Einstiegsgehalt <42000€ nach Technikerausbildung=> Verrat an anderen Technikern

Man muss kein Dipl. Ing. sein, um an der 6-stelligen Marke zu kratzen... Ist natürlich auch nicht die Regel, als Techniker dahin zukommen. Die Mischung aus Vitamin B, Engagement und Erfolg bei der Arbeit waren für mich die Formel, dieses Jahr inkl. Bonus am Ende des Jahres 6-stellig rauszukommen.

Grüße
Dan
 
Was spricht denn dagegen nach 3jähriger Ausbildung mit etwas Berufserfahrung und Technikerweiterbildung sich beim Arbeitgeber hinzustellen und 3500 Euro Monatsbrutto zu fordern?
Wenn der Arbeitgeber das nicht bereit ist zu zahlen dann sollte man weiterziehen.
Dagegen spricht, dass man sich sein Gehalt nicht selbst auszahlen kann. Ob du ne stelle bekommst hängt vom
Unternehmen und nicht von dir ab. So einfach ist es. Und jeder muss seine Rechnungen bezahlen.

Dagegen spricht auch das Europa's Anteil am weltweiten BIP seit 2007 von 30% auf 20% gesunken ist, während
Asiens (v.a. Chinas) Anteil am BIP von 7% auf 20% geklettert ist.
Weniger Produktionsanteil = weniger benötigte Technikerstellen = Verteilungskampf = Überangebot -> Sinkende Preise.
 
Meine Geschichte:
3 Jahre Ausbildung zum Facharbeiter
1 Jahr Produktionsmitarbeiter
1 Jahr Bundeswehr (musste man damals noch)
2 Jahre Vollzeitschule zum Techniker (Abschlussnote 3,6....)
2 Jahre branchenfremd als Handelsvertreter in den Vertrieb eingestiegen

Dann wieder in Festanstellung 1999 Start mit 65.000 DM Brutto + Firmenwagen. Heute 72.000 EUR Brutto + Firmenwagen (zwischendurch auch mal 70.000 EUR + 40% Bonus + Firmenwagen).

Was ist denn ein einfacher Techniker ? Bei einem meiner ehemaligen Arbeitgeber war ein Maschinenbautechniker Leiter der F&E Abteilung mit Prokura.....

Sicherlich war bei mir auch nicht unerheblicher Zufall/Glück dabei, zur rechten Zeit die richtige Stellenanzeige gesehen und beworben aber lasst Euch doch nicht einreden, dass Ihr nur "einfache" Techniker seid..... Zum Einstieg kann man ja auch mal Abstriche machen, aber für die langfristige Zukunft ist einiges möglich.
Das Problem ist eben:

Zu deiner Zeit gab es noch keinen Bachelor nach 3 Jahren. Der unterste akademische Abschluss war das FH-Diplom nach 9 Semestern oder eben das Uni-Diplom nach 10 Semestern...

Zu deinem Gehalt... naja unfassbar viel sind 72.000 EUR mit Mitte/Ende 40 jetzt auch nicht, oder? Vor allem nicht im Vertrieb mit Außendienst... egal...

Dein Problem lieber immie, ist eines, das ich oft bei älter werdenden Leuten beobachte. Die Zeit vor 30 Jahren wird nach heute 1 zu 1 projeziert und dann wird erzählt "Ja damals, da bin ich auch mit xxxxxx DM eingestiegen, aber danach, jaaa da ging es erst richtig los..."
Das ist heute in vielen Fällen nicht mehr so. Es geht nicht mehr "richtig los"...

Denn vor 30 Jahren stand noch die Mauer. Da gab es jenseits von Helmstedt kaum ernsthafte Konkurrenz für die Unternehmen in Westdeutschland.
Das hat sich radikal gewandelt. Mittlerweile sitzt die Konkurrenz nicht mehr in Helmstedt Ost oder Leipzig Süd, sondern in Budapest, Mumbai, Shanghai usw.

Diese heile Welt, in der du lebst, existiert nicht mehr... zumindest nicht für junge Leute, die heute in den Beruf einsteigen wollen...
 
Zu deinem Gehalt... naja unfassbar viel sind 72.000 EUR mit Mitte/Ende 40 jetzt auch nicht, oder? Vor allem nicht im Vertrieb mit Außendienst... egal...
Das habe ich ja auch nie behauptet, dass das unfassbar viel ist..... Das reicht fürs Haus (Bestandsimmobilie), für halt 2-3 mal öfters essen gehen und für eine etwas bessere Altersvorsorge... Ich empfinde uns jetzt nicht als "Wohlhabend"

Das ist heute in vielen Fällen nicht mehr so. Es geht nicht mehr "richtig los"...
Aha, dazu hast Du wohl eine Statistik ? Was ich erfahren durfte im Laufe meines Lebens ist, dass es zu jeder Zeit die Pessimisten gibt, die die Welt (oder Europa oder Deutschland) am Abgrund sehen..... zu meiner Technikerzeit, da hieß es es gibt doch Meister und Dipl. Ings, Techniker braucht kein Mensch.... Heute ist es der Bachelor....und der Chinese.....

Ein Großteil der Techniker findet doch einen Job......

Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass ich ein was für ein Überflieger wäre.... ich bin eher faul, habe die Technikerzeit sehr genossen und meine Schwerpunkte punktuell gesetzt..... Mut zur Lücke sozusagen.....

Arbeite meist nicht mehr als 40h/Woche (gut, kommt darauf an, wie man die 1 Hotelübernachtung sieht....) und lass es mir gut gehen. Habe ja schon öfters geschrieben, dass ich auch einfach in manchen Situationen Glück hatte. Aus Punkt Fertig... aber ich bin nun mal da gelandet wo ich jetzt bin, kann ich ja auch nix dafür. Das einzige was ich echt gut kann, ist halt Kundenbeziehungen aufbauen, mit Menschen und Situationen umgehen, das war es dann auch schon. Und wenn das halt gut bezahlt wird ???

Fange im Juli bei einem Start Up an als Vertriebsleiter.... Habe im ersten Jahr dann 62.000 EUR + Firmenwagen + Gewinnbeteiligung (als Firmenanteile)..... Wenn es gut läuft, werde ich in 3-4 Jahren in die Geschäftsleitung mit einsteigen.... Wenn es Scheiße läuft, dann muss ich mir halt wieder was anderes suchen. Aber ich tue das, weil das eine hochspannende Geschichte werden kann. Hab meinen jetzigen Job gekündigt und bereite mich nun auf das neue Abenteuer vor....

Was meinst Du, wie viele negative Meinungen ich jetzt schon wieder gehört habe.... Wie man das nur machen kann, so ein Risiko...... Habe mir abgewöhnt auf die Dauernegativen zu hören (nicht auf die positiven Menschen, die einem auch mal auf mögliche Fallstricke hinweisen) und bin damit echt gut gefahren.
 
Und noch so am Rande:
2 Angebote liegen noch vor, einmal für 75.000 EUR und einmal für 90.000 EUR.....
Hab diesmal das schlechtest bezahlte genommen...... vielleicht beruhigt Dich das ja ein bisschen....
 
Es macht doch auch keinen Sinn den Einen auseinander zu nehmen der mehr als der Durchschnitt hat? Ich habe auch eine Ärztin im Freundeskreis (31, Stkl3, knapp 7K netto, und einen Unternehmer 38, Stkl3, knapp 12 netto) die haben ganz normale Werdegänge hinter sich und haben sich an der einen oder anderen Stelle besser als andere verkaufen können und hatten dabei zumindest aus finanzieller Sicht mehr Glück als andere.

Besser als mir geht´s denen aber auch nicht, das Ausgabenniveau hat sich dem Einkommen angepasst, beide haben deutlich weniger Freizeit als ich. Jeder definiert sich da anders. Klar gucke ich auch

Bei mir in der Abteilung sind auch einige Techniker die mehr als die Ings verdienen, wir sind keine Tarifbude, also hat jeder das Glück in guten oder schlechten Zeiten eingestiegen zu sein und dabei entsprechend sein Gehalt verhandeln zu können.

Aus meiner Sicht ist das erste Gehalt nach der sgT Ausbildung auch nicht relevant, man kann da eigentlich noch nichts außer Prüfungen bestehen, der Benefit für den AG ist eher gering. Entscheidend ist was nach ein/zwei Jahren passiert, da muss man oftmals den AG wechseln um voran zu kommen oder auch um andere, besser bezahlte Aufgaben zu bekommen.

Gruß
jerenekasi
 
Zuletzt bearbeitet:
Also ich arbeite in einem nicht an den Tarif gebundenen Unternehmen. In der Textilbranche sowieso schwierig zu finden.

Gehälter nach Region zu verhandeln ist für mich schwachsinnig. Versuchen die Personaler natürlich gerne aber ich verhandle für mich selbst und nicht für Sachsen. Amazon bietet ein Buch in Thüringen auch nicht günstiger als in München an.

Genauso wie die Sache mit dem Lohngefüge. Wenn andere für weniger in einem Betrieb arbeiten muss ich das doch nicht.

Alles Augenwischerei und Schöngerede eines eventuell niedrigen Gehaltes.

Momentan hab ich 90000 Euro Jahresbrutto ohne Firmenwagen (Mittelfranken). 30 Tage Urlaub und 40 Stunden Woche mit Zeitkonto. Zugegeben arbeite meist mehr.

Jetzt wollte mich ein großer oberfränkischer Textiler abwerben und ich hab mir mal den Spaß gegeben und bin zum unverbindlichen Gespräch hingegangen.

Deren großzügiges Paket wäre gewesen 45000 Jahresbrutto, 24 Tage Urlaub und 43 Stunden Woche mit Zeitkonto.

Hab dann wirklich gefragt ob sie mich beleidigen wollen bzw. warum sie unser beider Zeit verschwenden. Übrigens ein 1000 Mann Unternehmen.

Aber gibt jetzt bestimmt wieder jemand ohne Rückgrad der so ein Paket annimmt und damit anderen Technikern in den Rücken fällt. Das er damit solche Unternehmen in ihrem Handeln auch noch bestätigt und sich langfristig selbst schadet sieht er nicht.
 
Naja du hattest halt Glück bei der Wahl deines Arbeitgebers bzw. das Glück dort über ne Leihbude hinzukommen. Andere haben das nicht.

Das ist ein bisschen so wie mit dem Glück in Deutschland geboren zu sein und nicht in Simbabwe...

Was soll denn der sgT ohne Job machen, wenn er nur Angebote unter 45.000 EUR auf dem Tisch hat? In die Arbeitslosigkeit gehen? Oder soll er sich bei dir melden und du vermittelst dann einen Job ab 70.000 aufwärts?

Wer im schon Speck sitzt hat jedenfalls immer leicht reden, dass alle anderen da auch reinkommen sollen. Leider ist der Platz im Speck begrenzt, nicht jeder sgT kann 90.000 EUR verdienen...
 
Da stimme ich dir auch vollkommen zu. Hatte Glück und es kann auch jeden Tag anders werden.

Aber wer flexibel ist und sucht kann schon mal was reißen. Ob ich nun in BaWü oder NRW für ein paar Jahre wohne ist auch egal. Ganz im Gegenteil ... ist auch für die persönliche Entwicklung gut.

Und für 35k braucht keiner den Techniker machen. Da kann man sich den Stress sparen.
 
Naja du gehst halt wie selbstverständlich vom 25jährigen Single aus, der nach seiner Berufsausbildung den Techniker macht. Der kann natürlich von MeckPomm nach BaWü ziehen.
Was aber ist mit dem 30jährigen, der verheiratet ist, evtl. schon Kinder hat, evtl. ein Haus und wo die Eltern in der Nähe wohnen und die Frau arbeiten geht? Der kann ja nicht mal eben sein Haus verkaufen und umziehen. Da hängt ne ganze Menge mehr dran...

Und ganz bitter finde ich deinen letzten Satz, denn der zeigt, dass du nicht verstanden hast, was auf uns zukommen wird. Natürlich lohnt der Stress auch für 35.000 EUR. Denn je weiter der Fortschritt geht, desto höher müssen die Arbeitnehmer qualifiziert sein, um überhaupt noch einen vernünftig bezahlten Job zu finden. Facharbeiter braucht irgendwann keiner mehr oder nicht in dem Umfang wie heute...

Ich hatte das schonmal woanders gesagt, es ist eine Rolltreppe... Wer sich nicht weiterqualifiziert/weiterentwickelt fährt langsam und stetig bergab Richtung Ausgang...
 
Ja genau... die liebe Rolltreppe.

Warum gibt es diese eigentlich? Genau, weil sich Leute ausspielen lassen und sich immer billiger verkaufen.

Heute sitzt ein BWL-Master auf einer Stelle für einen Industriekaufmann. Warum? Weil der Master es sich mit machen lässt. Schade nur das er damit dem Industriekaufmann den Job wegnimmt und sich selbst degradiert.

Aufgrund fehlender Solidarität schadet man sich selbst. Und das Märchen vom Fachkräftemangel ist ein wunderschönes Werkzeug um das Überangebot an billigen hochqualifizierten Kräften sicherzustellen.

Das sei mal allen gesagt die sich freiwillig dem Lohndumping hingeben.

Wird eines Tages noch so kommen wie bei den LKW Fahrern. Dann sitzt der Rumäne in der Buchhaltung oder Konstruktion während der Deutsche ihm zuarbeitet.
 
Kann es evtl. auch sein, dass die Tätigkeiten anspruchsvoller bzw. komplexer werden? Vor 40 Jahren konntest du noch alles was die Elektrotechnik bietet in 4 Jahre packen. Heutzutage muss man selbst einzelne Fachgebiete schon spliten, weil man sonst die Themen nicht mehr rein kriegt...
 
Mal abgesehen davon, dass man bei 40.000 EUR Brutto nicht davon sprechen kann, dass man schlecht verdient... Wie willst du das Lohnniveau denn anheben? Guck doch mal ins europäische Ausland, dort ist das Lohnniveau höher. In Frankreich zum Beispiel liegt allein schon der Mindestlohn bei deutlich über 10 EUR. Und? Was ist die Folge? Die Wirtschaft ist schwach, die Arbeitslosigkeit ist hoch... Toll...
 
Na ja, wenn die Löhne steigen schwinden die Gewinne der Unternehmen.

Die Arbeit muss gemacht werden und alles hat seinen Preis. Dieser sollte von den Angestellten entsprechend hoch gehalten werden.
 
Wenn ich was zu sagen hätte wäre der Mindestlohn bei 12,50 Euro. Dazu noch Abschaffung der Lohndumping - Tricks. Damit auch wieder ein DHL - Bote eine gewisse Lebensqualität hat.
 
Hilft auch nix. Dadurch erhöhen sich automatisch die Preise beim Friseur, im Supermarkt, beim Versand, usw. Am Ende wird das mehr an Geld aufgefressen, weil alles entsprechend teurer wird. Auch die Vermieter ziehen dann ihre Mieten an usw.
Es ist ein Nullsummenspiel...

Und große Konzerne mit hohen Gewinnen zahlen doch schon gut?
 
Hilft auch nix. Dadurch erhöhen sich automatisch die Preise beim Friseur, im Supermarkt, beim Versand, usw. Am Ende wird das mehr an Geld aufgefressen, weil alles entsprechend teurer wird. Auch die Vermieter ziehen dann ihre Mieten an usw.
Es ist ein Nullsummenspiel...

Und große Konzerne mit hohen Gewinnen zahlen doch schon gut?
Das ist, mit Verlaub, Quatsch. Im Umkehrschluss müsste vieles bei sinkenden Löhnen günstiger werden. Dass das nicht so ist, haben wir seit Einführung der Agenda 2010 feststellen können. Die Löhne sind gefallen bzw. stagniert. Was hingegen gestiegen ist, sind die Gewinne der Unternehmen. Tipp: Fahre doch mal in Regionen mit niedrigen Löhnen und vergleiche das Lebensgefühl der Menschen mit dem in wirtschaftlich erfolgreichen Regionen mit hohen Löhnen. Ich kenne beide Seiten sehr gut und maße mir mal an ein Urteil darüber bilden zu können:

Ein deutlich(!) höherer Mindestlohn würde die Schere zwischen arm und reich ein Stück weit schließen. Höhere Löhne führen natürlich auch zu lokal höheren Preisen, jedoch hat die breite Masse einfach "mehr in der Tasche". Dadurch ist mehr Geld im Umlauf, was letztlich allen zugute kommt.
Was wurde vor der Einführung des aktuellen Mindestlohn gejammert und gewettert - nichts von dem ist eingetreten! Wer sein Geschäftsmodell auf Niedriglöhnen aufbaut, gehört vom Markt. Punkt aus.
 
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