ERA 6 für Ingenieursstelle

Hallo werte Techniker,

vorne weg, ich bin kein Techniker, sondern nur ein billiger Industriemeister - Ich hoffe dafür werde ich jetzt nicht gleich gesteinigt.
Leider gibt's für unser eins keine annähernd so gute Plattform, so wie dieses Forum.

Kurz zu mir:
Ich bin 25 Jahre, gebürtig und wohnhaft im Raum München.
Realschule, dann Lehre zum Zerspaner, danach beim selben Betrieb als Monteur im Hydraulik-Prototypenbau angestellt, zwischendurch Meisterschule.
Dann, vor einem halben Jahr, trat ich in der gleichen Firma eine neue Stelle an, als sogenannter "Projektingenieur".

Wie bekam ich die Stelle? Zur richtigen Zeit am Richtigen Ort. Gesucht wurde ein Ing. mit Praxiserfahrung und damit konnte ich Trumpfen.
Die Projekte, welche ich jetzt konstruiere, habe ich in meiner vorherigen Stelle in ähnlicher Form montiert, geprüft, etc.
Dann noch ne gute Bewerbung, mit dem richtigen Fuß am Tag des Bewerbungsgesprächs aufgestanden, und n gutes Wort vom letzten Vorgesetzten... Bingo, gegen zwei Techniker und einen Bachelor durchgesetzt.

Da war ich natürlich erst mal sprachlos glücklich, auch die "aufgrund meiner Qualifikation" angebotene ERA 6 Einstufung nahm ich klaglos entgegen.

Zur Firma:
Münchner, familiengeführter Mittelständler mit ca 2.500 MA, IG-Metall gebunden.


Nun war ich eigentlich der Meinung, ERA6 passt schon, wichtiger ist die Erfahrung die ich mit der Stelle sammeln kann.
Auf der letzten Weihnachtsfeier kam ich allerdings mit einem Betriebsrat ins Gespräch, welcher meinte dass ERA6 für eine Ing. Stelle gar nicht erlaubt sei, auch nicht für einen "unstudierten". Nach dem IG-Metall Motto, gleiches Geld für gleiche Arbeit.

Hier die Stellenbeschreibung:

Kenntnisse:
- Ingenieur (Maschinenbau/ Mechatronik) oder vergleichbare Ausbildung
- sehr gute Hydraulik- und Maschinenbaukenntnisse
- Elektrische und Elektronische Grundkenntnisse
- CAD- Konstruktionserfahrung (Auto CAD, Inventor 3D)
- Fundierte Kenntnisse im Umgang mit SAP und Microsoft Office
- Organisationsfähigkeiten
- Erfahrung im kundennahen Projektgeschäft
- engl. Kenntnisse in Wort und Schrift

So. Was sagt ihr dazu? War jemand schon mal in einer ähnlichen Situation?
Findet ihr die ERA6 in Ordnung, oder geht das gar nicht?

Soweit
Danke für eure Antworten.

Grüße
Matthias
 
Das was du hier schreibst ist nicht die Stellenbeschreibung, sondern der Text aus der Stellenanzeige. Die Stellenbeschreibung liegt intern vor und beschreibt, was du innerhalb der Firma alles zu tun hast. Da steht dann nicht drin, dass du Ingenieur sein musst um die Stelle auszufüllen.

Die Qualifikation spielt - trotz ERA - immer noch eine Rolle. Schau auch mal hier:

Anhand der Tabelle siehst du auch, dass noch Spielraum nach oben ist. Ist ggf. im Arbeitsvertrag eine Zielentgeltgruppe genannt?

Ich frage mich eher, was der Betriebsrat bei deiner Einstellung gemacht hat, wenn er sich jetzt aufregt. Meines Wissens nach müssen dem Betriebsrat alle Neueinstellungen vorgelegt werden.
 
Hallo masls,

danke für deine Antwort.

Ja, dass Qualifikation eine Rolle spielt, ist mir bewusst. Leider nur in eine Richtung.

Zielentgeltgruppe ist nirgends festgelegt.

Bewerbungen signiert in der Regel der BR-Vorsitzende, deshalb wird der Jenige, der mich darauf ansprach, nichts davon gewusst haben.

Mein Plan ist jetzt, erstmal Füße still halten, und eine eventuell anstehende Rezension unbeschadet überstehen. Danach, wenn ich entsprechende Leistungen gebracht habe, auch etwas dafür einfordern.

Grüße
 
Bewerbungen signiert in der Regel der BR-Vorsitzende, deshalb wird der Jenige, der mich darauf ansprach, nichts davon gewusst haben.

Mein Plan ist jetzt, erstmal Füße still halten, und eine eventuell anstehende Rezension unbeschadet überstehen. Danach, wenn ich entsprechende Leistungen gebracht habe, auch etwas dafür einfordern.
und ggf. hat der, den du jetzt angesprochen hast, auch nicht alle Informationen gehabt. Denn auf welcher Grundlage sagt er, dass du höher eingruppiert werden solltest? Doch nur, weil du ihm sagst, dass du eine Ingenieurstelle hast. Er soll sich mal deine Stellenbeschreibung durchlesen und dann sagen, ob seine Einschätzung noch immer gerechtfertigt ist. Das kann der Kollege sicher auch jetzt überprüfen - trotz schlechter Wirtschaftslage. Was du dann mit der Information machst, bleibt ja dir überlassen.
 
Ja, er hat schon angekündigt dass er sich die Sache im Detail nochmal anschaut.

Mich würden trotzdem aber auch noch die Erfahrungen Anderer interessieren, die in ähnlicher Situation sind/ waren. Also Meistern/ Technikern die eine Ing. Stelle besetzen.
Speziell wie hoch der ERA unterschied von Technikern zu "richtigen" Ingis beim Einstiegsgehalt oder auch im weiteren Verlauf ist. Gerne auch per PN.
 
Mich würden trotzdem aber auch noch die Erfahrungen Anderer interessieren, die in ähnlicher Situation sind/ waren. Also Meistern/ Technikern die eine Ing. Stelle besetzen.
Speziell wie hoch der ERA unterschied von Technikern zu "richtigen" Ingis beim Einstiegsgehalt oder auch im weiteren Verlauf ist. Gerne auch per PN.
Nochmals: Es gibt keine "Ingenieursstelle", sondern eine Tätigkeit, die man ausführen muss. Welche Qualifikation man dafür benötigt, legt der Arbeitgeber fest. Er kann sich wünschen, dass die Stelle ein Ingenieur besetzt. Stellt er aber fest, dass der Meister, der sich darauf bewirbt auch geeignet ist, dann nimmt er halt den (weil der deutlich günstiger ist). Und genau das ist hier passiert.
Schaust du dir den Link von oben an, siehst du, dass es in Bayern wohl an der Qualifikation hängt, in welche ERA Gruppe man rein kommt - und an nichts anderem. Du kannst mal neugierigerweise auch in die Liste von Baden-Württemberg klicken. Dort spielen neben der Qualifikation noch ganz andere Kriterien eine Rolle. So kommt es auch von Bundesland zu Bundesland darauf an, wie ERA gehandhabt wird. Deshalb wäre ich auch gespannt, was bei dem Gespräch mit dem Betriebsratsmenschen herauskommt.
 
Kommt auf den Arbeitgeber an, wie er das auslegt. Grundsätzlich kann er natürlich auch dem Meister die EG8 oder 9 zahlen, die für diese Stelle eigentlich vorgesehen sein dürfte. Wenn er aber nur die EG6 zahlt, weil die Stelle ein Meister besetzt...

Vielleicht wurde die Stellenbeschreibung auch einfach angepasst? Bzw. sie wird noch angepasst, wenn der BR sich jetzt einschaltet und Rabatz macht...

Wenn nicht, müsstest du eigentlich die entsprechende ERA kriegen. Dann musst du aber auch alle Aufgabenstellungen der Stelle erfüllen können. Bin nicht sicher, ob ein Meister das immer so kann, ich wär da vorsichtig...
 
Wobei man auch da zu sagen muss dass der Punkt:

CAD- Konstruktionserfahrung (Auto CAD, Inventor 3D)

Auch jeder technischer Zeichner bzw. technischer Produktdesigner erfüllen kann. Das ist jetzt keine herausragende Fähigkeit, mal davon abgesehen dass dieser Punkt auch undeutlich oder falsch beschrieben ist, denn Konstruktionserfahrung hat in keinster Weise was mit Softwarekenntnissen zu tun. Zum einen kann man auch ohne Software konstruieren, zum anderen ist das Forum hier das beste Beispiel, hier sind auch viele CADler mit deutlichen Wissenslücken unterwegs.
Ich sehe hier erst mal kein Grund diese Stellenausschreibung mit einen teueren Ing. dafür zu besetzten. Obwohl Meister hier schon ungewöhnlich ist, denn als Meister hat man in der Regel kaum was mit CAD, geschweige denn mit Konstruktion zu tun und ohne einschlägige Softwarekenntnisse würde ich keinen Meister einstellen, der viel zu lange braucht um fertigungsgerechte Teile im CAD zu erschaffen. Da trennt sich bezüglich Konstruktionseffizienz und Erstellungszeit schnell die Spreu vom Weizen.

Es wird mal wieder eine aufgeblähte Stellenausschreibung sein. Wobei ich mich schon interessieren würde wie ein Meister (25 Jahre alt) an nennenswerte Kontruktionserfahrung erlangen konnte.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Konstruktionserfahrung wird sich wahrscheinlich auf die Montagetätigkeit als Facharbeiter beziehen. Man kann nicht in Abrede stellen, dass Monteure eine gewisse Erfahrung damit haben, vor allem hinsichtlich der Montagefreundlichkeit. Das hat man dem Ingenieur in der Regel tatsächlich voraus. Wie sagte ein Monteur mal zu mir, als er ein Gestell montieren sollte und an manche Schrauben nicht ran kam:
"Am Computer fliegt immer alles an die Wand, da braucht man die Schrauben nicht zu erreichen..."

Die Stelle war wahrscheinlich so ausgeschrieben und beinhaltete ursprünglich mehr Aufgaben. Dann hat man den TE eingestellt und due Aufgaben höchstwahrscheinlich reduziert. Letztlich kann er gar nicht so konstruieren, wie das ein sgT oder ein Ingenieur kann, die das gelernt haben. Wozu sitzt der Ingenieur an der Uni denn in Konstruktionslehre I-IV, Maschinenelemente I-III, Statik, Dynamik, Festigkeitslehre, usw. wenn man das am Ende nicht braucht... muss man sich mal fragen, ne...
 
Wie dem auch sei, der Betriebsrat wird ein erhellendes erwachen haben, ein 25 Jähriger mit kaum nennenswerter Erfahrung und frisch von der Meisterschule kann kein Ing. gerechtes Gehalt von mind. EG 11 erhalten. Da entsprechen EG 6 bei den Fähigkeiten nun mal der Realität. Wenn man gut verhandelt kann vielleicht noch EG 7, mehr aber nicht.

Unter Konstruktionserfahrung verstehe ich Erfahrung beim erstellen und ausarbeiten von Plänen zur Herstellung von validierungsfähigen Bauteilen. Ich als ehemaliger Handwerker kann leider nicht bestätigen das man bei einer Montage solch eine Erfahrung erlangen kann. Da neigen leider viele Handwerker und Meister zur Selbstunterschätzung, wie auch einige SGTs.
 
Zuletzt bearbeitet:
Lt. Era wird nicht das bezahlt was du bist, sondern was du machst (Gleiches Geld für gleiche Arbeit). Bei uns passt das auch ganz gut im Prinzip. Wir haben hier Mitarbeiter mit Meister/Techniker Schein, die als Mechaniker oder Maschinenbediener arbeiten und demnach auch nur so bezahlt werden. In meinem Team (lt. Stellenbeschreibung und Gehaltsklasse eigentlich Ing. Stellen) arbeiten sowohl Meister/Techniker und Ing´s. Wir haben alle die gleiche Lohngruppe.
Wir haben sogar einen in der Firma, der als Facharbeiter Gruppenleiter geworden ist und auch so bezahlt wird. Der ist also als Facharbeiter der Vorgesetzte von Ing´s. Da wäre es ungünstig wenn er weniger verdienen würde
 
Mag sein, aber die Stellenbeschreibung macht der Chef, nicht der Mitarbeiter.
Es ist illusorisch, dass ein Meister mit 25 Jahren eine Stelle besetzen kann, die tatsächlich für Leute mit Studium bewertet ist. Entweder stellt man ihn dafür nicht ein oder die Tätigkeitsbeschreibung wird angepasst.
Wer sagt denn, dass eine Stelle immer nur aufgewertet werden darf und die Umfänge nicht reduziert werden können?
 
Es ist nicht der Regelfall aber es ist möglich. Ich Habs ja auch geschafft. Mit 21 war ich mit dem Techniker fertig und hab dann direkt die Stelle bekommen. Zu dem Gehalt wurde ich dann aber über 6jahre hin entwickelt. 3 Jahre bis 9z1 und dann nochmal 3 bis 10z1 (Hamburger Tarif). Eingestiegen bin ich mit EG8. Und ich kenne bei uns in der Firma noch mehr Leute die es genauso geschafft haben. Die stellen sind bei uns fix. Da wird in der Regel nichts angepasst.
 
Meister... nicht sgT...

Als Ingenieur wärst du direkt in die 10 eingestiegen, das ist eben der Unterschied ;)
 
Ne das auch nicht...... Die Ings die ich kenne sind im Durchschnitt bei 4 bis 5 Jahre. Zwar schneller wie ich aber nicht so meeega viel schneller. Einige haben sogar 2 Jahre von 10 auf 10z1 gebraucht. Das war bei mir nur 1 Jahr. Ist halt n bisschen Spielraum und kommt auf die Projekte an. Ein anderer Technikerkollege mit dem ich auf der Schule war hat die EG 10 nach 2 Jahren schon gehabt. Der hatte einen besseren Chef 😅. Da bei mir das Ziel fest stand, waren mir die paar Jahre relativ egal.
 
Müßige Diskussion. Unser einziger sgT im Team ist 57, seit 25 Jahren bei uns und verdient weniger als ich nach 10 Jahren...

Was sagt uns das jetzt?
 
Na dann nochmal kurz ein paar Infos:
Habe ja im Januar bei einem neuen AG angefangen......

Hier gibt es:
Vertriebsleiter -> Betriebswirt (entspr. Techniker 2 Jahre Vollzeitschule)
Leiter F&E -> Metallbauer und Industriemeister
Produktionsleiter -> Dipl. Ing FH Automatisierungstechniker
Personalleiter (Prokurist)-> Betriebswirt (enstpr. Techniker 2 Jahre Vollzeitschule)
Leiter Produktmanagement (Prokurist) ->noch nicht herausgefunden

D.h. die Führungsetage (Vertriebsleiter/Leiter F&F/Produktionsleiter/Personalleiter/Leiter PM) besteht aus 3Technikern, 1 Dipl ING und einem ? )....... Gehalt der Führungsriege min. > 80 K+Bonus......

Aber sicher ein Einzelfall......... und nicht repräsentativ......:rolleyes:
 
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