Drehmoment Gewinde mit und ohne Fett

Hallo zusammen,

ich habe eine theoretische Frage. Ich habe gelesen, dass wenn man ein gefettetes Gewinde mit dem Drehmoment welches angegeben ist für nicht gefettete Gewinde zerstören kann. Ist dem wirklich so?

Angeommen man ein Gewinde (M10) aus Aluminium in welches man z. B. eine Glühkerze oder Zündkerze mit 15 Nm Drehmoment eindrehen soll. Um wie viel müsste das Drehmoment reduziert werden, wenn Fett im Gewinde ist?

Lässt sich das berechnen oder ungefähr abschätzen? Gerne würde ich die Theorie dahinter auch verstehen (daher wäre ich auch über Suchbegriffe dankbar womit ich weiterlesen kann).

Danke euch!
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
wenn man ein gefettetes Gewinde mit dem Drehmoment welches angegeben ist für nicht gefettete Gewinde zerstören kann. Ist dem wirklich so?
So ist es,
und z.B. bei LKW-Radmuttern ist mir das auch schon praktisch untergekommen.
Wie heikel das ist, wird natürlich immer davon abhängen, wie grenzwertig die Auslegung der Verschraubung ist,
aber wenn man bedenkt, dass bei einer UNgefetteten Verschraubung nur ca. 10% über die Keilwirkung in Zugkraft umgesetzt wird,
kann man sich leicht vorstellen, dass gefettet die Zugkraft verdoppelt oder verdreifacht wird.
Deshalb einfach nur 1/3 des Drehmomentes zu wählen, wäre allerdings ein überspannter Ansatz!

Ein Zündkerzen- oder Glühkerzengewinde solltest du jedoch auf keinen Fall einfetten,
da das Fett bei den dort auftretenden hohen Temperaturen verkleben kann
und du den eingeschraubten Teil nicht wieder rausbringst.

P.S.: Ich habe gute Erfahrungen mit Graphit auf Zündkerzengewinden gemacht.
Damit der Staub auch für die Montage hält, kurz das Gewinde anlecken.
 
Guten Morgen,

danke für deine Antwort. Du sagst, dass 10% der Kraft nur über die Keilwirkung erreicht werden d. h. die anderen 90% sind Reibungskräfte zwischen den Materialien die durch das Fett gemindert werden?

Wie würde man in einem solchen Fall Fett wieder vom Aluminiumgewinde bekommen? Greift Alkohol das Gewinde an?

Danke für die Info :)
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Soweit ich mich erinnere, gehen ca. 90% des Drehmomentes
zu in etwa gleichen Teilen in der Reibung im Gewinde und unter dem Schraubenkopf/der Mutter "verloren".
Diese 90% werden durch das Fetten verringert, sodass ein höherer Prozentsatz für den "Keil" übrigbleibt.
Wie würde man in einem solchen Fall Fett wieder vom Aluminiumgewinde bekommen?
Alkohol greift kein Alu an,
aber ich würde handelsüblichen Entfetter ("Bremsenreiniger") nehmen
und ggf. ein bissl bürsten.
 
Vielen vielen Dank für dein Tipp! Ich habe noch eine letzte Frage: Wenn man jetzt z. B. eine gefettete Glühkerze in ein Gewinde mit 14 Nm Drehoment eingeschraubt, für das ein maximales Drehmoment 17 Nm beträgt (ungefettet) woran erkennt man ob das Gewinde kaputt ist? Klar man würde es erkennen wenn Gewindegänge los sind. Aber nehmen wir mal an, dass das nicht der Fall ist. Kann das Gewinde beschädigt sein und nicht mehr den Kräften stand halten ohne dass man es direkt sieht oder würden Gewindegänge einfach bei Überlastung herausreisen?

Denkst du dass so ein Gewinde dann kaputt wäre mit 14 Nm gefettet anziehen anstelle von 17 Nm ungefettet?

Danke und einen schönen Abend :)
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Nein, das denke ich nicht:
Die Kerze wird doch nicht bis zur Grenze der Materialbelastbarkeit angezogen,
sondern bloß so, dass ihre Dichtung dicht ist und die Kerze schön drin bleibt.
Nachdem das ein hohler Metallteil (mit einer Porzellanfüllung) ist,
soll der natürlich auch nicht beim Eindrehen beschädigt sein.
M14 ist ja eh mächtig fett: Meine Duke hat 8mm-Kerzen!

FALLS das Kerzengewinde kaputt sein sollte (das erkennt man an Aluspänen in den Kerzengewindegängen),
dann ist das auch kein Maleur:
Das kann man preisgünstig (und haltbarer als Original!) mit Helicoil-Einsätzen reparieren,
wobei ich (wenn genug Fleisch da ist) Gewindebuchsen vorziehe.
 
Ein Zündkerzen- oder Glühkerzengewinde solltest du jedoch auf keinen Fall einfetten,
da das Fett bei den dort auftretenden hohen Temperaturen verkleben kann
Deswegen Kupferpaste. Hier geht man für gewöhnlich auch über den Winkel, nicht über das Drehmoment.

Damit der Staub auch für die Montage hält, kurz das Gewinde anlecken.
Eine Zündkerze in den Mund nehmen...? Und wie ist das mit anderen Körperöffnungen oder Exkrementen?
 

derschwarzepeter

Mitarbeiter
Auf eine Zündkerze würde ich auch keine Kupferpaste draufpappen (leitend!).
Bei einer Glühkerze wäre ein Hochtemperaturfett mit Festschmierstoffanteil vielleicht möglich,
aber NOTWENDIG ist das nicht.
Bei den Kerzen nehmen wir Graphit, weil man die beim "Eindüsen" (Motortuning) doch OFT rausgenommen hat.
Statt die Kerzen im hygienisch cleanen Neuzustand einmalig in ihrem Leben und auf einem schmalen Streifen anzulecken,
könnte man auch andere zackig verfügbare, gut zart dosierbare und relativ spurlos eintrocknende Flüssigkeiten wählen,
- natürlich auch Körperflüssigkeiten -,
aber Exkremente musst du in DEINEN Motor spachteln.
 
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