FI-LS-Schalter Zuleitung geforderter Querschnitt

Hallo Techniker Community,

folgende Frage stellt sich mir:

Darf ich einen B16 30mA FI-LS Schalter von der Zuleitungsseite mit 2,5qmm oder auch nur 1,5qmm anschließen.
Gehen wir davon aus, dass die Hauptzuleitung des Stromkreisverteilers mit 50A Schmelsicherungen vorgesichert ist.

Es gibt oftmals Stromkreisverteiler bei denen wir einen LS-Schalter gegen einen FI-LS Schalter austauschen, weil der Stromkreis erweitert wurde. Bei den alten Neutralleitersammelklemmen ist aber häufig kein Platz für ein 6qmm oder 10qmm Draht unter zu bringen.
Da der FI-LS Schalter den Strom auf 16A begrenzt stellt sich mir dann die Frage, was dagegen spricht, wenn ich mit 1,5 oder 2,5qmm verdrahten würde. Das es nicht optimal ist, ist mir klar und sollte denke ich auch nur die Ausnahme sein. Jedoch sind die Drähte auch meist dann nur wenige cm lang und überlastet werden kann der Draht ja nicht.

Müsste man hier kurzschlusssichere Drähte einsetzen vielleicht?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen.

In den Normen habe ich für dieses spezielle Problem zumindest auf Anhieb nichts gefunden.

Mit freundlichen Grüßen
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Meines Wissens dürfen in Schaltschränken bis zu einer Leiterlänge von 30 cm Querschnitte eingesetzt werden,
die zwar für den Nennstrom ausreichend, aber nicht durch einen vorgeschalteten Leitungsschutz geschützt sind.
Gerade im Fall des Neutralleiters seh ich das aber besonders kritisch:
Wenn DER durchbrennt oder abgeht, hat das die übelsten Folgen!
 
Hallo Peter,

das mit den 30cm in Schaltschränken hatte ich von dir hier auch in einem anderen Beitrag schon gelesen. Bist du da mittlerweile schlauer um welche Norm es sich hier handelt?

Was meinst du mit: Wenn der Neutralleiter abbrennt hat das die übelsten Folgen?

Wir reden ja nicht von der Hauptzuleitung. Vielleicht sollte ich meinen Anfangsbeitrag auf 2 polige FI-LS Schalter beschränken. Bei einem Drehstromsystem wäre das natürlich hinsichtlich der Phasenverschiebung nicht gut, da hast du recht. Jedoch bei Wechselstromkreisen?
 
Ja, kurzschlusssichere Leitungen sind dafür einwandfrei und haben wir hier auch dafür liegen. Jedoch hat mich interessiert ob es nicht mit "normal" isolierten Drähten zulässig ist, da man die kurzschlusssicheren ab und an mal vergisst und dann wieder extra fahren muss.
 
Durch den LS schützt du die Zuleitung auch mit vor Überlastung, da der Strom auf 16A begrenzt wird. Passiert vor dem LS allerdings ein Kurzschluß, dann kann 2,5mm² den Kurzschlußstrom der 50A Sicherung nicht abhalten. Die Folge wäre ein schlagartiger Verdampfen des Leiters und ein super Brand! Dann würdest du dir wünschen nochmal zurück gefahren zu sein?
Abgesehen davon halte ich diese Verfahrensweise für Pfusch am Bau! Eine kurzschlußfeste 2,5mm² Ader kostet mithin genau so viel wie eine einfache 6mm² oder 10mm² Ader!
 
Sein Problem sind die nicht vorhandenen "großen" Klemmstellen am Neutralleiter-Sammler, insofern glaube ich schon, dass der hohe Querschnitt nicht verwendbar ist...
 
Warum nicht einfach einen entsprechenden Klemmenblock einsetzen, der die benötigten Querschnitte in der benötigten Anzahl aufnimmt ?
Die geringeren Querschnitte der "kurzschlussfesten" Leitungen halte ich hier nicht für angebracht. Die Physik lässt sich nicht überlisten und heiß werden die trotzdem. Nur schmurgelt die Isolierung nicht mit so unangenehmer Rauchentwicklung ab. Schade eigentlich - denn dann würde man wenigstens merken, dass was am Verrutschen ist ...
 
Ist doch alles irgendwie Murks!? Ein 16A FI-LS ist doch auf jeden Fall zweipolig!? Der N Leiter der Verteilungszuleitung die mit 50A abgesichert ist sollte im Verteiler auf eine Hauptleitungsabzweigklemme gehen. Diese hat auf jeden Fall mehrere Abgänge mit denen dieser FI-LS versorgt werden kann. Vom LS abgängig sind dann L und N in 2,5 mm². Kein Grund also den LS Zugangsseitig mit 2,5mm² anzuschließen!?
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Hmm ... hab gegogelt und zu meinem Erstaunen gefunden:
In der EN60204-1 gibt es eine "Ausnahmeregelung",
die unter bestimmten Bedingungen Querschnittsreduzierungen erlaubt - siehe Punkt 7.2.8 - da steht:

Eine Überstromschutzeinrichtung muss dort angeordnet werden, wo eine Reduzierung des Leiterquer-
schnittes oder eine andere Änderung die Strombelastbarkeit der Leiter vermindert,
ausgenommen wo ALLE folgenden Bedingungen erfüllt sind:

– die Strombelastbarkeit des Leiters ist mindestens gleich der, die sich aus der Last ergibt;
– der Teil des Leiters zwischen der Stelle der Verminderung der Strombelastbarkeit und dem Ort der Über-
stromschutzeinrichtung ist nicht länger als 3 m;

– der Leiter ist so verlegt, dass die Möglichkeit eines Kurzschlusses vermindert ist, z. B. geschützt durch
ein Gehäuse oder einen Leitungskanal.


Demzufolge sind also schon DREI Meter "dünner" Leitung zulässig,
für die die vorgeschaltete Sicherung oder LS KEIN Leitungsschutz ist!
(Das erleichtert den Schaltschrankbau erheblich!)
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Was meinst du mit: Wenn der Neutralleiter abbrennt hat das die übelsten Folgen?
Übelste Folgen hat es, wenn der Neutralleiter in Drehstromnetzen abbrennt,
was u.U. auch bei Phasenströmen UNTER der Abschaltschwelle des Leitungschutzes geschehen kann:
Die 3. Oberwellen der 3 Phasen addieren sich im Neutralleiter!
Dann bilden die Verbraucher einen neuen Sternpunkt mit einer mehr oder weniger grimmigen Sternpunktverlagerung,
im grimmigsten Fall wird dann ein einphasiger Verbraucher statt mit 230 V mit satten 400 V versorgt.

Wenn der Neutralleiter im Einphasennetz abbrennt, ist es nicht übel,
aber man hat dann stromlose Verbraucher, die dennoch noch an Spannung gegen Erde liegen.
(5 Sicherheitsregeln!)
 
Hallo an alle und erst einmal viel Dank für die rege Beteiligung.

Nur um das klar zu stellen:

Es geht hier weder um die Kosten eins Drahtes; das ist meiner Meinung nach wirklich vernachlässigbar. Noch geht es um Verteiler in denen Platzreserve noch vorhanden ist für zusätzliche Neutralleiterklemmböcke.

Es gibt nun mal in der lieben weiten Welt draußen Verteiler in denen die Platzreserve über Jahre hinweg schon ausgenutzt wurde. Wenn hier jetzt ein Stromkreis geändert wird, sodass dieser auf einen FI-LS muss, dann möchte ich die Verteilungen nicht immer direkt neu machen. Dieser Fall ist höchst selten und auch würde diese Verdrahtung ja nur die Ausnahme darstellen. Mir geht es da drum die Vorschriften zu kennen und zu wissen in welchem Rahmen ich mich bewegen kann.

Vielen Dank auch an Peter. Die EN hat mir definitiv schon weitergeholfen.
Eine Sternpunktverschiebung kann ich bei meinen Fällen ausschließen denke ich, da es sich nur um 2-polige FI-LS Schalter handelt.

Mit freundlichen Grüßen :)
 
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