Keine Chance als Techniker auf dem Arbeitsmarkt

Dieses Thema im Forum "Berufsleben und Gehalt" wurde erstellt von Monstergun, 8 März 2017.

  1. Gude, Servus und Hallo,

    dieses Thema geht schon mehr in die Richtung Beschwerdebrief.

    Erstmal ein bisschen was zu meinem Werdegang.
    Meine Ausbildung habe ich als Industriemechaniker abgeschlossen. Anschließend habe ich den Staatlich geprüften Techniker - Maschinentechnik Fachrichtung Maschinenbau drauf gesetzt.
    Diesen habe ich seit 2015 fertig und war anschließend als Techniker im Service-Außendienst beschäftigt. Bei einer Firma, die optische 2D- und 3D- Koordinatenmessgeräte herstellt.
    Bis 31.10.2016 war ich dort angestellt und bin Europaweit zu Einsätzen gefahren.
    Zum 1.11.2016 hatte ich ein Angebot für eine 50/50-Außendienst Stelle. Doch schon vom ersten Arbeitstag wusste ich "in dieser Firma bist du falsch" und habe schon nach zwei Wochen wieder gekündigt.

    Seit dem Suche ich wieder eine Technikerstelle, die aber nicht mehr im Außendienst stattfinden soll.
    Das Problem ist, ich bekomme einfach keine.
    Entweder kommen per Mail schon die Absagen oder nach den Vorstellungsgesprächen.
    Die wenigsten Zeitarbeitsfirmen oder Arbeitsvermittlungen wollen mich in eine Technikerstelle stecken.

    Mein Wohnort ist in der Region Mittelhessen. Die Technikerschule wo ich gelernt habe ist die TSB Butzbach. Der Arbeitsmarkt ist jetzt nicht gerade übersät mit Technikerstellen. Aber wohl mit übermäßig vielen Technikern.

    Aktuell Arbeite ich wieder in meinem Lehrberuf, als Leiharbeitnehmer. In einer Firma die zum Stanley Black&Decker Konzern gehört. Möchte aber endlich wieder eine Arbeitsstelle die meinem Ausbildungsgrad gerecht wird.

    Würdet ihr mir raten:
    - lieber in diesem Konzern abzuwarten auf DIE Arbeitsstelle und/oder im Hintergrund weiter zu suchen?
    - lieber in anderen Regionen nach einer Arbeitsstelle suchen? (Die Region rund um Stuttgart soll ja ganz attraktiv sein)
    oder (was ich am wenigsten von allem machen würde)
    - lieber ein Duales-Studium drauf zu setzen?

    Es wäre noch die Möglichkeit eine ganz andere Berufliche Richtung einzuschlagen. (Umschulung) Aber damit werfe ich meiner Meinung nach den Techniker in die Tonne.

    Grüße Sven
     
  2. Je länger du in deinem Lehrberuf arbeitest, desto schlechter für dich.
    Deshalb kannst du dich nur aktiv bewerben und dazu eben ggf. auch einen Umzug ins Auge fassen.

    Wie lange hast du bisher in deinem Lehrberuf gearbeitet vor der Technikerschule?

    Denn jetzt ist es so, dass du nach der Technikerschule (keine Ahnung, wann die 2015 vorbei war) keine 2 Jahre an der einen Stelle warst und dann innerhalb kürzester Zeit gleich wieder die Stelle gewechselt hast. Was meinst du, was für eine Wirkung das auf potentielle Arbeitgeber hat? Warum konntest du dich nicht aus ungekündigter Stellung raus weiterbewerben? Wäre sicher besser gewesen.

    DIE Technikerstelle gibt es nicht. Was genau für Bereiche kommen für dich denn in Frage?
    Hast du innerhalb der jetzigen Firma eine Chance interne Stellenausschreibungen zu sehen und dich dort zu bewerben? Diese werden häufig vorher bekannt gegeben, bevor die Stelle extern ausgeschrieben wird.
    War ggf. die erste Stelle eben keine Stelle die für einen sgT gedacht war, sondern hieß das Ding "Servicetechniker"?
    Ansonsten bleibt halt noch die Initiativbewerbung.
     
  3. ca. 4 Jahre in verschiedenen Firmen

    Müsste Februar gewesen sein.

    Stimme ich dir zu. War ein Fehler. Aber für mich kein Grund wieder zur erstgenannten Firma zurück zu gehen.

    Punkt 1:
    • Qualitätsmanagement
    • Serviceinnendienst
    • Serviceaußendienst bis maximal 70% Außendiensttätigkeit
    • Technischer Vertrieb im Innen- und Außendienst (Außendienst bis max. 70%)
    Punkt 2: Habe ich. War jetzt noch keine dabei. Wird aber fleißig danach Ausschau gehalten.

    Negativ! Schon als Techniker Stelle gedacht. Da die Messgeräte sehr komplex sind. Setzt die Firma auf dieser Position auch Ingenieure ein.
     
  4. Liegt auch zum guten Teil an der Region, Hessen ist schon seit längerem auf dem absteigenden Ast was Industrie, gerade mit Touch Maschinenbau, angeht. Nord- und Mittelhessen baut jährlich die Armut aus, nur das Südhessen hält noch die ganze Region am Leben. Wenn die Zehntausende von Pendlern nicht das Geld von Südhessens Firmen mitbringen könnten, sähe es aus wie im Norden, absolut verbrannte Erde. Deshalb und wegen der Studenten sind trotz miserablen Arbeitsmarktes die Wohnpreise so hoch in Mittelhessen.
    Mittehessen hat viellleicht 4 Hände voll Industriefirmen und die was taugen, kann man an einer Hand abzählen.
    Würde mich wenn es geht, so schnell wie möglich Richtung Süden orientieren, als Maschinenbauer ist das eigentlich schon verpflichtend.

    Will gar nicht wissen, was sie dir jetzt als Mechaniker angestellt als Leihkraft zahlen.
     
  5. Meine Ehrliche Meinung:

    Wenn ich lese, "ca 4 Jahre in verschiedenen Firmen" und dann noch, dass du innerhalb kürzester Zeit die Techniker stelle gekündigt hast wird mir einiges klar.

    Schon alleine diese Punkte machen es sehr schwer für dich. Leute die nicht lange (aus welchen Gründen auch immer) die gleiche Stelle hatten oder oft gewechselt haben werden nicht gerne eingestellt und schnell ausortiert.

    Ich habe auch die Erfahrung gemacht (muss auf dich ja nicht zutreffen), dass die Leute die oft wechseln oder nicht lange bleiben nicht viel taugen.
     
  6. Sehe das ähnlich. Im Saarland gibt es auch ein Überangebot an Technikern und Meistern. Ich selbst habe auch keine reele Chance. Ich werde hin und wieder mal eingeladen aber sobalb ich sage, dass ich Schwerhörig (GdB 40%) bin, bekomm ich entweder ne Absage oder ich höre garnichts mehr. Und mich auf´s AGG zu berufen halte ich für Quatsch, da ich selbst weiß, dass ich in vielem Fällen zu wenig Erfahrung auf dem gesuchten Gebiet hab. Im Bereich ZfP und Schweißtechnik wo ich mich auskenne, wird hier alles nur über Leihfirmen gemacht...........
     
  7. @Tantalcarbid wie sieht es mit größeren firmen aus? diese sind meist gezwungen eine Quote zu erfüllen.
     
  8. Soweit würde ich nicht gehen, aber es hat dann den Anschein, dass derjenige bei den ersten Problemen eher gleich wieder die Flucht ergreift.
     
  9. Ich arbeite in einer großen Firma (>5000MA) da ist es genauso wenn ich mich intern bewerbe,
    Ferchau, Brunel, Euro Engineering etc. würden mich mit Sicherheit nehmen. Aber einen unbefristeten Job für Leiharbeit aufzugeben, nur um Techniker zu sein....
     
  10. Das Hauptproblem in dieser Denkschiene ist, dass deine Chancen auf eine Technikerstelle sinken, je länger du in deinem alten Beruf bleibst. Kennt man aus dem Autohandel. Autos lassen sich immer schlechter verkaufen, je länger sie rumstehen. Denn natürlich fragt sich jeder "Wenn den bisher keiner wollte, dann ist da bestimmt was faul, den will ich auch nicht..."

    Im Konzern auf die Traumstelle warten, ist die sichere Variante. Es ist aber auch die Variante, die am Ende dazu führen kann, dass man in seinem Lehrberuf in Rente geht und niemals eine Technikerstelle bekommen hat.
     
  11. Besser so, als feste relativ gut vergütete Stelle aufgeben und in ner Leibude anfangen, wo es auch ohne Eigenverschulden innerhalb der gesetzlichen Kündigungsfrist aus sein kann. Leibuden sind nur aus Arbeitslosigkeit heraus zu empfehlen, also immer dann, wenn man mit leeren Händen dasteht.
     
  12. Fachfremd bin ich ja nicht eingesetzt. Ich bin ZfP Prüfer als Werkstofftechniker. Beschäftige mich da zur Zeit mit dem 3MA Verfahren was sehr interessant ist. Aber das hätte ich ja auch ohne Techniker etc. machen können.
     
  13. Ja... und nein...
    Wie gesagt, es ist die sicherste Variante, aber auch die, mit der höchsten Wahrscheinlichkeit niemals aufzusteigen. Wenn einem das reicht, ist das doch in Ordnung. Man sollte sich halt nur keine Illusionen machen, der Chef hat in der Regel selten die Ambition, seine Mitarbeiter von sich aus teurer zu machen, als sie eh schon sind.
     
  14. Kleine Rückmeldung von meiner Seite.

    Nachdem ich wieder ein paar Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und anschließend Absagen bekommen habe.
    Aber auch der Stellenmarkt immer schlechter in Hessen wird.
    Siehe ich mich gezwungen auf meiner aktuellen Position zu bleiben.

    Dazu sage ich nochmals. Ich bin dort in einem, für Mittelhessen, Großbetrieb beschäftigt und man ist schon interessiert an meiner beruflichen Qualifikation.
    Zu einem Aufstieg in höhere Positionen wird es wohl noch dauern.
    Natürlich hab ich Einbußen im Gehalt zur 50h Woche im Außendienst.

    Trotzdem bewerbe ich mich im Hintergrund weiterhin auf geeignete Arbeitsstellen.

    Freundliche Grüße,

    Sven
     
  15. Industriemäßig ist Hessen schon seit der Jahrtausendwende auf schwer absteigendem Ast. Das ist mehr das Land der Dienstleistungen, also Putzen, Blumen binden, Würstchen verkaufen, sich in der Logistik abseits des Kranichs oder in Alten- und Krankenpflege verheizen lassen, das alles für max. 10 Euro brutto die Stunde. Das blüht dort seit Koch und sein Ziehsohn Puffier. Dazu großbankenhörig, weil sonst auch ebenfalls das Rhein-Main-Gebiet zusammenklappen würde und einen Wert wie der Vogelsberg hätte.
    Facharbeiter werden eh in der Zukunft gefragter sein als Ingenieure und Techniker, weil die Jugend sich halt darauf stürzt und es auf der einen Seite zu "Mangel", auf der anderen Seite zu Überschuss kommt. Einfach für sich weiter auf dem technisch aktuellen Stand bleiben und gucken, wie sich die Dinge entwickeln. Oder halt versuchen in den Süden zu gehen, aber da legst du viel zu viel Geld für Wohnen hin. Ist aktuell ne überhitzte Blasenphase wirtschaftlich wie sozial überall, man muss warten bis platzen und dann mal schauen.
     
  16. Schau überregional. Es gibt Regionen wo der Markt mit Technikern leer gefegt ist, d.h. die Firmen suchen händeringend. Das wichtigste ist allerdings BERUFSERFAHRUNG! Je vielfältiger und anspruchsvoller deine Tätigkeiten waren, umso interessanter wirst du für mögliche Firmen. Dafür kann man auch mal für einen überschaubaren Zeitraum ein niedriges Gehalt verkraften.
     

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