Mein Studium Maschinenbautechniker SGD (2006-2011)

Teil1/3
Hallo,
ich möchte Euch mit ein paar Eindrücken aus meiner Studienzeit ein paar Anregungen vermitteln mit denen ihr euer Studium erfolgreicher gestalten könnt.
Zeitpunkt des StudienbeginnsDas Studium zum „staatlich geprüften Maschinenbautechniker“ an der SGD (Studiengemeinschaft Darmstadt) umfasst 42 Studienmonate für die Lernhefte, mit anschließender Vorbereitung auf die staatliche Prüfung. An der SGD gibt es zurzeit (Stand Ende 2010) nur einen einzigen Prüfungstermin für die Staatliche. Die schriftliche Prüfung ist Anfang Dezember und die mündliche Prüfung anschließend Mitte Januar. Die SGD wirbt damit, dass man in das Studium einsteigen kann „wann immer man möchte“. Ich fing im Juli 2006 mit dem Studium an und war mit den Lernheften etwa Februar 2010 fertig. Also rund 44 Monate. Dies bedeutete, dass ich die Prüfung eben erst Ende 2010 machen konnte. Damit dauerte mein Studium 4 1/2 Jahre. Hätte ich Anfang des Jahres begonnen wäre ich wohl nach 4 Jahren fertig geworden. Aber dafür wäre es zeitlich am Schluss eng geworden mit der Vorbereitung auf die Prüfungen und der Arbeit am Projekt.
FördermittelDas Studium ist sehr kostspielig. 42 Monate a 129,-€, Seminargebühren, Reisekosten, Unterkunft, Lernmittel und Prüfungsgebühr von 300,-€, da kommen einige Tausend Euro zusammen. Deshalb vergesst nicht von eurem Recht Gebrauch zu machen und beantragt Meisterbafög.
LernhefteIch habe versucht die Lernhefte gewissenhaft durchzuarbeiten und die Einsendeaufgaben vollständig zu lösen. Der Notendurchschnitt aus den Einsendeaufgaben hat aber keinerlei Konsequenzen für die Zulassung zur staatlichen Prüfung. Auch eine 100%ige Vollständigkeit aller Einsendeaufgaben ist nicht zwingend nötig. Kurz und gut, falls ihr mal nicht weiterwisst und es auch keine sinnvolle Hilfe aus dem Technikerforum oder den Betreuern der SGD gibt, dann quält Euch nicht Wochenlang herum, sondern dann konntet ihr es halt nicht besser lösen. Es gibt eine Reihe von Lernheften, bei denen am Ende des Studiums klar wird das sie keinen Beitrag leisten für die Prüfungen. Ich möchte hier aber keine Hefte direkt benennen (Diesbezügliche Anfragen sind zwecklos.) weil dies jeder anders sieht. Zu dem was meiner Meinung nach wesentlich ist für die Prüfungen später mehr. Eins zur Klarstellung. Die Lernhefte, vor allem die Praxisbezogenen und Technischen Inhalte, sollen selbstverständlich komplett studiert werden. Vieles ist Voraussetzung um später auch diejenigen Lerninhalte in den Seminaren zu verstehen, die von den Lehrern der Erasmus-Kittler-Schule eingebracht werden. Mir geht es mit diesem Beitrag nur darum auf den meiner Meinung nach wichtigeren Teil, die Teilnahme an den Seminaren, hinzuweisen.
Betreuung und Kontakt mit der SGDDie SGD wirbt mit der Betreuung durch erfahrene Fernlehrer und ihrem Onlinezugang „WaveLearn“. So bekommt man eine Liste mit Telefonnummern der Fernlehrer nach Fächern aufgeteilt. Leider sind das eben nicht alle Fernlehrer. Ich hatte mehrmals Probleme mit der Beurteilung (Benotung) der Einsendeaufgaben und konnte dann keinen direkten Kontakt mit dem Tutor aufnehmen. Anfragen bei der SGD nach Kontaktdaten wurden abgewehrt mit dem Hinweis, dass der Tutor nur eine Hilfskraft wäre um die Hefte zu korrigieren. Die Beantwortung von Fragen über WaveLearn dauerte quälend lang (manchmal Wochen) und war dann noch teilweise unbefriedigend. Versucht habe ich auch über Chat in „WaveLearn“ Antworten von anderen Teilnehmern zu bekommen. Aber hier gab es zu wenig Feedback und so schlief dann auch mein Interesse an „WaveLearn“ ein. Während der Projektarbeit versuchte unser Projektteam ein paar Tagungen in einem der Chaträume abzuhalten. Leider bleibt man dort nicht lange ungestört. Als die ersten Spinner kamen und uns permanent störten war auch dieser Teil von „WaveLearn“ für uns erledigt.
SeminareInsgesamt gibt es 8 Seminare über das Studium verteilt. Die Teilnahme an den ersten 4 Seminaren ist vollkommen freiwillig. Ab Seminar 5 beginnt dann auch die Arbeit am Projekt. Bis zum 5. Seminar gibt es für Jedes Seminar mehrere Termine. Je nach Bearbeitungsfortschritt der Lernhefte könnt ihr dann den für euch zeitlich passenden Termin wahrnehmen. Da im 5. Seminar die Projektgruppen (3-5 Personen) gebildet werden, seid ihr danach an diese Gruppe gebunden. Und damit auch an die Termine der folgenden Seminare. Nur die Projektstunden innerhalb der Seminare 5-8 sind verpflichtend für alle die den staatlichen Abschluss anstreben. Der Rest der Seminare 5-8 ist wieder völlig freiwillig. Das bedeutet, dass auch sämtliche vorbereitende Prüfungen in diesen 8 Seminaren freiwillig sind und keine Auswirkung auf die Zulassung zur staatlichen Prüfung haben. Aber…., ich kann Euch die Teilnahme an sämtlichen Seminaren und den Prüfungen nur dringend empfehlen. Am Anfang gibt es wichtige Hinweise zum Studienverlauf, bis hin zu den Prüfungen, zum Ablauf der Prüfungen, oder der Prüfungsordnung. Hinweise die im Verlauf des Studiums so nie wieder gegeben werden. So wurde beispielsweise in einem der Seminare die einzig zugelassene Formelsammlung für das Fach Produktionsorganisation ausgegeben. Erst durch die Teilnahme bekommt man mit, dass zur Bewältigung der staatlichen Prüfungen einige der Lernhefte vollkommen nutzlos sind. Das liegt daran das in den Seminaren auch Lehrer von der Erasmus-Kittler-Schule auftreten. Diese Lehrer erstellen auch teilweise die Aufgaben in den staatlichen Prüfungen. Und sie interessiert oft überhaupt nicht was in den SGD Heften steht (Originalkommentar: „SGD Hefte habe ich mir noch nie angesehen“). Sie setzen ein anderes Wissen voraus und dieses teilen sie in den Seminaren mit. Teilweise sehr spät. Ein Beispiel. Im Heft MUK5 geht es um Schraubenverbindungen. Der Lehrer, der später auch die Prüfung in Konstruktionstechnik erstellte, machte uns gleich klar, dass um Erfolg in der Prüfung zu haben besser nicht so gerechnet wird wie im Lernheft. Dazu übergab er uns ziemlich spät eine schriftliche Zusammenfassung. über die vereinfachte Schraubenberechnung nach VDI2230 (Maschinenbau) die auf Roloff/Matek Maschinenbaubüchern basiert. Das Ganze hängt wie gesagt damit zusammen, das diese Lehrer größtenteils an der Kittlerschule Voll- und Teilzeitstudierende betreuen. Die Externen von der SGD haben sich deshalb anzupassen. An dieser Stelle muss ich aber den Lehrer für Konstruktionstechnik in Schutz nehmen. Er war einer derjenigen Lehrer, die uns punktgenau auf die Prüfungen vorbereiteten, bei ihm waren eigene Formelhefte erlaubt und seine Prüfung versetzte mich jedenfalls nicht in die zeitliche Hektik wie die Prüfung in Fertigungstechnik. Das Problem liegt wohl strukturell an der Zusammenarbeit zwischen SGD und Erasmus-Kittler-Schule. Jedenfalls, ich selber bin ab Seminar 5 dabei gewesen. Hätte ich nicht von meinen Kumpels, die vom ersten Augenblick dabei waren, alles Schriftliche kopiert bekommen wäre ich schön reingefallen! Es gab tatsächlich einen Schüler der nur zu den Projektpflichtstunden in Seminar 5-8 gekommen ist. Er sah am Schluss bei den staatlichen Prüfungen gar kein Land mehr…
 
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Teil2/3
LernmittelGanz vorn steht hier ein ordentlicher Taschenrechner. Wie immer bei Prüfungen sind nicht alle Typen zugelassen. Dazu findet man im Internet genügend Seiten. Ich habe bis zum 7. Seminar mit einem ALDI Rechner gearbeitet! Bei der Bearbeitung der Lernhefte fielen die Nachteile die damit verbunden sind nicht ins Gewicht. Man hatte ja Zeit. Aber bei den Vorprüfungen merkte ich dann, dass ich viel langsamer war als andere Schüler. Auf Empfehlung eines Teamkumpels habe ich mir dann einen CASIO fx-991ES zugelegt. Aber es reicht nicht den richtigen Taschenrechner zu besitzen, auch der sichere Umgang damit will geübt sein!!! Das bekam ich in der Abschlussprüfung Fertigungstechnik zu spüren. Es gab da eine Aufgabe bei man 50 Messwerte statistisch auswerten musste (Mittelwert, Standardabweichung usw.). Hier war ich völlig aufgeschmissen den ich hatte vorher noch nie statistische Berechnungen mit dem TR erledigt. Und von Hand auf die alte Weise ging natürlich nicht.
Zum technischen Zeichnen wird ein A4 Zeichenbrett empfohlen und verschiedene Kurvenlineale. Hier ist meine Meinung, dass ein Kauf des Zeichenbrettes übertrieben ist. Nur in 2-3 Heften wird von Hand gezeichnet. Danach werden die Zeichnungen mit CAD-Software erstellt. Versucht solche Dinge auszuborgen, ihr benötigt sie nie wieder im Studium.
Bei den Büchern wurde Wert darauf gelegt die aktuellste Auflage vom Tabellenbuch Metall EUROPA Verlag zu benutzen. Auch wenn die Änderungen von einer Auflage zur nächsten nur gering waren (z.B. CNC-Programmierung nach PAL oder andere kc Werte der spezifischen Schnittkraft S.299 44. Auflage). Kauft Euch deshalb die neueste Auflage erst am Ende des Studiums. Außerdem waren folgende Bücher wirklich wichtig.
Roloff/Matek Maschinenelemente Formelsammlung
Roloff/Matek Maschinenelemente Tabellenbuch
Empfehlen kann ich weiterhin:
Roloff/Matek Maschinenelemente Normung, Berechnung, Gestaltung
Für Übungsaufgaben (und sogar Prüfungsaufgaben wurden daraus entnommen):
Roloff/Matek Maschinenelemente Aufgabensammlung
Ulrich Wojahn Aufgabensammlung Fertigungstechnik
Hoischen/Hesser Technisches Zeichnen
Alfred Böge „Das Techniker Handbuch“
Bei Mathematikproblemen wie umstellen von Formeln, Zusammenfassen von Termen war/ist mir Kusch Mathematik 1 Arithmetik und Algebra und die zugehörige Aufgabensammlung mit Lösungen, vom Cornelsen Verlag, eine wertvolle Hilfe.
ProjektarbeitDas Thema für die Projektarbeit kann von euch gewählt werden. Zum Beispiel hatten manche ein Thema aus ihrem Betrieb mitgebracht. Voraussetzung ist aber das es etwas mit Automatisierung ist. Also zum Beispiel eine Maschine. Habt ihr nix passendes macht das auch nichts. Dann bekommt ihr eine Aufgabe aus dem Fundus der Kittlerschule. Dann wird ein Team von 3-5 Leuten gebildet und der Projektleiter bestimmt. Ab da an seid ihr miteinander verbunden. Ich muss es gleich loswerden. Unser Team hat mit „sehr gut“ abgeschlossen weil wir erstens eine Menge Zeit hatten (siehe Anfang Zeitpunkt des Studienbeginns), dadurch wohl zuviel des Guten erarbeitet haben und weil wir Vier gegenseitig nie lockerließen wenn die Qualität nicht so war wie beabsichtigt. Bei uns flogen manchmal die Fetzen bis fast zur Beleidigung, aber es gab immer jemanden der schlichtend eingriff. Es gab Irrwege und Sackgassen die dann brutal umgeworfen und komplett neu angegangen wurden. Am Ende wurde es sogar knapp mit der Zeit, weil eine wichtige Sache lange nicht ernst genommen wurde. Ganz zum Anfang müsst ihr gleich verbindlich festlegen wie die Seitengestaltung aussehen soll. A4, A3, Hoch, Quer, Seitenlayout, Design des Logos, Kopf- und Fußzeile, Schriftart, Zeilenabstand, Gliederungssystem, all das sofort zu Beginn für Word, Exel, Powerpoint konsequent festlegen und unerbittlich durchziehen ab der ersten Seite. Abweichler sofort zurechtstutzen. Zeichnungsansichten, vereinfachtes Schriftfeld genauso festlegen für A4, A3, Hoch, Quer. Lernt mit der CAD Software so umzugehen das ihr auch die Stücklisten damit erstellen könnt. Das bedeutet, dass ihr ab dem ersten konstruierten Teil gleich die in der Stückliste benötigten Daten in die Teileinfo einschreibt. Das bringt später wichtige Vorteile, den dann wird die Stückliste bei Konstruktionsänderungen automatisch angepasst. Für gute Präsentationen ist es von Vorteil wenn Bauteile so aussehen wie in der Wirklichkeit. Also 3D Bauteile aus dem Netz laden oder selber in hoher Qualität erstellen. Rendering mit realistischen Oberflächen und kleine Animationen bei der Generalprobe/Endpräsentation als Eyecatcher kommen immer gut an. Verwendet bei den Präsentationen besser den Laptop statt USB-Stick. Mit dem Stick seid ihr bei Powerpoint abhängig vom Rechner der Kittlerschule. Das kann beim Einsatz von Animationen kritisch werden. AVI’s benötigen entsprechende Codec’s des Mediaplayers. Fehlen die auf dem Kittlerrechner seht ihr gar nix. Kurze Animationen sind als GIF sicher aufgehoben.
FormelsammlungenEs ist ratsam, gleich zu Beginn der Lernhefte, entsprechende Formelsammlungen aufzubauen. Dies ist für die Seminarprüfungen vorteilhaft. Zur Erinnerung, diese dienen nur der Übung, sind nicht verpflichtend, aber es ist unbedingt ratsam sie mitzuschreiben. Aber für die staatlichen Prüfungen war sie nur im Fach Konstruktionstechnik sinnvoll, weil nur dort eigene Formelsammlungen zugelassen waren. Grundsätzlich ist hier zu sagen das Umfang und Art der Formelsammlung, ob vorgegeben oder selbsterstellt, einzig und allein von dem Lehrer bestimmt wird, der die Aufgaben für die staatliche Prüfung zusammenstellt! Und das waren in meinem Studium alles Lehrer der Erasmus-Kittler-Schule in Darmstadt.
 
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Teil3/3
PrüfungenDie folgenden Stichpunkte geben nur einen groben Überblick. Und logischerweise kann und wird es sich von Jahr zu Jahr ändern. Aber es soll auch zeigen, dass viele Heftthemen in der staatlichen Prüfung nicht vorkommen. Das bedeutet aber nicht, dass diese Themen nicht ebenso ernsthaft bearbeitet werden sollen. Denn ein Techniker soll ja umfassend, über sein eigentliches Arbeitsgebiet hinaus, ausgebildet werden. Bei der Prüfung ist ausschließlich gestempeltes Papier (auch die Schmierzettel) zugelassen, was vor und während der Prüfung ausgegeben wird. Ein Lehrer (Fertigungstechnik) wies kurz vor Prüfungsende darauf hin das er Bleistift nicht akzeptiere, da dieser ja nachträglich radiert werden könnte (hatte ich zum Beispiel so bei CNC Programm mit Bleistift geschrieben. Hat mich Minuten gekostet alles mit Kuli nachzuschreiben). Bei technischen Zeichnungen oder Stromlaufplänen (Automatisierung) habe ich aber mit Bleistift gearbeitet. Bitte lest euch die Aufgaben bis zur letzten Zeile durch. In Produktionsorganisation gab es eine Aufgabe mit Äquivalenzrechnung. die über die gesamte Seite ging. Plus eine Zeile auf der Folgeseite. Ich war nicht der Einzige der dadurch einen wichtigen Hinweis übersah.
Schriftliche Prüfungen (je 180min):
Konstruktionstechnik Der Lehrer hat in den Seminaren das behandelt was dann auch Prüfungsrelevant war. Getriebeberechnung (Abmaße, Momente, Kräfte, Lager), Lagerdimensionierung Kugellager/Wälzlager (Kräfte, Abmaße, Lebensdauer), Wellen und Achsen (Abmaße, Kräfte, Biegemomente), Schraubenberechnung Maschinenbau (Abmaße, Kräfte, Sicherheitsnachweise), Schweißnahtberechnungen Maschinenbau, Passfedern
Der Lehrer erlaubte uns zur Prüfung Formelhefte jeder Art. Roloff/Matek siehe Buchtipps waren unerlässlich. Formelzusammenstellung und Berechnungsablauf für die Vereinfachte Schraubenberechnung nach VDI2230 wurden in Seminar 7 vom Lehrer ausgeteilt.
Fertigungstechnik Der Lehrer hat in den Seminaren vieles behandelt was dann in der Prüfung aber keine Rolle mehr spielte! In diesem Fach kam ich Tempomäßig oft nicht hinterher. Hier wurde viel über Umformen, Gießen, CNC Programmierung und bei Qualitätsmanagement über die statistische Auswertung gelehrt. In der Prüfung allerdings kam die Hälfte davon nicht dran! Dafür aber Nutzungszeiten und Leistungsberechnung beim Fräsen mit 30% der Prüfungsaufgaben, was viele wie auch ich nicht so erwartet hatten und entsprechend Probleme bekamen. Vorsicht ist in diesem Fach angebracht! Genannte Prüfungsgebiete wurden teilweise in der Prüfung durch andere vorher weitgehend unterrepräsentierte Gebiete ersetzt. Der Lehrer ist sehr ehrgeizig. Er hat das Ziel die Schüler zu befähigen unter Leistungsdruck zu arbeiten. Das bekommt nicht jedem! Aber das Gebiet ist auch sehr umfangreich. Zur Prüfung war ausschließlich das Tabellenbuch Metall (Europa) und die Formelsammlung FORM01 der SGD zugelassen. Prüfungsthemen können sein, alles aus FORM01 (außer die seltenen Verfahren wie Hobeln, Stoßen oder Räumen), Tabellenbuch Metall Kapitel Fertigungstechnik, CNC Technik nach PAL, Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung. Interessant ist, dass viele Prüfungsthemen Bezug zur Kittlerschule haben. Denn diese ist eine Schule für Metall- und Informationstechnik. Klar, dass dann Verfahren wie CNC Drehen oder Fräsen höher bewertet sind als Themen in Richtung Chemie, Kunststoff oder Optik. Neueste Forschungsergebnisse der Fertigungstechnik sind ebenfalls ein beliebtes Thema des Lehrers gewesen. Schwerpunkte sind in diesem Fach schwer voraussagbar. Auch in der mündlichen Zusatzprüfung falls ihr die Schriftliche vermasselt habt aufpassen. Genannte Prüfungsthemen sollten weiträumig gelernt werden. Hier traf es einen Kameraden aus einem anderen Projektteam hart. Er hatte mündlich das Thema Drehen mit Werkzeugverschleiß, Spanformen e.tc. In der Prüfung kam dann aber abweichend der Aufbau einer Drehmaschine dran. Für jemanden der nicht vom Fach ist kann das schnell zum Problem werden.
Produktionsorganisation Der Lehrer hat in den Seminaren das behandelt was dann auch Prüfungsrelevant war. Es war ausschließlich die vom Lehrer in einem der ersten 4 Seminare ausgeteilten Formelsammlung zugelassen. (Bilanz, Betriebsabrechnungsbogen BAB, Äquivalenzrechnung, Voll- und Teilkostenrechnung, Handgriffe MTM Verfahren, REFA Auswertung von Zeitaufnahmen)
Automatisierungstechnik Hier fand ich den Abstand zwischen den Heftinhalten (AUT, SIN, SPS) und den Prüfungsaufgaben am größten. Für die Bewältigung der Prüfung war vor allem Tabellenbuch Metall (Europa, 44. Auflage zum Zeitpunkt meiner Prüfung) wichtig. Dies war auch das einzig zugelassene Nachschlagewerk. Also keine eigenen Formelhefte oder Bibliotheken mit Schaltzeichen. Das Einkleben einzelner Seiten, Inhalte abgesprochen mit dem Lehrer, war möglich. Elektropneumatische Steuerung und SPS waren das Schwerpunktthema. Ablauf immer ähnlich. Es wird ein Prozess gezeigt (z.B. Flaschenverpackungsanlage auf einem Förderband) den man verstehen muss um ihn dann nach Vorgaben als Elektropneumatische Ablaufsteuerung darzustellen. Danach sollen Änderungen eingebaut werden oder bestimmte Bedingungen müssen erfüllt sein. Folgende Reihenfolge kam immer wieder vor. 1. Elektropneumatischer Schaltplan (TB Metall S.366 Pneumatik Schaltplan) 2. Funktionsdiagramm (selbe Seite ganz oben) 3. Stromlaufplan mit SPS dazwischen (selbe Seite Stromlaufplan, aber SPS zwischen Ein- und Ausgängen dazudenken) 4. Funktionsplan nach GRAFCET (Seite 358-360) 5. Belegungsliste (Seite 367) 6.Funktionsbausteineplan (Seite 367 Funktionsbaustein-Sprache FBS) 7. Anweisungsliste AWL (selbe Seite, Hier gibt es einen Fehler im Netzwerk 4. Das ODER von Merker M0.2 ist falsch. Richtig muss es so sein wie in Netzwerk 5 mit UND M0.2) 8. Es gibt eine zusätzliche Aufgabe. Hier ging es meist um Druckluftfragen (S. 369/370). In unserer Prüfung ging es zusätzlich um Ejektoren. Da diese im TB Metall nicht vorkommen gab es vorher Zusatzmaterial.
Mathematik für diejenigen die Fachhochschulabschluss anstreben.  Kann nur wiedergeben was ein Teamkumpel gesagt hat. Sehr schwer, nur ein vorgegebenes Formelheft zugelassen. Hier sind einige gestrauchelt! Dann bei Note 5 in die mündliche Prüfung stelle ich mir schwer vor.
Mündliche Prüfungen (je 15min):
Englisch es gab 4 Texte in Seminar 8. Lesen, Übersetzen, Fragen dazu beantworten. Falls noch Zeit bleibt wird gern nachgefragt etwas über euch zu erzählen. Deshalb ist die Kenntnis des Lebenslaufs vorteilhaft.
Deutsch endgültig klar war das Thema erst zur schriftlichen Prüfung Anfang Dezember. die meisten hatten eine Bewerbung auf Folie zu schreiben. Abhängig von der Übungsprüfung in Seminar 8 (Thema Funktionsbeschreibung, Demontage), hatten Studierende mit Note 3 oder schlechter ihre Fehler aus der Funktionsbeschreibung zu korrigieren. Was das Schreiben auf Folie betrifft, Linkshänder mal üben. Ein Pechvogel verschmierte mit dem Handrücken das Geschriebene.
Existenzgründung Wahlfach für all diejenigen die keine schriftliche Matheprüfung ablegen. In Seminar 8 wurden 3 Seitenabschnitte von je 10-12 Folgeseiten benannt die zu lernen waren. Zwei waren für Alle gleich. Der letzte wurde individuell jedem zugeteilt.
Politik, Recht, Umwelt Anfang Dezember bei den schriftlichen Prüfungen konnte aus einer Anzahl von etwa 10 Themen eines ausgewählt werden. Von Bundestag, Bundesrat bis Umweltpolitik. Material dazu wurde teilweise ausgegeben.
Kolloquium  Die Verteidigung eurer Projektarbeit. Unsere war Easy. Vier Fragen das war es. Wohl weil unsere Arbeit wirklich sehr gut war. Es gab aber auch Teams die angreifbar waren und durch die Mangel genommen wurden.
Hinweisen möchte ich noch auf die meiner Meinung nach inakzeptable Organisation im Zeitraum der Prüfungen. Die schriftlichen Prüfungen und die Endpräsentation des Projekts fanden Anfang Dezember an der Erasmus-Kittler-Schule in Darmstadt statt. Hier wurden auch einige der Prüfungsthemen für die mündlichen Prüfungen gegeben. Diese begannen dann am 17. Januar des Folgejahres. Die Ferien in Hessen gingen am 10. Januar zu Ende. Das bedeutete, dass erst an diesem Tag bei der SGD oder der Kittlerschule wegen der Zensuren aus den schriftlichen Prüfungen angerufen werden konnte. Aber erst am Dienstagnachmittag bekam ich meine Zensuren mitgeteilt. Ich hatte in Fertigungstechnik eine 5. Fünf oder Sechs bedeuten eine zusätzliche mündliche Prüfung in diesem Fach (bei schriftlich 5 muss mindestens mündlich eine 3 her, bei schriftlich 6 eine 1). Jedenfalls bedeutet dies, dass zusätzlich auch der Lehrer für die mündliche Zusatzprüfung angerufen werden muss wegen eines Themas. Alles über Telefon. Jeder kann sich ausrechnen das dann bis zum Beginn der mündlichen Prüfungen nur sehr wenig Zeit bleibt. schon die Anfahrzeit kann ja auch noch einen Tag ausmachen.
Sind alle Prüfungen abgeschlossen (inklusive eventueller zusätzlicher mündlicher Prüfungen wegen schlechter Noten in den schriftlichen Prüfungen) und ihr habt immer noch eine 5 oder 6 in schriftlicher oder mündlicher Form, kann diese mit einer schriftlichen/mündlichen 3 oder besser ausgeglichen werden (bei 6 mit 1). Auch die Note aus der Projektarbeit kann dazu als Rettungsanker verwendet werden. Mehr als eine Note kann nicht ausgeglichen werden. Ausgeglichen bedeutet dann das man die Prüfung bestanden hat, aber nicht das die 5 oder 6 vom Zeugnis verschwindet.
So das soll es gewesen sein.
Alles Gute und viel Erfolg!
 
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AW: Mein Studium Maschinenbautechniker SGD (2006-2011)

Hey Lolek!

Wow, bin echt begeistert von Deinem Beitrag! Der ist nämlich wirklich sehr ausführlich und Du konntest mir damit sehr helfen! Ich selber befinde mich erst im 12.Studienmonat und gerade mit Deiner Bücherliste konntest Du mir helfen, da ich mir nächsten Monat auch weitere Literatur zulegen wollte, aber noch schwankte, welche Bücher überhaupt sinnvoll sind!

Also, vielen Dank und liebe Grüße

Tinchen
 
AW: Mein Studium Maschinenbautechniker SGD (2006-2011)

Hallo Lolek,

Dein Text ist zwar sehr ausführlich, aber doch sehr kurz. Schön wäre es wenn die SGD in der Lage wäre so gut über ihre Fernkurse zu informieren wie du das getan hast.

Es ist auf jeden Fall eine sehr gute Hilfestellung, Danke!

Für die anderen Studienfreunde noch ein Tipp von mir, was Bücher angeht so benutzen viele Lehrer die Vieweg Bücher und nur wenige die von Europa. Fragt in den Seminaren nach welche Bücher benutzt werden und kauft euch dann diese. Ich habe den Fehler gemacht wild drauf los zu kaufen, so habe ich erst Decker Maschinenelemente geholt und bin dann aber auf Roloff / Matek umgesprungen.

Allen noch viel Erfolg im Studium!

MfG

Offschore
 
AW: Mein Studium Maschinenbautechniker SGD (2006-2011)

Ok, wirklich sinnvolle Infos und ein Lob, dass du dir nach Abschluss des Studiums noch diese Arbeit gemacht hast!

Mir fallen jetzt schon von dem vielen Lesen grau auf grau die Augen raus! o_O

Muss allerdings wirklich sagen, es ist verdammt viel Zeitaufwand, alle Hefte sammt ESAs durchzuarbeiten. Scheinbar vergessen die von der sgd, dass man nebenbei auch noch eine 45h-Woche haben könnte...
 
AW: Mein Studium Maschinenbautechniker SGD (2006-2011)

Ich stehe kurz vor dem TMA4 also noch gut ein Jahr. Wenn ich so die Zusammenfassung lese, wird die Abschlussprüfung hart.
Ich hab schon gedacht das man gut mit den Heften auf die Prüfung vorbereitet wird.
Ich hab zwar ein paar Roloff/Matek Bücher von einem Bekannten ( 3 Jahre alte Bücher ) und merke schon das diese anders arbeiten als die SGD Hefte. Werde wohl mehr mich auf die Bücher konzerntrieren.
 
AW: Mein Studium Maschinenbautechniker SGD (2006-2011)

Ich bin erst seit 5 Monaten dabei und habe noch Spaß am Lernen :-)

Danke für den sehr informativen Erfahrungsbericht.

Gruß

mihi06
 
AW: Mein Studium Maschinenbautechniker SGD (2006-2011)

Hi lolek,

super geschrieben. Damit weiß ich schon mal, welche Bücher für das Studium sinnvoll sind. Den Böge habe ich schon und habe vergleichsweise mal in den Dubbel geguckt, aber der ist schon mehr in Richtung Ingenieur gelegt.
Gut das ich das jetzt erst noch alles vor mir habe und wenigstens in groben Zügen weiß, worauf ich mich einlasse.
Bei mir ist das Problem nicht nur mit ca. 45-50 Std. Arbeitszeit die Woche, sondern zusätzlich auch noch, dass ich ab und zu mal nen paar Wochen im Ausland bei Lieferanten bin. Aber, wie heisst es so schön? No pain, no gain.

Gruß an alle,
Kai
 
AW: Mein Studium Maschinenbautechniker SGD (2006-2011)

Ich denke die Lernhefte sind eigentlich nur dazu da um sich einigermaßen auf den Unterricht vorzubereiten. Ich habe vor 2 Wochen TMA 3 besucht und wieder mal feststellen müssen das einige Dozenten die Lernhefte von der SGD gar nicht kennen und nur ihren Lernstoff durcharbeiten und dieser dann wichtig für die Prüfungen ist.

So far
 
B

BMWAndi

Gast
AW: Mein Studium Maschinenbautechniker SGD (2006-2011)

Hey Lolek,

Danke für deinen Eintrag hier, der ist sehr hilfreich. Ich habe mir alle Bücher bestellt die du empfohlen hast. Ich sehe das es an manchen Stellen bei den Einsendeaufgaben happert und hoffe die Bücher helfen weiter.... :D
Am Anfang ist es recht viel mit lernen und arbeiten aber wenn man einen Rythmus hat klappt das schon :D

Danke und MfG
 
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