FAZIT: TBW > geprüfter Technischer Betriebswirt (IHK) lohnenswert?

Hallo, um für alle Fragenden, die sich ggf. mit dem Gedanken schwängern den TBW zu machen, habe ich mal meine subjektive Meinung zum TBW zusammengefasst:

Über mich:

Ausbildung:
Gewerblich-technische Ausbildung
Staatlich geprüfter Techniker Elektrotechnik (über Teilzeit)
Insgesamt 20 Jahre Berufserfahrung.

Ich habe nun mit Erfolg den Abschluss des Technischen Betriebswirts erreicht.
Durchschnitt
  • 1. Prüfungsabschnitt: 3
  • 2. Prüfungsabschnitt: 1
  • 3. Prüfungsabschnitt: 1

Mein Lehrgangsanbieter war die IHK selbst, in einem Lehrgang der pro Woche 2 Unterrichtseinheiten hatte. Teilweise an Samstagen, sonst unter der Woche.
Der Lehrgang an sich ging 2 Jahre, mit Projektarbeit und Abschlusspräsentation 2,5 Jahre regulär!

Für wen ist es geeignet:

Interessierte, die suchen dass es „da mehr gibt“
Für engagierte, die von sich aus Veränderungen anstoßen wollen. Vorsicht, man stößt mit seinem breiten Wissen relativ schnell auf Blockaden, da Techniker- oder Techniklastige Abteilungen oftmals von wenig bis gar kein BWL-Wissen durchsetzt sind. Man braucht viel Selbstbewusstsein, das man aber schon mitbringt wenn man sich für einen solchen Lehrgang interessiert. Aus dem "kleinen Techniker" wird auf einmal ein kritisch hinterfragender Mitarbeiter mit BWL-Know how und Verbesserungsvorschlägen die nicht immer auf Offene Ohren stoßen.


Für wen ist es NICHT:

Titeljäger! Wer meint, dass es ein weiterer „Schein“ ist, und meint danach fliegen ihm die Stellengesuche zu, der ist hier falsch.
Es hat sich langfristig immer bewahrt ein fundiertes Wissen zu besitzen. Man darf nicht erwarten, dass man reißende Begeisterung in der Wirtschaft erhält nur wenn man mit dem Zeugnis des TBW´s wedelt.
Man muss sich selbstbewusst darstellen, und braucht sich hinter Universitären Absolventen nicht verstecken. Man sollte durch seine Verknüpfung der bisherigen Praxis, deren Problemstellungen und den Lösungswegen die die BWL hergibt, punkten.


Suche Lehrgangs-Anbieter:

Googeln! Leider ist kein direkter Vergleich möglich. Man sollte für sich abwägen ob ein Fernlehrgang oder Präsenzunterricht am besten liegt.
Mein Tipp liegt trotz allem im Präsenzunterricht um sich selbst motivieren zu können, und mit anderen „gleichgesinnten“ das durch zu ziehen.
Eine Verlustmenge gibt es immer. Bei uns war die Abwanderungsrate Anfang-Ende bei 30%
Wer im ersten Abschnitt durchkommt, schaftt alles weitere auch.

Ggf. alte Absolventen des Lehrgangs fragen, die wissen auch wie die Dozenten ticken und worauf man achten sollte.
Meine subjektive Meinung ist, man sollte zur IHK direkt gehen, da die Dozenten idR. auch die Prüfer sind.
Jedoch schwanken die IHK´s enorm (!) am Niveau der Lehrgänge.


Ideale Durchführung:

Allererste Regel:
Immer am Ball bleiben!
Wie oben schon beschrieben, sollte man sich zum Ziel machen, die Inhalte zu verstehen.
Es ist definitiv von Nachteil, gerade im ersten Ausbildungsabschnitt sich schleifen zu lassen.
Bei Präsenzunterrichtsstunden sollten ALLE Stunden besucht werden, da bei einem so Umfangreichen Stoff wirklich jede Stunde zählt.
Vor allem aber bauen die Themen aufeinander auf, und ein zu längeres Fehlen bedeutet viel Nachbearbeitung und eine funktionierende Lerngruppe.

Zweite Regel:
Alte Prüfungen lernen! Man kann sich mit nichts besser vorbereiten auf die Prüfung als mit der Prüfung selbst. (>bei ebay von diversen Absolventen erhältlich)
Bei den Dozenten sollte drauf geachtet werden, dass der Unterricht nach viel Theorie sehr viel mit Prüfungsfragen bespickt ist.
Vor allem sollten im ersten Abschnitt in den Fächern Rechnungswesen, Finanzierung/Investition und Material/Produktions-Absatzwirtschaft in geeignetem Abstand Prüfungsfragen dazu gerechnet werden.
Regel also hier > Rechnen Rechnen Rechnen.

Dritte Regel:
Lerngemeinschaft!
Eine ideale Besetzung von ~3 Leute gleiches Niveau ist perfekt. Man kann sich dann zusammensetzen und die ersten Prüfungsfragen durchrechnen, wenn man ungefähr die Hälfte des Stoffes jeweils pro Prüfungsabschnitt durch hat. Vorher macht es wenig Sinn, da die Zusammenhänge in der Prüfung nicht erkennbar ist. Hier verunsichert man sich sonst selbst zu viel.


Vorbereitung Prüfungen:

Nichts auf die lange Bank schieben.
Sich im Vorhinein über Prüfungsablauf erkundigen.
Kurz vor der Prüfung sollten einige Wochen eingeplant werden, an denen man sich hinsetzt und alte Prüfungen durchrechnet ohne Ende.
Auch hier- Strukturierte Planung ist alles.
Und Lernen Lernen Lernen
Übrigens> NEIN, es gibt vor Prüfungen keine Tipps was drin vorkommt.
Wenn man aber alte Prüfungen rechnet, sieht man eine immer wieder auftauchende Struktur der Inhalte. Wenn man Pfiffige Dozenten hat, die eine lange Erfahrung mitbringen können die einem das schon beibringen.
Trotzdem gilt, es gibt keinen Mut zur Lücke. Es kann ALLES dran kommen.
Und man ist immer am Ende der Prüfung enttäuscht wie viel man gelernt hat, und wie wenig davon dran kam. Aber da nun mal alles dran kommen kann, muss man das akzeptieren.

Der Lernaufwand ist somit schwankend. Bei mir waren es zusätzlich zum Unterricht zwischen 0 Stunden beim Wissensaufbau, bis hin zu 30 Stunden pro Woche in Richtung Prüfung (vorher Urlaub genommen).

Vorbereitung auf die Projektarbeit sollte frühstmöglich begonnen werden. -noch weit vor dem Offiziellem Termin von der Abgabe der gewünschten Projektthemen.
Regel auch hier wie bei allen Prüfungen, nichts auf die leichte Schulter nehmen, sofern man auch ein "gutes" Ergebnis mit nach hause nehmen will.

Generell Positiv:
Kompakte, aber sehr gute Inhalte des Lehrgangs.
Man wird mit allen wesentlichen Inhalten der BWL konfrontiert, und kann definitiv auf einem hohen Niveau mit „reinen“ BWL´lern mitreden.
Man spricht sozusagen eine neue Sprache.
Alle Fächer sind meines Erachtens gut geeignet, ggf. überlegenswert wäre „ Infomations- und Kommunikationstechniken“ zu überarbeiten, da die Technologie zu schnellebig ist.
Hier gilt, die Güte des Lehrgangs steht und fällt mit dem Dozenten.

Generell Negativ:
Keine Schriftliche Ausdrucksweise gefordert, denn das ist das für das was eine Führungskraft ausmacht.
Man sollte die Methodenkompetenz der schriftlichen Ausdrucksweise besitzen um nicht nur verbal, sondern auch schriftlich Argumentieren zu können.

Keine Vorbereitung auf die Projektarbeit in Form von vorherigen Hausarbeiten. Man wird sozusagen „ins Kalte Wasser geschmissen“.
Keine Vorbereitung auf wissenschaftliches Arbeiten, zumindest die Grundregeln des Verfassens einer Arbeit.
Sehr schwankendes Niveau der Lehrgangsanbieter, auch der IHK´s in Deutschland und der Dozenten.


Fazit:
Der TBW hat mein Leben verändert.
Wie eingangs erwähnt darf man nicht erwarten, dass einem die Stellen nach absolviertem Lehrgang nur so zufliegen. Ein potenzieller Arbeitgeber sucht nicht Arbeitnehmer die Scheine vorweisen können.
Sondern er sucht idR. diejenigen, die genau das Fachwissen mitbringen was für das Unternehmen benötigt wird. Und das Ziel (fast) jedes Unternehmens ist nunmal Gewinnmaximierung. Genau in diese Kerbe schlägt der TBW mit seinen Erfahrungen „von unten“ und dem wissen wie das Management „tickt“

Man muss natürlich differenzieren an Teilnehmern, die innerhalb der Organisation weiter kommen wollen, oder sich weiterqualifizieren wollen für andere Jobs .
Da ich im Unternehmen bleibe, haben sich mir die Türen für neue Aufgaben weit geöffnet. Wenn man eine interdisziplinäre Einstellung hat, dh. Fachbereichsübergreifendes Denken mitbringt, ist man nach dieser Ausbildung ein gefragter Mitarbeiter.
Argumentationsmittel und das Werkzeug dazu bekommt man im Lehrgang zur Genüge beigebracht. Man muss sie nur noch anwenden.
Ich habe viel in Foren gelesen, dass viele Teilnehmer enttäuscht waren, dass die anfänglichen Ansprüche nicht in Erfüllung gingen und man auf dem Markt nicht angesehen wird.
Man muss sich und sein Wissen verkaufen, und nicht den Schein den man errungen hat.
Es sind wirklich harte Jahre, für mich nicht vergleichbar mit dem Techniker, der für mich einfacher zu bewältigen war.

BWL ist nicht schwer, aber SEHR umfangreich, was stetes lernen voraussetzt!
Mit obigen Tipps, und einem strukturierten Plan, und einer konkreten Zielsetzung dürfte aber jeder der sich vorgenommen hat mehr aus sich zu machen hier erfolgreich werden. Nicht dem Titel hinterherjagen, sondern dem WISSEN was dahinter steckt.
Mit den Worten von Harry Zingel zu sprechen: „auf dem Weg nach oben muss man die Treppe benutzen, es gibt keinen Aufzug!“

Tipp:
Nicht vergessen, das Meister-Bafög bietet echt eine sehr gute Lösung um die Finanzierung sicher zu stellen. Dazu gibt’s ordentlich was vom Papa Staat gesponsert.
 
AW: FAZIT: TBW > geprüfter Technischer Betriebswirt (IHK) lohnenswert?

Tojota ist nicht BWL, aber nichts ist unmöglich! Habe als stgT inkl. später nachgeholte FHR den Dipl.-Betriebswirt (FH) gemacht und Klausuren vom TBW (Zingel Forum) gesehen. Hut ab muss ich sagen, da wird einiges in kurzer Zeit gefordert!
 
AW: FAZIT: TBW > geprüfter Technischer Betriebswirt (IHK) lohnenswert?

Hallo zum Thema TBW!

Das hört sich alles recht gut an und am nötigen Ehrgeiz würde es mir auch nicht mangeln, aber ich habe ziemlichen Respekt vor der Hausarbeit!
Wie muss man sich sowas vorstellen und in wie fern wird man darauf vorbereitet?
 
Hallo,

ich habe diesen Bericht aus 2012 - damals ganz frisch - auch gelesen und den TBW gemacht.

Ich wurde enttäuscht: Der TBW ist in der Industrie nach wie vor nahezu unbekannt, als Abschluß quasi wertlos. Oft auch als Schmalspur-BWL belächelt - was es letztendlich auch ist. Man vergeudet nur unnütz Zeit und Geld, was man hinterher nicht wieder reinholen kann.
Höchstens lohnend, für die, die der Bund noch ein halbes Jahr eine Ausbildung bezahlt oder für die, die damit eine vom Amt bezahlte Arbeitslosigkeit weiter stecken können.

Auf Ing.-stellen brauchst du dich mit den Titel nicht bewerben - da werden dann Ing's oder Bachelor genommen, als Techniker feht dir dann ein halbes Jahr an Praxis, so dass du evtl. wieder von ganz unten anfängst.

mfG
 
Hallo,

das kann ich so nicht ganz bestätigen.

tbw012 hat das eigentlich recht gut beschrieben. Man sollte den TBW nicht machen um zum Schluss einen "Wisch" in der Hand zu haben. Das kann einem ggf. in einem bestehenden Unternehmen etwas bringen, wo der TBW bekannt ist und / oder zuvor ausgehandelt wurde, dass bei bestandener Prüfung eine Beförderung winkt.

In anderen Unternehmen sieht das meist anders aus. Hier musst du für dich persönlich diese Weiterbildung erklären und rechtfertigen können. Dir muss klar sein, warum du dass gemacht hast und was es dir bringt. Wenn du das nicht kannst, dann bist du einzig allein du selber Schuld.
 
Hallo,

das kann ich so nicht ganz bestätigen........
Du tönst ja ganz schön rum hier - du weiß doch gar nicht aus welchen Hintergrund ich die Fortbildung gemacht habe. Sicherlich ist es auch regional abhängig. In Süddeutschland, wo auch die interessanten Jobs mit Forschung und Entwicklung sind kann ich mir ein Bedarf an betriebswirtschaftlich-technischen Personal vorstellen. Hier oben im Norden biegen die Unternehmen doch nur Blech oder kleben oder schweißen etwas zusammen.

Wenn man vom eigenen Betrieb dafür freigestellt wird und er dies evtl. sogar mit finanziert, hat man doch eher ein Luxusproblem. Diese Ausgangssituation hatte ich leider nicht.
Bei uns in der Gruppe (Anfänglich 24 Mann) war keiner dabei, der vom Betrieb zum Lehrgang geschickt wurde.
Ich habe mehrere Verstellungsgespräche gehabt - keiner kannte diesen Abschluß, bzw hatte eine sonderlich hohe Meinung davon. "Dafür stellen wir lieber einen von der Uni ein."
Als normaler Techniker wurden mir Stellen angeboten mehr nicht. Und andere sind auch vorher in den Job als Techniker rein, ohne je die Prüfung zum TBW gemacht zu haben.

mfG
Hans
 
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