Leitfähigkeit bei gealtertem Öl

Dieses Thema im Forum "Chemie" wurde erstellt von GunnarOlaf, 19 Dez. 2012.

  1. Im Labor wurden verschiedene Motorenöle vor und nach der Alterung unter anderem auf ihre Leitfähigkeit hin untersucht, dabei zeigte sich, dass diese durchweg geringer wurde.Ich suche nach einem Denkanstoß für eine Erklärung. Könnte es mit der steigenden Viskosität und einer geringeren Ionenmobilität zu tun haben?
    In der Literatur habe ich einen anderen Versuch gefunden, der sich auf Isolatorenöl bezog und genau das entgegengestzte Ergebnis lieferte.
     
  2. AW: Leitfähigkeit bei gealtertem Öl

    Alte Motoröle haben grundsätzlich einer niedrigere Viskosität, da die den VI erhöhenden Additive zerstört wurden
    und eine höhere Leitfähigkeit durch folglich höhere Ionenmobilität, gelöste Verbrennungsprodukte (z.B. Russ) sowie Metallabrieb.

    Warum das bei dir gerade umgekehrt sein soll,
    ist mir völlig unerklärlich.
     
  3. AW: Leitfähigkeit bei gealtertem Öl

    Dass sich die Leitfähigkeit durch Metalleintrag und Versäuerung bzw Dissoziation erhöhen müsste, habe ich mit theoretisch auch so überlegt. Ich weiß nicht, ob wir uns in Sachen Viskosität richtig verstanden haben: Alterung durch Rußeintrag, Oxidation und Verschleiß der VI-Verbesserer führt zu einem geringeren Viskositätsindex aber damit eben zu einer Erhöhung der Viskosität, sprich altes Öl ist zähflüssiger als neues. Das bestätigt auch parktische Werkstatterfahrung ;) Also könnte tatsächlich die Ionenmobilität damit im Zusammenhang stehen? Leitfähigkeit.jpg
     
  4. AW: Leitfähigkeit bei gealtertem Öl

    GAAAANZ komisch!
    Ich hatte gerade ein längeres Gespräch mit meinem guten Freund Robert, dem Ölologen (Castrol-BP)
    und der sprach:

    Das Verhalten von Öl mit zunehmender Alterung hängt vom Öl und vom Motor ab.
    Billige Öle (mit vielen VI-Verbesserern) werden ihre Viskosität stärker ändern
    und bei alten Motoren mit undichten Kolbenringen und schlechter Verbrennung ist das genau so.

    Ein Anstieg der Viskosität durch Alterung ist möglich, wenn ein hoher Russeintrag erfolgt (Schwarzschlamm),
    aber den nahezu exponetiellen Anstieg wird man damit nicht erreichen.;
    in der Regel sinkt er durch Verdünnung mit Kraftstoff und Wasser.

    Den Abfall der Leitfähigkeit kann er sich nicht erklären - haben sie nie gemessen.
    Neue Öle können jedoch durchaus leitfähig sein, da etliche Additive (metallhaltige) Salze sind.
    Deren Menge kann sich jedoch durch Alterung nicht reduzieren.
    Wenn man dann noch bedenkt, dass ins Motoröl Kraftstoffreste,
    Verbrennungsprodukte (Russ, Asche = ev. weiter Salze) und vor allem auch Wasser eingetragen wird,
    muss man von einer mit zunehmendem Alter steigenden Leitfähigkeit ausgehen.


    Wenn man dann noch deine Grafik extrapoliert, stellt man erstaunt fest,
    dass du dein 300...400 Stunden altes Öl den Trafoherstellern als Isolieröl verkaufen könntest,
    wenn es dann nicht schon zum spachtelbaren Feststoff geworden wäre.

    Kann das vielleicht sein, dass du die Kurven verwechselt hast?
     
  5. AW: Leitfähigkeit bei gealtertem Öl

    Es ist leider so, dass ich die Versuche und die Auswertung nicht selbst vorgenommen habe, mir obliegt nur die dankbare Aufgabe den gezeigten Verlauf zu ergründen. :cool:

    Wie gesagt, die theoretischen Überlegungen, dass sich die Leitfähigkeit über der Betriebszeit erhöhen müsste, habe ich auch so gtetätigt und das erscheint mir alles ziemlich schlüssig.

    Dass Änderungen der Viskosität während des Betriebes sowohl in die eine als auch in die andere Richtung auftreten können kann ich nachvollziehen, allerdings war mir nicht bekannt, dass es hauptsächlich zur Abnahme kommt. Besagte Beobachtungen in der Werkstatt sind allerdings auch wirklich nur Beobachtungen und durch keine Messungen irgendwelcher Art bestätigt.
    Du hast recht mit deinen Beobachtungen, der Anstieg in der doch recht kurzen Zeit ist enorm. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass einfach nur die Kurven verwechselt wurden, das würde eine Anfangsviskosität von 950 mPas bei 40°C bedeuten.
    Aus dem Diagramm ist ja auch nicht ersichtlich, welches Öl verwendet wurde.
    Nach Weihnachten werde ich die genauen Hintergründe dieser Messungen in Erfahrung bringen.

    Ich danke aber zunächst einmal für die Hilfe und wünsche ein frohes Fest. :)
     

Diese Seite empfehlen