Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

Seit 2 Jahren und 9 Monaten arbeite ich als Anwendungstechniker in einem Chemieunternehmen. Eingruppiert bin ich in E10 und seit August 2006 bin ich da in der Stufe: "Nach zwei Jahren". Jetzt hat unser Geschäftsbereichsleiter für alle Mitarbeiter der Abteilung eine Stellenbeschreibung verfasst oder verfassen lassen. Die beschriebenen Tätigkeiten gehen aber weit über das Maß der im Entgeltgruppenkatalog beschriebenen Richtbeispiele für E10 hinaus. Sie entsprechen mindestens E12, eher noch E13 und eigentlich führe ich genau diese Tätigketen durch. Bisher hatte ich mir nicht so viele Gedanken darüber gemacht, jetzt liegt es aber schwarz auf weiß vor mir.
Ich glaube auch, dass der Geschäftsbereichsleiter und auch mein Gruppenleiter gar nicht wissen, wie viel (oder wie wenig) jeden Monat auf mein Konto überwiesen wird. Sonst hätten die mir doch nicht so ein Papier in die Hand gedrückt. Eine andere Sache ist da auch komisch. Im Januar 2006 war ein Zeiterfassungssystem installiert worden. Danach konnte der Chef natürlich alle MA kontrollieren. Vor etwas mehr als einem Jahr war ich deshalb zum Geschäftsführer bestellt worden. Er teilte mir mit, dass er es erwartet, dass E10 Mitarbeiter 5 Stunden monatlich unentgeltlich für die Firma leisten. Das summiert sich dann auf 60 Jahresstunden. Vorher, ohne Erfassungssystem, war es selbstverständlich, dass die Arbeit erledigt wurde und es dann erst nach Hause ging. Jetzt sollte es einen "Zwang" geben. Heute wurde mir aber mitgeteilt, ich hätte zu viele Überstunden angesammelt und müsste abbauen.
Das kommt mir sehr seltsam vor. Ich denke, der GF hat die Stellenbeschreibung, die der Geschäftsbereichsleiter geschrieben hat, in die Hände bekommen und will jetzt nicht, dass ich mehr Geld fordere. Ich kann mich aber auch gewaltig täuschen.
Normalerweise, wenn ich streng nach Katalog gehe, könnte ich jetzt beim GF vorstellig werden und 50 % mehr Gehalt (E13) verlangen. Davor füchte ich mich aber ein bisschen.
Was sagt ihr dazu? Mich interessieren eure Meinungen.
 
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

Warum Angst ?
Du kannst Dich darauf verlassen, daß wenn der Chef der Meinung wäre, daß Du zu hoch eingruppiert bist, dann würde er Dich sofort ansprechen.

Der korrekte Weg wäre aber erst ein Gespräch mit dem direkten Vorgesetzten.


Gruß

Immie
 
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

Mit meinem direkten Vorgesetzten habe ich heute gesprochen. Er hat mir dann mitgeteilt, dass er sich bereits mit dem Geschäftsbereichsleiter darüber unterhalten hat. Sein Vorschlag war, mich als außertariflich Angestellten einzustufen. Der Geschäftsbereichsleiter wäre einverstanden und hätte versprochen, mit dem GF zu sprechen.
Ich habe mir gerade den Tarifvertrag angeschaut. ATler wird man erst, wenn Anforderungen und Bezahlung über E13 liegen. Das würde eine Gehaltssteigerung von mehr als 50% bedeuten. Damit wäre ich einverstanden.;) Ob das aber dazu kommt?...mal sehen... Für einen Techniker wäre mein Gehalt dann doch nicht sooo schlecht.
 
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

Ich habe mir gerade den Tarifvertrag angeschaut. ATler wird man erst, wenn Anforderungen und Bezahlung über E13 liegen. Das würde eine Gehaltssteigerung von mehr als 50% bedeuten. Damit wäre ich einverstanden.;) Ob das aber dazu kommt?...mal sehen... Für einen Techniker wäre mein Gehalt dann doch nicht sooo schlecht.
Ich bin auch AT´ler und mein Gehalt kann sich sehen lassen mit Sicherheit auch Deines; sei Dir aber darüber im Klaren, daß durch Deinen AT-Status Deine Überstunden komplett damit abgegolten sind. Im Gegentum, man erwartet in der Regel auch von Dir ein gewisses Überstundenpensum. Außerdem ist oftmals die Frage des Urlaubsgeldes und Weihnachtsgeldes auch damit erledigt. Das bedeutet, wenn mann nicht aufpaßt, kann sich der AT-Status im Vergleich zum vorherigen Status (egal ob Arbeiter oder Angestellter) oft wieder relativieren. In meinem Fall hat es sich auf jeden Fall gelohnt...;)
 
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

Das ist mir absolut klar. Bisher wurden meine Überstunden auch nicht abgegolten, sie wurden am Jahresende einfach gestrichen. Von daher ändert sich nichts. Ich bin jetzt auch nicht unbedingt scharf auf den Titel "außertariflich Beschäftigter", nur finde ich, dass die Bezahlung auch den Aufgaben, die ich erfülle, entsprechen sollte. Ich hatte ja auch eher mit einer Steigerung auf E12 oder E13 geliebäugelt. Wenn mir der Chef jetzt aber eine AT-Regelung anbietet, sähe es blöd aus, wenn ich sagen würde: Ach nöööö, E 13 reicht auch. Mit E13 würde mein Einkommen (Tarif Ost, Sachsen) jedenfalls von 34.000 auf ca. 52.000 € steigen. Das wäre ordentlich und ich wäre vorerst zufrieden. Zwar konnte ich im Gehaltsumfragethread lesen, das manche Facharbeiter fast die 50.000er Grenze erreichen, aber mein monatliches Nettoeinkommen würde um etwa 700 € (Steuerklasse III, 2 Kinder) steigen. Das ist hilfreich und meiner Meinung nach angemessen für meine Tätigkeit. AT-Bezahlung sollte die tariflichen Bedingungen laut Tarifvertrag überschreiten.
 
H

haidi

Gast
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

Ich habe mir gerade den Tarifvertrag angeschaut. ATler wird man erst, wenn Anforderungen und Bezahlung über E13 liegen.
Kannst Du mir die entsprechende Stelle im Tarifvertrag mal zitieren (Seite, Absatz) ? Das höre ich zum ersten Mal: ich kenne genügend Leute, die bei uns als ATler arbeiten aber weniger bekommen als E13.

Wie hier schon angedeutet wurde, sollte man einen AT-Vertrag nur annehmen wenn die Bezüge deutlich über E13 liegen: man bekommt idR keine Vermögenswirksamen Leistungen mehr und die Lohnsteigerungen lagen bei den ATlern in den letzten Jahren ungefähr bei der Hälfte der Tariferhöhungen, d.h. 2000-3000 Euro Gehaltsvorsprung p.a des ATlers sind da in 4-5 Jahren aufgebraucht !
Und dazu kommt dann evtl. noch die Geschichte mt den Überstunden inclusive (ist bei uns allerdings nicht automatisch bei AT-vertrag)

Was der Entgeltgruppenkatalog der IGBCE angeht bin ich der Meinung, dass der sehr schwammig formuliert ist. Als ich noch als Laborant arbeitete und E8 hatte war ich der Meinung aufgrund meiner Stelle in E9 zu gehören, mein Vorgesetzter fand meinen Tätigkeitsbereich in E7 wieder und der Betriebsrat meinte sogar, dass da E10 möglich sein sollte......also immer Interpretationssache: was sind z.B "umfangreiche Berufserfahrung" ,"Spezialwissen" oder "besondere Fachkenntnisse" ??


Ich würde jetzt erst mal probieren nach E12 oder E13 zu springen, das ist für einen Techniker mit zwei Jahren Berufserfahrung doch ein top Gehalt (E13 sind in Baden-W. immerhin 65000 Eur p.a.)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

moinmoin,
Bisher wurden meine Überstunden auch nicht abgegolten, sie wurden am Jahresende einfach gestrichen.
rechne den AT Vertrag und die E13 Einstufung genau aufeinander auf. Eine Firma, die so etwas macht, ist nicht unbedingt daran interessiert, für ihre Mitarbeiter "viel" Geld auszugeben.

Und bevor du dem Scheff auf den Tisch k....., mach dir Gedanken darüber, wie "wertvoll" du für die Firma bist und was dich besonders macht.

Gruß, Flachkoepper
 
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

At macht eigentlich nur in 2 bereichen Sinn:

1. Du bist in der höchsten Tarifstufe und sollst mehr bekommen
2. Du bist im Vertrieb, hast also Fixum+Prov.

Als ATler bekommst Du i.d.R. die tariflichen Erhöhungen wie jetzt eben wieder 4,1 % IG Metall gar nicht, sondern musst diese selbst erkämpfen/aushandeln.

Es könnte also gut sein, daß Dein Kollege in 5-6 Jahren Dich überholt als tariflicher Mitarbeiter. D.h. Du solltest, wenn Du AT wirst evtl. gewisse Ziele (mittel- und langfristig) vereinbaren unter deren Erreichung Du Dein Einkommen weiter steigern kannst.

Ziele könnten sein Effizienz steigern, Umsatzsteigerungen (so fern möglich bei Anwendungstechniker) usw.

Gruß

Immie
 
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

Zuerst vielen Dank für eure Hinweise. Das hilft doch sehr bei der Vorbereitung auf die Gehaltsverhandlungen.

Kannst Du mir die entsprechende Stelle im Tarifvertrag mal zitieren (Seite, Absatz) ? Das höre ich zum ersten Mal: ich kenne genügend Leute, die bei uns als ATler arbeiten aber weniger bekommen als E13.
Im §1 des Entgelttarifvertrages steht folgendes:

http://img519.imageshack.us/img519/1117/atigbce2000x1225fj6.jpg

Punkt 1 und 2 zusammengenommen interpretiere ich so, dass ATler ein höheres Gehalt beziehen als tariflich Angestellte. Sollte sich aus einem solchen Vertrag nicht ein deutlicher Vorteil gegenüber der Tarifgruppe E13 ergeben, verzichte ich gern auf die Bezeichnung AT-Angestellter. Das werde ich aber nur in entsprechenden Gesprächen erfahren. Auch dass ein Teil meines Einkommens aus Provision bestehen wird, wäre denkbar. Ich bin mitverantwortlich für die Anwendungstechnik in einer bestimmten Gruppe in unserem Unternehmen. Dabei arbeiten wir auch marketingtechnische Maßnahmen zur Umsatzsteigerung in unserer Gruppe aus und betreuen Kunden weltweit. Ich bin kein Außendienstler, aber im Fall, dass ein Außendienstmitarbeiter mit anwendungstechnischen Fragen überfordert ist oder Versuche bei Kunden anstehen, gehe ich auch auf Reisen.
Weiterhin bin ich mitverantwortlich für die Produktentwicklung, die im Zusammenspiel mit unserer Entwicklungsabteilung von statten geht.

Das hört sich für mich auf jeden Fall nach mehr als E10 an. Weiter oben habe ich auch schon geschrieben, dass ich nicht unbedingt ATler werden will. So einen Vertrag muss ich mir natürlich genau anschauen.
 
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H

haidi

Gast
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

Hi Falko69,

die 2. Bedingung kapier ich nicht so ganz und ich kann deshalb daraus auch nicht ableiten, dass das AT-Gehalt auf jeden Fall über dem höchsten Tariflohn liegen muss.

Kann uns hier jemand erklären, was das bedeutet ?:

Voraussetzung AT Angestellter zu werden ist u.a. dass

" Entgelt und Allgemeine Arbeitsbedingungen (des Mitarbeiters) im Ganzen gesehen, die tariflichen Mindestbedingungen überschreiten"

Halt uns bitte auf dem Laufenden Falko, ich kann mir bei allem was Dein Arbeitgeber sonst so macht nicht so recht vorstellen, dass er Dir 50% Lohnerhöhung auf einen Schlag gibt (gönnen würd ich Dir das natürlich)


Gruß
 
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

Ich verstehe das so:
Anforderungen über E13...das ist klar
Tarifliche Mindestbedingungen ... siehe Punkt 1 (E13),
Mindestbedingungen beim Entgelt sind Tarifgehalt + Urlaubsgeld + Jahressonderzahlung bzw. Mindestbedingungen bei Arbeitsbedingungen sind Stundenregelung etc.

Es steht ja im Tarifvertrag, dass alle drei Punkte zusammen erfüllt werden müssen.

Ich werde euch natürlich über die Entwicklung berichten.
 
H

haidi

Gast
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

Klar aber ich verstehe eben nicht warum das Tarifentgelt E13 die Mindestbedingung sein soll, die der ATler übertreffen muss: die Mindestbedingung wäre doch das tarifliche Mindestgehalt (E1) und nicht das Maximalgehalt (E13)......klar wäre das auch unlogisch, auf sowas überhaupt hinzuweisen aber wie gesagt ich kann aus diesen 3 Bedingungen nicht ableiten, dass ein ATler auf jeden Fall mehr als E13 bekommen muss.
 
AW: Gehalt der Stellebeschreibung anpassen?

ich denke, daß die Gewerkschaft vermeiden will, daß plötzlich alle AN AT sind und nur wenig Gehalt bekommen.
 
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