing teilweise auflösen, ist das kein Problem.


Meine erste Idee ist die Verwendung von Peroxomonoschwefelsäure (H2O2 + H2SO4), hierfür müsste ich nur Wasserstoffperoxid kaufen.
Das Nickel würde zu NiSO4 reagieren, Kupfer zu CuSO4, beide gut wasserlöslich. Kann ich erwarten, dass sich das Nickel schneller auflöst, als das Messing?

Meine zweite Idee ist die Herstellung von Salpetersäure durch konz. Schwefelsäure und ein Nitratsalz, hierfür müsste ich nur letzteres kaufen.
Ich bin unsicher, ob es ausreicht, Nitratsalz und Schwefelsäure zu mischen und die Messingteile hineinzugeben, oder ob ich die Salpetersäure isolieren müsste. Leider verfüge ich (noch) nicht über eine Destille, werde mir früher oder später vermutlich ohnehin eine kaufen.


Ich bin unsicher, welche Möglichkeit die bessere wäre.


Bei Antworten bitte ich innigst um wissenschaftlich fundierten Informationsaustausch, keine "Mach das bloß nicht" - Beiträge oder sonstiges.
Ich hatte diverse Chemiepraktika, besitze einen Abzug und bin im Umgang mit Chemikalien geübt. Weiterhin habe ich NaOH und Indikatorpapier zur Neutralisation der Abfälle, sollten toxische Schwermetallsalze entstehen, würde ich sie fällen und filtrieren.


Über eine inhaltliche Diskussion oder Ratschläge wäre ich äußerst dankbar :)
 
Kupfer zu CuSO4, beide gut wasserlöslich. Kann ich erwarten, dass sich das Nickel schneller auflöst, als das Messing?
Hoppla. Messing besteht natürlich aus mehr, als nur aus Kupfer. Ich erwarte viele lustige Sulfate.
 
Hallöle,

Nickel von Ms geht am besten elektrolytisch.
ca 80%ige Schwefelsäure mit etwas Glycerin um die Viskosität zu erhöhen.
um die 8 - 10 Volt Gleichstrom, Teil anodisch geschaltet. Kathode Edelstahlblech.
Ms wird nur wenig angegriffen.

Gruß
Donald
 
Hm, im anderen Thread war schon von Salpetersäure die Rede...mit H2SO4 und Glyzerin: "Nachtijall, ick hör' dir trapsen!" 💥

Das wäre mir schon längst zu viel Gefummel und gefährlich: Ich hätte neue, schöne Fittinge eingebaut und ab dafür...
Wenn man sich schon eine WaKü baut, dann darf die auch hübsch sein...Die jetzigen Fittinge sind schon reichlich "vergnaddelt" 😉
 
Offensichtlich moechte er doch keine "einfache" Loesung. Finde es toll, wenn Jemand sein Chemiekenntnisse auf diese Weise durch Experimente erweitern moechte.
DANKE!
Gefühlt der ertse Mensch, der mich versteht.

Ich hätte neue, schöne Fittinge eingebaut und ab dafür...
Wenn man sich schon eine WaKü baut, dann darf die auch hübsch sein...Die jetzigen Fittinge sind schon reichlich "vergnaddelt" 😉
Meine Wasserkühlung wird extrem schön. In ca. einer Woche bin ich fertig, dann stlle ich ein paar bilder rein.
"Einfach neue Fittinge" ist aber gut... Ein Fitting kostet ca. 7€, in meinem Rechner sind 14 und ich bin Student ;)


Hallöle,
Nickel von Ms geht am besten elektrolytisch.
ca 80%ige Schwefelsäure mit etwas Glycerin um die Viskosität zu erhöhen.
um die 8 - 10 Volt Gleichstrom, Teil anodisch geschaltet. Kathode Edelstahlblech.
Ms wird nur wenig angegriffen.
Gruß
Donald
Danke! funktioniert tatsächlich super.

Da ich mir wegen eines anderen Projekts ohnehin Wasserstoffperoxid gekauft habe,habe ich auch den Weg über Peroxomonoschwefelsäure (H2SO5) versucht.
Das klappt ebenfalls hervorragend, nach wenigen Sekunden sind die teile frei vom Nickel, das Messing löst sich dabei allerdings wie zu erwarten ebenfalls an.
Ich muss aber gestehen, dass ich dabei auch zum ersten Mal durchdringende Angst vor einer Flüssigkeit hatte. Vor allen dadruch, dass die Metallsalze die Zersetzung von H2SO5 katalysieren und die Sache danach einfach nicht mehr mit dem Brodeln aufhören wollte.


Die Teile werden nun mit einem viel zu teueren Schwarznickelelektrolyt galvanisiert, ggf. davor poliert, wenn ich mich aufraffen kann.
Schwarznikel besteht laut Wiki aus

Nickel ammonium sulfateNiSO4·(NH4)2SO4·6H2O8 oz/gal
Zinc sulfateZnSO41.0 oz/gal
Sodium thiocyanateNaCNS2 oz/gal

Alles bekommt man z.B. hier https://www.sigmaaldrich.com/catalog/product/aldrich/a1827?lang=de&region=DE für ca. 30ct pro Gramm.
Eine Black Nickel Elektrolytlösung bekommt man in Deutschland von genau einem Hersteller. 50ml kosten 17€, darin sind 3,7g Nickel...

Edit: Habs gerade durchgerechnet. Würde man selbst mischen, würde man für 3,7g Nickel (in fertiger Lösung) etwa 10,90€ bezahlen, gar nicht mal so ein Unterschied.



Nach dem Vernickeln sollte die Wasserkühlung wieder perfekt sein und ich im Verlauf so einiges gelernt haben.

Genau der Grund, warum ich solche Projekte überhaupt in Angriff nehme.
 
Hallöle,

deine 3 Chemikalien sind nur das Grundgerüst für eine Schwarznickelschicht. Da kommen noch div. Organika zu.
und es sollte vorher glanzvernickelt werden, sonst wird das nicht wirklich schön.
Galvanotechnik ist nix für so mal nebenbei.

Gruß
Donald
 

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