Gehalt nach 1 Jahr Techniker als Teamleiter (IG Metall Bayern)

Hallo,
ich arbeite in einem Industriekonzern mit 3000 MA am Standort, weltweit 50k.
Ich habe demnächst meine Leistungsbeurteilung und möchte mir gerne Input holen...

In meiner Firma bin ich Teamleiter und arbeite nun seit einem Jahr in meinem Job als Teamleiter. Ich habe 4 Personen unter mir und bin ihr fachlicher Vorgesetzter. Das Stressniveau ist, wie es in dieser Position eben so ist, sehr hoch und ich erfülle meine Anforderungen in der Jobbeschreibung zu 95%. Es sind in der Woche mind. 5 bis 10 Überstunden notwendig um das Pensum erfüllen zu können.

Meine Stelle ist also nach EG9 IG Metall Bayern ausgeschrieben.

Eingestiegen bin ich im April 2020 mit EG6, da ich in der alten Stelle gerade in diese gekommen bin. Bin dann im Oktober 2020 auf meine Forderung in die EG7 gekommen, da ich die Stelle gut ausfülle. Wann kann ich verlangen in die Ziellohngruppe EG9 zu kommen?

Man hört ja immer wieder, dass Unternehmen einen hinhalten und sozusagen die Wurst am Stock hinhalten. Das will ich allerdings vermeiden, notfalls auch wechseln.
Habe nun mehrere zusätzliche Funktionen seit der letzten Leistungsbeurteilung übernommen und will nun (nach einem dreiviertel Jahr EG7) nun in die EG8 kommen.

Wie ist es in anderen Unternehmen? Mit EG8 bin ich immer noch 1 Lohnstufe unter der Zielentgeldgruppe welche für diese Stelle ausgeschrieben wurde.
Ich werde auch noch den Entgeltausschuss vom Betriebsrat kontaktieren, anonymen Rat holen und fragen was machbar ist.

Ist natürlich aus der Ferne immer schwer zu beurteilen, das ist mir klar, doch vll. kann ich mir den ein oder anderen Tipp für mein Gespräch holen, sind ja genug Leute hier mit langjähriger Berufserfahrung.

Danke im Voraus!
 
Erkläre, dass Du eine zweijährige Freistellung für die Säuglingsbetreuung brauchst, weil ihr Nachwuchs bekommt.
Je nach Schweißdrüsenaktivität des Chefs kannst Du dann das weitere Vorgehen führen.
Daran siehst Du, wie sehr der Laden von Dir abhängig ist.
Anschließend kannst Du dann vorbringen, dass eigentlich Deine Frau ja lieber pausieren würde, aber da sie ja mehr verdient, als Du, wäre es schon besser, wenn sie weiterarbeiten geht.

Wenn Du allerdings eine Gruppe höher gestuft würdest, dann ...
... ja dann würdest Du doch nochmal mit Deiner Frau darüber sprechen.
 
Mein Vater war lange auf Positionen, wo er über Gehaltserhöhungen entscheiden konnte. Er meinte immer, wenn ein Mitarbeiter nicht irgendwann von selbst ein besseres Gehalt fordern würde, fände er es komisch. Das wird bei dir genau so sein, sofern du in einem vernünftigen Konzern bist. Wenn du mehr Geld verlangst, was ist das schlimmste das passieren kann? Du wirst ja nicht gefeuert. Einfach ansprechen, begründen und dann sehen was kommt. Wird sich quer gestellt fragst du nach einer Begründung, danach kannst du weiter entscheiden. Meinen bisherigen Erfahrungen nach, bewährt sich Offenheit.

Gruß
 
Er meinte immer, wenn ein Mitarbeiter nicht irgendwann von selbst ein besseres Gehalt fordern würde, fände er es komisch.
Wie genau soll man das verstehen? Was ist daran denn komisch? Es soll Menschen geben, die ihren Job einfach gerne machen und mit allem zufrieden sind. Da gibt es evtl. noch andere Boni, die nicht mit Geld zu bezahlen sind?
Ich kenne einen Elektro-Meister, der so richtig "wenig" verdient (für das Geld, würde ich morgens nicht aufstehen...). Der hat aber mit seinem Chef eine Absprache, die es ihm erlaubt, sechs bis acht Wochen im Sommer freizumachen. Da geht er segeln oder campen oder sonst wo hin.
Mir ist meine Freizeit auch mehr wert als Geld!
 
Ok sagen wir mal so, "...nach mehr Leistungen wie Geld, mehr Urlaub oder sonstiges verlangt, fände er komisch"

...man sollte das Wort komisch jetzt auch nicht in die Goldwaage legen. Es geht lediglich darum, dass sich Mitarbeiter ja (die guten zumindest) auch mit der Zeit weiterentwickeln, besser werden und Einsatz zeigen. Sowas wird dann dementsprechend gewürdigt, für die Würdigung muss man aber selbst aktiv werden - niemand hat was zu verschenken.

Gruß
 
Was mich in meinem Konzern massiv stört ist, dass man sich beim Antreten intern bei einer Stelle "für die Stelle qualifizieren muss". Das heißt wenn man hier eine EG9 Technikerposition antritt und als Facharbeiter EG6 hatte, kommt man erstmal mit EG 7 in der neuen Stelle und nach 3 Jahren (einen Zeitplan gibt es nicht) irgendwann in die Zielentgeltgruppe...

Außer man kommt von extern, dann steigt man sofort in der Zielentgeltgruppe ein, obwohl man dem erstmal zeigen muss wo das Klo ist.

Obwohl ich jetzt schon die Stelle komplett ausfülle. Hab auch schon mit dem Betriebsrat gesprochen und der war ehrlich gesagt auch etwas verärgert wie das bei uns hier läuft. Da kommt man sich auf jeden Fall unterbezahlt vor und man überlegt da schon die Firma zu wechseln, obwohl ich schon 11 Jahre hier bin.
 
Das kenne ich so allerdings auch nicht, ist ja quasi prädestiniert für Unmut in der Belegschaft. Da wird scheinbar seitens der Firma das Risiko eingegangen jemanden zu verlieren weil man noch ein paar Jahre Geld sparen möchte. Ich kenne mich mit den EG's nicht so aus, allerdings ist es meiner Meinung nach sogar unabhängig vom Geld - man möchte einfach seiner Position entsprechend bezahlt werden, dafür hat man ja den Techniker etc. gemacht. Frag einfach mal nach warum du auf eine EG9 ausgeschriebene Stelle nur mit EG7 (aktuell) bezahlt wirst. Ich kann mal ein Beispiel eines großen deutschen Autoherstellers dazu geben. Die haben einen Schweißspezialisten gesucht für die Produktion von Karosserieteilen. Schweißexperten im Bereich Alu gibt es jetzt scheinbar nicht wie Sand am Meer, jedenfalls hat der Herr etwa 30% mehr gefordert, als der Arbeitgeber üblicherweise in so einer Position zahlt. Der Job blieb unbesetzt und man hat für insgesamt mehr Geld Uni know-how eingekauft, da man nicht wollte das es zu schlechter Stimmung in der Belegschaft kommt.
 
Fragen nach Lohnerhöhung kostet nichts. Das schlimmste was die passieren könnte, wäre eine Nullrunde.

Du könntest es akzeptieren (dein Vorgesetzter würde es wünschen) oder du kannst an diversen Stellschrauben drehen.
  • Zum einen sind dort die 5-10 Überstunden. Da würde sicher vieles liegen bleiben, wenn du mal "Dienst nach Arbeitsvertrag" machen würdest.
  • Ein weiterer Schritt, wäre eine Nachfrage nach einem Zwischenzeugnis. Meistens bekommen die Vorgesetzte dann spitze Ohren mit einem Wieso? Weshalb? Warum? Die Sorge, einen zuverlässigen Mitarbeiter zu verlieren wird dann schon größer...
  • Die letzte Patrone wäre mit Kündigung im Büro des Vorgesetzten zu stehen. Entweder "Sekt" oder "Selters". Bei Sekt kann einiges gehen und man glaubt kaum wieviel man da noch rausholen kann. "Selters" wäre dann natürlich der Supergau, dein Ende in der Firma...
Bei Punkt zwei war ich schon einmal. Danach hatte ich ein entsprechendes Lohnplus, sowie eine Wunschfortbildung in der Tasche.

Das ganze funktioniert natürlich nur, wenn du eine entsprechende Schlüsselposition und ein gewisses Standing in dem Unternehmen hast.
 
Maßgeblich ist immer, was in deinem Arbeitsvertrag steht.
Steht da: der MA erhält ein Entgeld in der EG9, dann bist du unterbezahlt und hast nach Vertrag Anspruch auf EG9 ab Stellenantritt.
Steht da: der MA erhält zum Anfang die EG X, soll sich aber nach spätestens 36 Monaten auf der EG9 als Ziel-EG befinden, ist der Weg bis dahin Verhandlungssache und es wäre schon irgendwo arschig, wenn du bis dahin nichtmal in die EG8 kommst aber rechtlich nicht zu beanstanden.
Daher immer Augen auf beim Arbeitsvertrag.
In Situation 2 hat dich der AG genau da, wo er dich haben will, nämlich am kürzeren Hebel und das noch schriftlich...
 
Jo das ist leider die Taktik bei uns im Unternehmen. Auch der Betriebsrat meinte, sie können da nicht viel machen, denn wenn ich vor Stellenantritt drauf bestehe, dass ich die Zielentgeltgruppe gleich bekomme, bekommt die Stelle eben "aus Gründen" jemand anders... Somit kommt man intern eben erst nach einiger Zeit in die Zielentgeltgruppe. Wahrscheinlich müsste ich wechseln um einen Gehaltssprung zu machen.
 
B

Benutzer74741

Gast
4 Leute unter dir (fachlich, nicht mal disziplinarisch) und das Stresslevel ist schon hoch, der Job ohne 10 Überstunden pro Woche nicht zu schaffen?
Wenn du das einem meiner Vorgesetzen sagen würdest, hättest du deine Kündigung im Briefkasten.

Kollege... 4 Leute fachlich?
Unsere Bauleiter haben 10-20 Leute fachlich unter sich... und die kriegen keine EG9 Bayern.
 
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