Hype um Reluktanzmotor?

Aber wenn da doch Tesla draufsteht muss es doch die allerweltbeste Innovation sein, die es je gab.

Warum sonst würde denn sonst die Regierung den Aufbau einer kompletten "Gigafactory" mit Millionensubventionen vollfinanzieren und noch dazu jahrzehntelange Steuerfreiheit zusichern.
Zusätzlich darf sogar hektarweise Wald "nachhaltig" gerodet werden, um das Gelände zuzubetonieren und so die Umwelt zu schützen.

Das würden die doch niemals so entscheiden, wenn das nicht wirklich gut wäre, oder ?
 
Ich würde das eher als günstiger bezeichnen. Und vor allem recht unabhängig vom "seltene Erden" Markt. Kupfer und Elektroblech kann ich an jeder Ecke kaufen. Bei den seltenen Erden liegt fast ein Monopol vor.
Ich erinnere mich noch gut an ein Projekt bei Bosch (das fast gestorben wäre). Damals sind die Preise durch die Decke geschossen. Der Materialwert der Magnete hat damals weit über dem geplanten Verkaufspreis eines kompletten Motors gelegen... Mit Kupfer und Elektroblech ist man da doch wesentlich besser bedient?
Wenn man mit den Nachteilen (laut Wikipedia gar nicht so viele) leben kann, warum denn nicht?
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Sicher,
aber das Bessere ist eben der Feind des Guten:
Die permanenterregte Synchronmaschine ist der Reluktanzmaschine in ALLEN Punkten überlegen.
Außer im Preis.
Zum Hypen seh ich da keinen Grund.
 
Es bleibt nur die Frage, ob man mit den Nachteilen leben kann? Wenn man mit den Nachteilen leben kann, warum sollte man dann eine permanenterregte Synchronmaschine verwenden? Perlen vor die Säue werfen?
Es kommt doch auch auf den Verwendungszweck an. Wenn mich das Mehrgewicht nicht stört, wenn ich mit einem kleineren Wirkungsgrad leben kann, warum dann nicht?
das Bessere ist eben der Feind des Guten:
bezweifle ich! Warum ist etwas besser? Schau dir doch mal die Diesel-Diskussion an. Da wir dein effizienterer Motor tot geredet. Ist ein besserer Wirkungsgrad schlechter?
Es kommt einfach darauf an. Wenn ich die Nachteile in Kauf nehmen kann, dann ist doch der Reluktanzmotor besser?
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Ja, wenn mich das Mehrgewicht nicht stört und wenn ich mit einem kleineren Wirkungsgrad leben kann,
dann wird man natürlich die billigere Low-Tec-Maschine verwenden,
aber einen "Hype" ist das imho nicht wert.
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Oh ... ich lag falsch:
Ein "Hype" ist eben nicht nur - wie ich das aufgefasst habe -
eine besonders spektakuläre, mitreißende Werbung (die eine euphorische Begeisterung für ein Produkt bewirkt),
sondern auch eine
aus Gründen der Publicity inszenierte Täuschung.
Letzteres ist hier offensichtlich der Fall - wieder was gelernt.
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
... und so ein hübsches Design wie der Tesla hatte der auch nicht.
DAS ist es, was die Ahnungslosen beeindruckt
und natürlich die ergreifende Tatsache, dass da hinten keine Abgase rauskommen.
Die nicht zuletzt umweltrelevanten Nachteile, die bei der Produktion entstehen
und die schlichte Tatsache, dass wir nicht über die Möglichkeit verfügen,
einen auf E-Mobilität umgestellten Staaten-Fuhrpark zu laden,
wird dabei kurzsichtig vergessen.
(Um Fred Sinowatz zu zitieren: "Es ist ja alles so kompliziert!")
 
Also, kurz gesagt, bei einem E-Motor mit großem Drehzahlbereich - von 0 auf 220 ohne Schaltgetriebe, Kupplung oder Drehmomentwandler - ist es offenbar nicht trivial, den Wirkungsgrad auf gleich (hohem) Niveau zu halten.
Die genannte Lösung hat Tesla auch nicht erfunden, ich fand es aber gut, dass sie solche Aspekte öffentlich machen, und das mit schönen Animationen illustrieren.
Ob das auch fachlich valide ist, vermag ich wiederum nicht zu bewerten - da bitte mal die Motor-Spezis nach vorn!
 
Zuletzt bearbeitet:
den Wirkungsgrad auf gleich (hohem) Niveau zu halten
Davon wird in dem Film nichts erwähnt - lediglich von einer Wirkungsgradsteigerung von 92% auf 94%, was weder belegt wird, noch einen weltrettenden Vorteil darstellt.

Interessant wäre die Motoren anhand von Datenblättern und Diagrammen zu vergleichen.
Also Drehzahl/Derhmoment bei unterschiedlichen Betriebssituationen und da immer mechanisch abgegebene zu elektrisch aufgenommerner Leistung in Beziehung setzen.

Der "hype-Motor" ist jedenfalls offensichtlich von Material und Fertigungsaufwand her deutlich intensiver. Das sollte man auch berücksichtigen, bevor man sich über 2% freut, die der Hersteller völlig neutral und unabhängig von hauseigenen Werbetextern hat ermitteln lassen.
 
@pleindespoir bist Du eigentlich nur gegen den Motor, weil den der
verwendet? Erfunden hat der den nicht.
Der "hype-Motor" ist jedenfalls offensichtlich von Material und Fertigungsaufwand her deutlich intensiver.
Wo ist da denn mehr Material oder mehr Fertigungsaufwand? Der Stator muss gewickelt werden. Der Rotor muss gestanzt (und verknüpft) werden.
Bei allen anderen Motoren ist das nicht anders (eher mehr Aufwand). Magnete (für teuer Geld) befestigen, Stator und Rotor wickeln (viel teures Kupfer), Kommutator herstellen und den noch in die Wicklung mit einbringen, Kohlen (beim Kommutatormotor) erneuern...

Der "Reluktanzmotor" ist recht einfach aufgebaut. Dadurch auch für wenig Geld zu haben. Die Fa. ABB hat diese auch schon länger im Programm. Sooo schlecht kann der ja wohl nicht sein (je nach Anwendung!)?
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Vom Kollektormotor ist in diesem Thread und in diesem Zusammenhang gar keine Rede
und der wäre auch der einzige mit einer echten Rotor-Wicklung.
Eine Stator-Wicklung ist bei ALLEN hier diskutierten Motoren erforderlich;
das macht also keinen Unterschied.

Es geht hier auch gar nicht um einen Reluktanzmotor,
sondern um eine Mischkulanz aus diesem und einer permanenterregten Synchronmaschine.
Das soll einen breiteren Drehzahlbereich ermöglichen und ist vielleicht relativ neu:
Diese Maschine wird meines Wissens im großen Stil erst seit ca. 30 Jahren eingesetzt,
während die Asynchronmaschine 130 Jahre alt ist und die Kollektormaschine fast 200.
Die Fertigung dieser "PSE mit vergrabenen Magneten" (so wird das fachlich richtig bezeichnet)
ist verglichen mit anderen Drehstrommotoren durchaus aufwändig und auch teuer (Neodym!).
Beim Wirkungsgrad wurde dieser Motor mit einem Asynchronmotor verglichen,
wobei letzterer natürlich einen etwas schlechteren hat, weil der Strom im Rotor auch Verluste macht.
In einem E-PKW verwendet den billigen Asynchronmotor imho. kein einziger Hersteller;
den nimmt man in der Elektromobilität nur dort,
wo die permanenterregte Synchronmaschine zu teuer wäre (z.B. E-Lok).

Insofern ist das hübsch gemachte Video bzw. der "Hype" halt im besten Fall ...
... eine besonders spektakuläre, mitreißende Werbung (die eine euphorische Begeisterung für ein Produkt bewirkt), ...
... in der dem technisch ahnungslosen Elektromobilitätsgläubigen der Schnee von gestern als neu verkauft wird.
 
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