Fehlendes Wissen im Berufsleben, weil nur für Prüfungen gelernt?

Hallo,

ich habe mal eine, vielleicht komische, Frage bzw. Diskussionsthema.
Wie seht ihr das:

Fällt es einen im späteren Berufsleben als Techniker mal auf die Füße, dass man nur für die Prüfungen gelernt hat und nicht die Module und Aufgaben wie angedacht durcharbeitet und sich somit vielleicht mehr Wissen aneignet.
Bin jetzt im 6. Semester beim DAA und lerne eigentlich nur für die Prüfungen, also die abgefragten Themen und Aufgaben. Das läuft soweit gut, habe einen guten bis sehr guten Schnitt. Nur jetzt kam mir der Gedanke, dass mir im späteren Berufsleben das Wissen fehlt, was ich eben nicht, wie eventuell angedacht, gelernt habe.

Aber normal lernt man ja das meiste dann in der Praxis und liest sich in konkrete Probleme und Aufgaben eh wieder ein.

Wie sind da eure Meinung oder Erfahrungen?

Gruß und einen schönen Sonntag
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Deine Sorge ist mehr als berechtigt:
Du solltest deshalb dringend versuchen, den Stoff zu VERSTEHEN und anwenden zu können!
(Gerade für uns Techniker ist das doch ziemlich einfach: Vergleich das doch mal mit Theologen oder Historikern!)

P.S.: Wir werden demnächst einen Techniker einstellen
und da werde ich Leute vorziehen, die im Privatleben BASTELN,
d.h. eine Vorstellung entwickeln, die Realisierung planen, dann umsetzen
und mit dem Ergebnis leben.
 
Das ist ja der Fall. Das was ich lerne und erarbeite kann ich nachvollziehen, es ist ja nicht so, dass ich eine Aufgabe rechne und nicht weiß, was ich da überhaupt rechne. Bei den anderen Punkten stimme ich dir auch zu.
 
Das menschliche Hirn ist nicht statisch, sondern enorm dynamisch. D.h. selbst gelerntes, das man ewig nicht braucht, geht irgendwann verloren.
Es ist allerdings so, dass man in Sachen, die man verstanden hat, wesentlich schneller wieder reinkommt.
Ich brauche heute von dem, was ich in der Technikerausbildung "gelernt" habe, gar nichts.........
Ich brauche wahrscheinlich 90-95% nicht. Das ist aber auch normal! Ich hatte als Fachrichtung Maschinentechnik. Da waren die Themen extrem breit gestreut. BWL, Produktionsorganisation, Steuerungstechnik, Fertigungstechnik, CNC, SPS, Elektrotechnik u.s.w. brauche ich heute auch nicht mehr, und habe wahrscheinlich das meiste davon inzwischen vergessen.
 
Du Armer ...
Ja, auch sowas gibt´s,
aber ich hab nicht solches Pech gehabt:
Ich hab mir einen RICHTIGEN Techniker-Job erarbeitet
und dafür danke ich dem Schicksal oder wem auch sonst immer.
Naja,
der Techniker Titel war der Einstieg in meine "Karriere", als Maschinenführer hätte man mich damals nicht im Vertrieb eingestellt.....

Das sollte jetzt auch kein blöder Spruch sein, sondern dem TE nur etwas die Angst nehmen.....
 
In der Technikerschule wird halt nur das Grundwissen vermittelt, deine Spezifikation und Erfahrung holst du die im laufenden Berufsleben. Von dem was ich in der Technikerschule erlernt habe kommt nur noch ganz sporadisch etwas in einem Arbeitsleben vor.

Ich kann von dem DAA-Techniker nicht viel sagen, da ich eigentlich nie mit den denen in Kontakt gekommen bin, aber ich denke das ist das Problem von privaten Fortbildungsstätten. Die wollen möglichst viele Absolventen mit möglichst guten Abschluss durchbringen. Da wäre es naheliegend das sie nur auf die Abschlussprüfung zuarbeiten.
Ich bin mit meinem damaligen Techniker in Vollzeit an einer staatl. Schule voll und ganz zufrieden und würde es jedem weiter empfehlen.
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Eine Stelle, bei der man dafür bezahlt wird,
über technisch-physikalisches Grundwissen zu verfügen
und dieses im Sinne seines Arbeitgebers kreativ anwenden zu können.
Das kann sehr befriedigend sein.

(Mir ist schon klar, dass die Formulierung provokant war,
aber mir ging´s darum zu zeigen,
dass es NICHT unnötig ist, was man bei der Ausbildung lernt.)
 
"Fehlendes Wissen im Berufsleben"
ist völlig normal und auf allen Arbeitplätzen feststellbar.

Es kommt darauf an, möglichst überzeugend darzustellen, dass man Ahnung von dem hat, was man tut.
Also ganz locker bleiben - the show must go on :whistle:
 
Also sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit?
Es gibt Jobs, da holt einen das wieder ein. Z. B. in der Konstruktion, wenn das „Ding“ wirklich gebaut wird.
Mal ganz ehrlich aus Sicht des Vertriebes:

Erst wenn man ein Produkt verkauft und der Kunde es benutzt, zeigen sich die Schwachpunkte. Dies ganz oft mit der Erkenntnis "Oh, daran hat bisher aber keiner gedacht....."

Das hat mit den Fähigkeiten des Konstrukteurs nicht viel zu tun. Hatte mal einen Chef, der wollte alle Fehlermöglichkeiten ausschließen, da konnte man quasi keine Neuentwicklung verkaufen, da er nie sicher war, ob da jetzt wirklich alles bedacht war....
 
Erst wenn man ein Produkt verkauft und der Kunde es benutzt, zeigen sich die Schwachpunkte. Dies ganz oft mit der Erkenntnis "Oh, daran hat bisher aber keiner gedacht....."
Es werden nicht nur Konsumgüter konstruiert!
Wir z. B. fertigen Produkte für die Autoindustrie. Unsere Konstrukteure planen und entwerfen die Werkzeuge für die Großserienproduktion und begleiten dann auch die Erprobung „ihrer“ Werkzeuge bis zur erfolgreichen Serienübergabe. Wenn dann die Werkzeuge nicht halten, oder keine maßhaltigen Teile produzieren, kommt „Freude“ auf. Mit dem Kundentermin und dem Fertigungsausfall auf einer teuren Produktionsanlage im Nacken kann er dann zusehen, wie er „sein“ Werkzeug ans laufen bekommt. Da hilft es ihm dann wenig wenn er vorher „möglichst überzeugend darstellen konnte, dass er Ahnung von dem hat, was er tut“. Denn das wird nun gnadenlos offenbart.
 
Hatte mal einen Chef, der wollte alle Fehlermöglichkeiten ausschließen, da konnte man quasi keine Neuentwicklung verkaufen, da er nie sicher war, ob da jetzt wirklich alles bedacht war....
Das war aber dann eher ein Problem vom Chef deines Chefes, dass er nicht gesehen hat, dass es hier ein methodisches Problem gibt. Zum einen sollte es ein Pflichtenheft geben, dann weiß der Konstrukteur, was er erfüllen muss. Während der Konstruktion kann einem die FMEA methodisch dabei helfen, alle Schwachpunkte zu entdecken und bewerten (ich weiß, macht fast niemand so, aber wenn der Kollege hier solche Probleme hatte, wäre das ggf. ein Werkzeug für ihn gewesen).

@stef1411 , in der Schule lernst du Grundlagen. Gut wenn du sie kannst. Wenn du sie dort nicht erlernt hast, musst du dir dein Wissen während der täglichen Arbeit aneignen. 90% deines Wissens wirst du dort erlernen - aber ggf. mit dem Wissen der Schule auch besser für dich und somit deine Kunden erklärbar machen.
 
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