Industriebeleuchtung

Dieses Thema im Forum "Elektrotechnik" wurde erstellt von 19Marcel04, 22 Jan. 2013.

  1. Hallo,


    Ich, angehender Holztechniker, bin zurzeit in einer Projektarbeit bei einem Laminat Hersteller. Meine Aufgabe ist es einen ist-soll Vergleich der Beleuchtung im Betrieb zu erstellen und mögliches einsparpotenzial herausfinden.


    Erst einmal die Daten von unserem Betrieb.
    Es sind zurzeit rund 3050 T8 röhren 1500mm lang mit elektronischem VSG verbaut. Wir stellen in unseren Industriehallen Laminat Böden her.
    Wir arbeiten ca 12 Stunden am Tag, 230 Tage im Jahr. Die kw/h kostet uns 0,12ct.
    Wir wollen das ganze um planen um soviel wie möglich an Energie zu sparen. Außerdem soll ein Konzept entwickelt werden, wie das ganze vernünftig geschaltet werden kann. Also Maschinen an denen ich gearbeitet wird, sollen auch nicht beleuchtet sein. Gibt es da irgendwie etwas wie bewegungsmelder?




    Welche Leuchten würdet ihr mir empfehlen, damit wir viel Energie sparen können? D




    Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.


    Gruß,
    Marcel
     
  2. AW: Industriebeleuchtung

    Hallo!

    Beleuchtungstechnik ist ein weites Feld und nicht nur Hell/Dunkel!
    Zuersteinmal wäre zu klären welche Anforderung die Produktion an das Licht stellt! Stichwort Farbechtheit!
    Dann wäre zu klären welche Anforderungen aus Arbeitsplatzsicht gestellt werden. Für normale Sehaufgaben in der Produktion genügen 300 - 500 lx. Für höhere Sehaufgaben (Prüfplatz, Qualitätssicherung) sind dann schon 500 - 800 lx sinnvoll.
    Was die Abschaltung angeht, wäre wieder ein berufsgenossenschaftlicher Punkt zu berücksichtigen. Stichwort Unfallverhütung. Danach darf der Unterschied zwischen zwei angrenzenden Bereichen nicht größer als 100 lx sein (nur aus dem Gedächtnis heraus).
    Also erstmal die einschlägigen Unterlagen (Arbeitsstättenverordnung) besorgen.
    Danach mit einem Hallenplan und Beleuchtungsstärkemesser den Istzustand aufnehmen. Ich habe hier im Forum ein Programm eingestellt, mit dem sich über Excel die Beleuchtungsanlage Berechnen läßt.
    Was viel bringt ist die Aufhellung von Wand.-, Decken.- und Bodenflächen. Je höher der Reflektionsgrad dieser Bereiche ist, umso weniger Lichtleistung ist erforderlich um die gewünschte Beleuchtungsstärke zu erzielen. Manchmal genügt schon Staubwichen um ein paar lux zu gewinnen.
    Da ihr Leuchten mit EVG benutzt, wäre es auch möglich die Lampen zu dimmen um Energie zu sparen. So könnte man auch Leuchtstärkeänderungen der Leuchtmittel durch Alterung kompensieren.
    Ich habe in meiner Firma in der Haupthalle sechs Lichtbänder mit 13 zweiflammigen Leuchtstofflampen installiert. Das ganze habe ich so verdrahtet, das ich jede Lampe einzeln ansteuern kann. Da beim Bau der Halle noch nicht klar war wo welche Maschine steht, konnte ich so über ein Steuerungsprogramm beliebige Gruppen bilden. Für die Steuerung verwende ich PHC von Peha!
     
  3. AW: Industriebeleuchtung

    Danke schon mal für die schnelle Antwort.

    Teilweise haben wir sichtprüfplätze wo wir dann mehr lux brauchen.

    Was ist denn mit alternativen zur T8 Röhre? Zum Beispiel Led?


    Kannst du mir sagen wo ich das Programm finde?
     
  4. AW: Industriebeleuchtung

    Danke für das Programm.

    Kosten sind immoment erstmal zweitrangig, suche erstmal nach Alternativen zur T8 Röhre, mit der ich Energie sparen kann.
     
  5. AW: Industriebeleuchtung

    Was will man denn da noch sparen ?
     
  6. AW: Industriebeleuchtung

    Danke für die konstruktive Antwort
     
  7. AW: Industriebeleuchtung

    Servus Marcel,


    ich arbeite auf dem Gebiet, mit dem sie sich gerade beschäftigen. Konkret plane ich hocheffiziente Beleuchtungsanlagen für die Industrie.


    motmonti hat sicher Recht, wenn er gleich am Anfang seiner Antwort sagt, dass Licht mehr ist, als nur Hell und Dunkel. Wenn man erst mal angefangen hat, darüber nachzudenken, dann wird schnell klar, dass es nicht damit getan ist eine Lampe durch eine andere, die vermeintlich effizienter ist, zu ersetzen. Auch pleindespoir fragt nicht ganz unberechtigt, was man da noch sparen will, auch wenn er seine Antwort etwas informativer hätte formulieren können.


    Nun zu ihrer Aufgabe.


    Ich denke sie sollten ihren ersten Ansatz verfolgen und den IST-Zustand genau ermitteln. Erst wenn sie genau wissen, mit was sie es eigentlich zu tun haben, können sie gezielt nach Alternativen suchen.


    Warum? T8 am EVG sind bereits effizient. Sie werden keine wesentlich effizienteren Lampen für ihre vorhandenen Leuchten finden. In diesem Zusammenhang müssen sie auch RETROFIT-Lösungen wie LED-Tubes vergessen. Damit reduziert sich nicht nur der Energiebedarf, sondern auch die Lichtmenge. LED Tubes versprechen viel und halten wenig.


    Entscheidend ist Antwort auf die Frage, ob eure Beleuchtungsanlage an sich effizient ist ?!? Um dies sachlich und korrekt zu beantworten bedarf es eben der detaillierten Bestandsaufnahme.



    • Wie viele Brennstellen (Röhren) besitzt eine einzelne Leuchte?
      • Eine oder zwei?



    • Handelt es sich um offene oder geschlossenen Leuchten?
      • Geschlossene Leuchten besitzen eine meist eine klare Abdeckung aus Glas oder Kunststoff. welche je nach Schutzart der Leuchte (IP40/54/65) das Eindringen von Verschmutzungen mehr oder weniger gut verhindert.



    • Sind die Leuchten mit Reflektoren ausgerüstet?
      • Wenn ja, was sind das für Reflektoren?
        • Weiße oder glänzende?



    • Wie sieht das Umfeld aus?
      • Dunkel oder hell?
      • Reinraum oder staubig?



    • Wie erfolgt die Wartung der Leuchten?
      • Nach Bedarf oder in regelmäßigen Zeitabständen?



    • Wann wurden die Leuchten zuletzt gereinigt?
      • Werden ggf. vorhandene Reflektoren ihrer Aufgabe gerecht?
      • Liegt Staub auf den Röhren?



    • In welcher Höhe hängen die Leuchten / Lichtbänder?



    • Wie groß ist der Abstand zwischen den einzelnen Lichtbändern?



    • Wie alt ist die Beleuchtungsanlage?



    • Welche EVG sind in den Leuchten verbaut?
      • Warmstart-EVG?
      • Leistungsfaktor?
      • Verlustleistung?



    • Welche Beleuchtungsstärke wird mit der aktuellen Beleuchtungsanlage realisiert?



    Die Liste der Punkte, die zu klären sind, ist damit noch nicht fertig.


    Abschließend möchte ich nochmals zum Ausdruck bringen, dass Leuchtstoffröhren, egal ob nun T8 oder T5, effiziente Leuchtmittel sind und es für industrielle Anwendungen derzeit keine vernünftige Alternative gibt. Entscheidend ist, was man daraus macht.
    Erst wenn die Bestandsaufnahme abgeschlossen und ausgewertet wurde, kann effektiv darüber nachgedacht werden, ob und wie weitere Einsparungen erzielt werden können.


    Ich hoffe, dass meine Hinweise hilfreich sind. Gleichfalls ist mir bewusst, dass ich damit auch weitere Fragen auslösen werde. Ich werde sie damit aber nicht allein lassen und biete ihnen deshalb an, den Dialog fortzusetzen.


    Viele Grüße
    Thomas

     
  8. AW: Industriebeleuchtung

    Wir sind hier schon auf einem seriös hohen Niveau unterwegs.
    Ein bissl wollte ich auch noch beitragen:

    Die LED ist ist heute das Maß der Dinge für MOBILE Beleuchtung (Taschenlampe, Tauchlampe, kommend im KFZ-Bereich)
    und auch im Bühnenbereich punkten sie mit Betriebssicherheit, vielen Einschaltzyklen und einstellbarer Lichtfarbe,
    aber als Hallenbeleuchtung ist das nur für Reiche geeignet, die nicht rechnen können.

    Moderne Gasentladungslampen bringen mindestens gleich gute, wenn nicht sogar bessere Wirkungsgrade wie die LED,
    d.h. definitiv und nachweislich mehr Licht für das gleiche Stromgeld bzw. gleich viel Licht um weniger Geld.
    Die beste Lichtausbeute bei bester Farbwiedergabe erhält man derzeit mit Metall-Halogen-Hochdrucklampen (HQI, HCI, MHI, ...)
    und wenn jedoch die Farbwiedergabe egal ist, mit Natriumdampf-Hochdrucklampen.
    (Mit letzteren laufen jedoch lauter Gelbsüchtige rum.)
    Die Hochdrucklampen punkten jedoch nicht nur mit toller Ausbeute, sondern auch mit hoher Leuchtdichte:
    Das gestattet das Design von Reflektoren, die das erzeugte Licht auch wirklich exakt dorthin leiten, wo man´s braucht,
    denn die Lumen, die nicht dort landen, wo man sie haben will, sind eindeutig Verlust.
     
  9. AW: Industriebeleuchtung

    Servus Schwarzer Peter,


    ihr Beitrag ist in den meisten Punkten nachvollziehbar und ich bin gerne dazu bereit, darüber in diesem Rahmen zu diskutieren. Doch die Diskussion über die Effizienz der einzelnen Leuchtmittel (Lampen) oder ähnliche Themen, sind zu diesem Zeitpunkt verfrüht. Verfrüht im Sinne von Marcel, der eine Aufgabe zu bewältigen hat, die eigentlich sehr viel Erfahrung voraussetzt. Er sucht Hilfe und wir sollten jetzt nicht Details in die Runde werfen, die, wenn sie nicht auch die Kehrseite „beleuchten“, verwirrend sein können.

    Ihre Aussagen zu LEDs kann ich im Wesentlichen bestätigen.

    Das Gasentladungslampen hohe Lichtströme liefern, ist korrekt, wobei dann aber u. an. auch auf die vergleichsweise starke Degradation, also den Lichtstromrückgang im Zuge der betriebsbedingten Alterung hingewiesen werden muss. Wenn wir Spezialleuchten mal außen vor lassen, dann sprechen wir über 30% Lichtstromrückgang im Zeitraum von 6000 Betriebsstunden. Wenn dann nicht regelmäßig und in vergleichsweise kurzen Abständen der Gruppentasuch der Leuchtmittel durchgeführt wird , dann sprechen wir nicht mehr über Effizienz.

    Die hohe Leuchtdichte der „HQI-Familie“ erlaubt heute kleinere und andere Bauformen, so dass auch bei Rundreflektorleuchten zwischenzeitlich Leuchten-Betriebswirkungsgrade von 75% realistisch sind.

    Solche Themen sollten aber erst dann angesprochen werden, wenn Marcel „seine“ Bestandsanlage und die Bedürfnisse im eingenen Haus kennt und auch detailliert beschreiben kann.

    Ich hoffe, dass sich Marcel bald zu Wort meldet.


    Viele Grüße
    Thomas
     
  10. AW: Industriebeleuchtung

    Hallo Thomas!
    Deinen Beitrag habe ja u.a. mit seriös hohem Niveau gemeint,
    einzig was die Degragation betrifft, bin ich nicht ganz deiner Meinung:
    Moderne Leuchtstofflampen z.B. Osram Lumilux T5 mit EVG erreichen eine Nutzleuchtdauer von 18.000 Stunden,
    bis deren Lichtstrom auf 80% des ursprünglichen Wertes abgefallen ist.
    (Damit brennt die 2 Jahre lang rund um die Uhr oder z.B. 6 Jahre lang 8 Stunden täglich.)
    Das ist insbesonders dann verschmerzbar, wenn man´s mit einrechnet und bedenkt,
    dass man auch bei der LED mit einem Abfall des Lichtstromes rechnen muss:
    Die Lebensdauer geben die Hersteller gern bis zum Abfall auf nur 50% an,
    wobei die Betriebsbedingungen nicht nur weiteren großen Einfluss haben,
    sondern auch oft sträflich strapaziert werden (z.B. durch Betrieb mit zu hoher Temperatur).

    Die vorhersehbare Folge ist deshalb,
    dass LED-Leuchten prakrisch NIE die tollen (Maximal-)Werte aus den Halbleiter-Hersteller-Datenblättern liefern,
    wo weder die Verluste am Vorschaltgerät, noch die durch hohe Betriebstemperaturen oder durch Degragation berücksichtigt werden.
    Besonders die Vorschaltgeräte und auch die Kühlkörper oft derartig billig aufgebaut bzw. dimensioniert,
    dass die 5-stelligen Datenblatt-Lebensstunden kaum erreicht werden.
    Man muss also sehr sehr aufpassen, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht
    und gerade was die LED betrifft, die zweifellos ihre Vorteile und ihre Zukunft haben,
    sind viele Leute bereit, die Grundrechnungsarten zu vergessen
    und den größten Schrott zu kaufen.

    Ich weiss, ich hab mich jetzt wieder in Details verloren,
    aber meinem Beitrag (diesem und dem vorigen) wollte ich die LED für Hallenbeleuchtungen aus dem Rennen nehmen:
    Das wird (vielleicht) kommen, ist aber mit derzeitiger Technologie einfach nicht wirtschaftlich darstellbar.
     
  11. AW: Industriebeleuchtung

    Servus Schwarzer Peter,

    ich merke, dass wir auf einer gemeinsamen Ebene denken und unsere Erfahrungen gemacht haben.

    Möglicherweise hatte ich mich falsch ausgedrückt. Mit Speziallampen meinte ich nicht die HQIs im Allgemeinen, sondern spezielle Typen aus der Familie der HQIs, also solche, die vom Standard der Familie abweichen und ggf, eine geringere Degradation zeigen, oder anders ausgedrückt ihren Lichtstrom nicht so schnell „verlieren“ ... die soll es ja geben !?!

    Die Leistungsmerkmale der T5 sind mir sehr wohl bekannt und ich kann diese auch praxisbezogen bestätigen. Ich selbst plane sehr viel mit Hochleistungs-Leuchten auf T5-Basis und aus diesem Grund habe ich auch am Ende meiner ersten Antwort an Marcel angemerkt, dass es im Zusammenhang mit Industriebeleuchtung derzeit keine VERNÜNFTIGE Alternative zu Leuchtstofflampen gibt.
    Sicher gibt es Anwendungen, bei denen HQI oder LED konkrete Vorteile bieten. Ich denke dabei an sehr hohe oder eben auch an sehr tiefe Umgebungstemperaturen. Ausnahmen bestätigen nun mal die Regel.

    Eventuell sollten wir uns mal per E-Mail austauschen, dass könnte interessant werden.

    Viele Grüße aus Franken
    Thomas

     

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