Altes hält länger?

Dieses Thema im Forum "Technik" wurde erstellt von blauerwal, 8 Jan. 2013.

  1. Hallo!

    Ich habe mich erst vor kurzem hier angemeldet und beanspruche direkt eure Kenntnisse - ich hoffe das ist okay :).

    Also mir ist etwas aufgefallen und zwar aus Erzählungen und aus Erfahrungen, wo ich mir die Frage stelle, wieso das so ist.
    Mein Fahrlehrer hat mir damals erzählt, dass heutzutage alles viel zu schnell kaputt geht. Früher zum Beispiel, meinte er, hat er (übertrieben gesagt) gegen ein Auto mit einem Hammer geschlagen und es funktionierte alles einwandfrei.
    Auch höre ich öfter, dass eine alte Waschmaschine oder Spülmaschine viel länger halten würde als der Schrott, den man heute bekommt.
    Ich habe damit auch Erfahrungen gemacht. Zwar nicht mit Haushaltsgeräten oder Autos, aber mit meiner Spielkonsole: Meine alte PS1 und N64 halten heute noch. Und das, obwohl sie schon sehr ofter heruntergefallen ist und meine Schwester praktisch darauf rumgetrampelt hat. Inzwischen ist aber die viel neuere PS3 kaputt gegangen und auch lese ich öfter, dass die Xbox u.ä. viel schneller kaputt gehen als ältere Konsolen.

    Doch woran liegt das? Liegt es daran, dass die Hersteller das mit Absicht machen, damit sich der Nutzer in Zukunft ein neues Modell kauft? Oder liegt es an der übermäßigen Technik, die mittlerweile überall steckt?

    Eventuell kann mir das jemand erklären, es widerlegen oder sogar bestätigen?
    Ich bin gespannt :).

    Vielen Dank schonmal!
     
  2. AW: Altes hält länger?

    Also DAS kannst du auch heute noch nach Herzenslust machen! :LOL:

    Spatz beiseite:
    Da ist schon was dran,
    aber das ist nicht UNBEDINGT schlecht
    und es ich auch nicht UNBEDINGT die böse Industrie dran schuld!

    Dein Auto hat eine Karosserie aus weit dünnerem Blech, als es vor 30...40 Jahren üblich war
    und (zumindest die Karosserie) ist damit nicht nur leichter und das Auto in der Folge sparsamer (trotz mehr PS),
    sondern auch noch sicherer.
    Außerdem ist einem heutigen Auto eine Unmenge an für´s Fahren nicht wirklich nötigem Zeug eingebaut
    (Bordcomputer, Klimaanlage, elektrisch verstellbare Aussenspiegel, -Sitze und weiss Gott sonst noch was)
    und trotzdem kostet´s (inflationsbereinigt) alle 20 Jahre nur die Hälfte (so man nicht den Namen bezahlt).
    Heute können wir mittels auch Sprachausgabe erfahren, dass die Servicefrist jetzt endgültig überschritten ist
    und der Bolide erst wieder anspringen wird, nachdem der Reset in einer Vertragswerkstätte erfolgt ist.
    Welch ein Trost in der Nacht im Regen im Gebirge in Montenegro!

    Die alte Waschmaschine hat man nach ein paar Jahren reparieren lassen,
    was soviel gekostet hat, wie heutzutage eine neue und was sonstige Haushaltsgeräte betrifft,
    so ist die Zeit bzw. die technische Entwicklung so schnelllebig geworden,
    dass man einen 10 Jahre alten Computer nicht einmal mehr den Kindern schenken kann,
    sondern nur auf den Mistplatz bringt.
    2001 hab ich mir um ein Schweinegeld einen 82 cm-Röhren-Fernseher mit 50 kg (!) gekauft;
    heute bekomm ich einen gleich großen um 20% der Summe
    (mit einem Haufen mehr oder weniger nützlicher Zusatzfunktionen)
    oder um genauso viele Eier einen mit doppelt so großer Mattscheibe,
    der dennoch nur 7 cm dick ist.

    Zu Zeiten, wo die ersten Spielkonsolen auf den Markt gekommen sind,
    haben die Lenkwaffen-Entwickler der ganzen Welt nur von der Rechnerleistung einer PS3 geträumt
    und dass dort Elkos eingebaut sind, die nur knapp länger als die Gewährleistung halten,
    muss man als Techniker ja auch nicht unbedingt dem Hersteller ankreiden.
    Von einem Smartphone hat vor 10 Jahren jedoch nicht mal Mr. Q (Erstausrüster von 007) phantasiert.

    Garstig finde ich jedoch die Lebensdauer beschränkende Maßnahmen,
    die durch die Software realisiert werden, wie man´s z.B. bei billigen Druckern findet
    oder dass billige, leicht entsorgbare Lowtec-Lösungen wie Glühlampen
    durch hoch-umweltrelevante (Quecksilber, Leuchtstoff, Kupfer, Elektronik, ...) Energiesparlampen
    oder sogar erbärmlich konstruierte LED-Funzeln mit gleichfalls erbärmlicher Lebensdauer ersetz werden müssen.


    Als Konsument hat man´s halt weitgehend in der Hand,
    aber die Mehrzahl der Leute springt halt allzu gern auf den Zug des ach so tollen Neuen auf
    und die Entwicklung bzw. Produktion reagiert darauf - den Gesetzen des Marktes gehorchend.
    Warum hast denn DU eine PS3 zum Kaputtgehen zu Hause,
    während die PS1 in der Schublade schlummert?
     
    derschwarzepeter gefällt das.
  3. AW: Altes hält länger?

    Servus,

    also mein erstes Auto war über 14 Jahre alt und hatte keine Macken. Mein jetziges Auto (18 Jahre später...) ist jetzt auch über 14 Jahre alt, hat aber bedeutend mehr Macken! Von daher könnte man meinen Du hast recht. Aber wenn man mal die zwei Autos vergleicht, relativiert sich das recht schnell. Die erste Karre war ein VW Jetta ohne jeglichen Schnickschnack. Mein jetziges Auto (VW Passat) hat allen möglichen elektrischen/elektronischen Kram, der zwar nett ist, aber nicht unbedingt nötig. Und genau das (vermehrt eingebaute) Zeugs geht Kaputt! Je mehr eingebaut ist desto mehr kann (und wird) auch kaputt gehen.

    Ich denke dass es in den meisten Fällen keine Absicht ist, dass die Geräte den Dienst versagen, sondern nur die Tatsache dass immer mehr in gleicher Baugröße verbaut wird. Und je mehr verbaut wird, desto mehr geht halt Kaputt!

    Z.B. in der Automobilindustrie werden die Prüfbedingungen immer schärfer und nicht schwächer!

    Das gleiche hat man auch bei Haushaltsgeräten. Was kann denn an einer 20 Jahre alten Waschmaschine schon kaputt gehen? Ein Motor, eine Platine und ein paar Relais. Das wars dann schon. Und heute? Vollgestopft mit Elektronik!

    Alles in allem würde ich behaupten dass es nur an der Anzahl der verbauten Einzelteile liegt. Deine PS1 hat ja kaum Bauteile. Die PS3 dagegen ist vollgestopft mit Bauteilen. Und wenn nur eines davon defekt ist, tut die PS3 nix mehr.

    Gruß
    Daniel
     
  4. AW: Altes hält länger?

    Gute Antworten bisher. Danke :).
    Also liegt es eurer Meinung nach eher an dem ganzen SchnickSchnack und den übermäßigen Funktionen? Denn: Je mehr drin ist, desto mehr kann kaputt gehen. Das ist natürlich verständlich.

    Doch ist es so, dass Elektronik von früher nicht besonders empfindlich war? Oder irre ich mich da.
    Wer im Netz auf bestimmten Seiten unterwegs ist, der wird sicher auf den Mythos stoßen, dass das Nokia 3510 unzerstörbar ist. Selbst der Bildschirm hält extrem viel aus.

    Die Technik entwickelt sich immer weiter - aber wird sie auch robuster?

    Bei einer PS3 hat man halt den Vorteil, dass immer noch Spiele dafür entwickelt werden. Bei einer PS1 ist dies ja leider nicht mehr der Fall. Außerdem passt sie einfach nicht mehr zum Fernsehstandard.
     
  5. AW: Altes hält länger?

    Was die Autos betrifft, hatte man vor Jahrzehnten nicht die Möglichkeit mittels Simulationsprogammen auf die Umdrehung genau auszurechnen, wann der Motor schlapp macht - also dreifache Sicherheit und nochn bissl dazu - soll ja Qualitätsarbeit sein.
    Meine Samstage verbringe ich meist mit meiner "Jugendliebe" Nutzfahrzeuginstandsetzung. ein Beispiel:
    Erstaunlich, dass ein Lenkgetriebe bei einem "neuen" LKW 20 Jahre früher schlapp gemacht hat, als das des entsprechend älteren Vergleichsfahrzeuges. Das nenne ich Fortschritt! Oder der Kardanwellendichtring am Differential: genau 3 Tage nach Ablauf der Gewährleistungsfrist! Das muss man erstmal hinbekommen.

    Von dem Elektronikschrott möchte ich gar nicht erst anfangen - die meisten Kfz-Schlosser sind damit hoffnungslos überfordert und wenn eine Steckverbindung korrodiert ist, wird gleich das Zentralsteuergerät komplett mit Hauptkabelbaum ausgetauscht ... in der Hoffnung, dass bei diesem Rundumschlag der wackelige Stecker mit bewegt wird und der Fehler vorläufig behoben scheint ... bis zum nächsten Wetterumschwung.

    Meine Hausgeräte besitze ich inzwischen seit 2 Jahrzehnten und etlichen Umzügen. 3 mal Keilriemen an Waschmaschine bzw Trockner - einmal Kohlen. Spülmaschine einmal Laugenpumpe gereinigt.

    Meine Sekretärin hat in deutlich weniger Jahren bereits 3 Waschmaschinen neu gekauft - die zuverlässig nach Abzahlung der jeweils letzten Rate auch ihren letzten Seufzer von sich gegeben haben.

    Mehr zu diesem Thema:

    http://de.search.yahoo.com/search?p=geplante+obsoleszenz&ei=UTF-8&fr=moz35
     
  6. AW: Altes hält länger?

    gab auch mal einen guten Film darüber "Kaufen für die Müllhalde" oder so...

    Ich sehe gerade im IT-Bereich wie ungeheuer schlecht mit den natürlichen Ressourcen umgegangen wird, von Druckern mit Zählern die die Lebensdauer künstlich verkürzen, Teilen die nicht getauscht werden können und Elektrolytkondensatoren die offensichtlich so Dimensoiniert werden das sie recht bald nach ablauf der Garantiezeit platzen.
    Genauso Software, unfertig auf den Markt geworfen und für ne kurze Zeit werden Patche drauf geworfen als hätte man mit seinem Computer nichts anderes vor als den zu Patchen - Stell dir mal vor, du hast seit 3 Monaten keine Meldung mehr bekommen, das ein neues Update zur verfügung steht, da kommt dir doch sicherlich auch schon etwas komisch vor oder?!? Und dann wird die neue Version raus gebracht und die alte nicht mehr Supportet, sprich schon wieder Geld ausgeben für sehr zweifelhafte neue Features.
     
  7. AW: Altes hält länger?

    Nicht ganz. Das mit mehr Technik und das es daher störanfälliger wird stimmt schon. Aber es wird auch bewusst Müll eingebaut. Das ganze hat sogar einen Namen -> Geplante Obsoleszenz.
    Das letzte was ich zu diesem Thema noch mitbekommen habe war, dass ein Druckerhersteller einen 10Cent-Chip verbaut hat, welcher das Gerät bewusst nach der Garantiezeit in Störung gehen lässt. Ich selber kenne davon auch so ein paar Stories. Aber die erzähl ich lieber nicht hier im öffentlichen Raum o_O:)
     
  8. AW: Altes hält länger?

    Ja, das mit der geplanten Obsoleszenz ist sicher ein Reizthema
    und was die Drucker betrifft, genaugenommen krimineller Betrug am Kunden.
    An den Pranger mit diesen Firmen; man sollte die weltweit boikottieren :thumbsdown:
    oder auch mit Scheinen bezahlen, die sich nach Stunden selbst zerstören! :whistle:

    Das gerne gebrachte Beispiel mit dem Phoebus-Kartell ist aber,
    wenn man ein bisschen technischer Insider ist,
    ein denkbar schlechtes - ich zitiere Wikipedia:
    Dass die meisten heute erhältlichen Standardglühlampen nicht länger als durchschnittlich 1000 Betriebsstunden halten,
    wird seitens der Industrie
    (zurecht meint DSP) mit einem Kompromiss zwischen Lebensdauer und Lichtausbeute begründet.
    Für Spezialanwendungen wie bspw. Verkehrsampeln existieren Lampen mit erhöhter Lebensdauer
    ,
    sie benötigen bei gleicher Lichtausbeute jedoch mehr elektrische Energie als vergleichbare Allgebrauchsglühlampen.

    Gleichfalls kann man Glühlampen (z.B. als Projektor- oder Filmlampen) kaufen,
    die zwar bei geringem Stromverbrauch mächtig viel und sehr schön weisses Licht hergeben,
    aber deren geplante Lebensdauer u.U. sogar in einstelligen Stunden bemessen wurde.

    Als Techniker bewegt man sich da eben in einer Schere zwischen Wirkungsgrad und Lebensdauer.
    Das zu standardisieren, d.h. 60W-Lampen verschiedener Hersteller mit gleichen Daten kaufen zu können,
    ist ja doch sehr wohl im Sinne des Konsumenten:
    ie hätten sonst nach einigen Jahren nur mehr die langlebigen, stromfressenenden Funzel-Glühlampen im Einsatz,
    weil die sparsamen, hellen früher verstorben und irgenwann dagegen ausgetauscht wurden.
    Das ist ja auch nicht der Sinn der Sache, oder?

    An der Sache mit den vielen Einzelteilen ist allerdings etwas dran,
    auch wenn es da durchaus wirklich sinnvollen technischen Fortschritt gibt.
    Mann, die Kulissenschalter der alten Waschmaschinen waren eine elendigliche verschleissempfindliche Fehlerquelle
    und der Kontaktzündung weinen nur hoffnungslose Nostalgiker mit eigener Ölquelle nach:
    DA hat die moderne Elektronik wahrlich Großes geleistet!

    Wer sich jedoch schon mal nachgedacht hat,
    wie denn die MTBF (Mean Time Between Failure also mittlere Betriebsdauer zwischen Ausfällen)
    komplexer Konstrukte ermittelt wird (durch Multiplikation der Verfügbarkeiten der Komponenten),
    dem wird schnell klar, dass man trotz gewaltig verbesserter Haltbarkeit der einzelnen Bauteile
    erschütternd kurze Lebensdauer erzielt, wenn man nur eine genügend große Anzahl davon einbaut.
     
  9. AW: Altes hält länger?

    Servus,

    das hier habe ich gestern zufällig im Fernsehen gesehen. Sehr interessant das Interview ab 06:30.

    Da kommt man sich doch echt verar...t vor!

    Gruß
    Daniel
     
  10. AW: Altes hält länger?

    Hallo Vespacracker.

    Ich habe den Beitrag ebenfalls gesehen und war ziemlich erstaunt über den Zufall.
    Dieses Murks? Nein Danke Projekt ist wirklich gut. Und ja, man kommt sich wirklich vera**** vor.
    Aber wie in dem Beitrag gesagt wird: Bei einem langlebigen Produkt ist der Markt irgendwann gesättigt und es besteht keine Nachfrage mehr. D.h. für die Wirtschaft ist dies ein großes Manko. In diesem Fall ist das natürlich nachvollziehbar, aber als Endverbraucher denke ich mir: Was soll der Mist? Das Potenzial ist da, es wird aber nicht genutzt :eek:.
     
  11. AW: Altes hält länger?

    Wir haben hier ja einen Haufen Spitzentechniker, wäre es nicht mal eine Idee nach dem OpenSoure-Prinzip Geräte auf den Markt zu bringen die ohne gezielte Schwachstellen ausgestattet sind und so modular aufgebaut sind das Teile oder Baugruppen getauscht werden können?

    Unserer Umwelt wären wir es schuldig.

    Mir klappen die Fußnägel hoch, wenn ich sehe was da an ressourcen und Energie (für die Produktion und Rohstoffgewinnung aufgewandt) in den Müll wandert. ca. 80% der Energie die ein PC während seines Produktlebens verbraucht wird, geht für die Herstellung drauf nur 20% gehen für den Betrieb selbst drauf. Ich hab auch mal einen Bericht gelesen, wonach ein Notebook eigentlich im verhältnis zur Produktion und Entsorgung etwa 80-Jahre lang halten müsste. (die genauen Berechnungsgrundlagen habe ich nicht mehr)

    Die herangehensweise von dem "Murks? Nein Danke" Gründer, der meint das man bei jedem Gerät sich schriftlich zusagen lassen solle das man nach 5-Jahren noch Ersatzteile bekommen können soll, halte ich für etwas weltfremd.
    Im Computerbereich gibt es einige ausnahmen wo eine "Langzeitverfügbarkeit" oder "Stabile Plattform" beworben wird, aber das beläuft sich üblicherweise auf 3-Jahre und ist für Firmen gedacht die eine Homogene Infrastruktur haben möchten. Dann ist immer zu beachten ab wann diese 3 Jahre laufen (ob davon vielleicht schon 2 Jahre um sind ;-) Ist aufgrund der schnellen Produktzyklen und der üblichen Leasinglaufzeiten auch selten länger gefordert.

    Wo ich begeister bin, sind z.B. Tougbooks, da ist alles auf Langlebigkeit und einfache austauschbarkeit ausgelegt.
    Alles geschraubt und nicht geklipst mit dünnem Plastik-Schrott. Sehen halt nur nicht so elegant aus und haben keine Klavirlack oberfläche.
     
  12. AW: Altes hält länger?

    Liebe Kollegen,
    ich sag´s ja wirklich nicht gerne,
    aber es ist, wie es ist, ausschließlich
    weil wir* es so wollen
    und aus keinem anderen Grund.
    *) die Konsumenten (zumindest die meisten)

    Würden wir Kosumenten beim Kaufen mehr Wert auf Langlebigkeit und einfache Reparierbarkeit legen
    und statt dessen moderneres Äußeres (das Innere ist ohnehin oft jahrelang der gleiche Schrott),
    mehr oder weniger neue Features, mehr Geschwindigkeit, sparsameren Umgang mit Betriebsstoffen, ...
    NICHT als Kaufkriterium werten,
    dann würden die Hersteller selbstverständlich darauf reagieren, sonst würde sie der Markt abstrafen.

    Ein weiterer möglicher Ansatz wäre, gesetzliche und normative Vorgaben zu schaffen,
    die Lebensdauer (Garantie), Reparierbarkeit (Schnittstellen zwischen Baugruppen) vorschreiben
    und diese Vorschriften (Gesetze) auch entsprechend zu exekutieren.
    Da wäre die Politik gefragt, die in einer Demokratie ja auch letztendlich der Konsument ans Ruder bringt:
    Wir haben die Politiker, die wir verdienen. (... verdammt!)
    :(
    Fakt ist jedoch:
    Der durchschnittliche Konsument ist zu ... äh ... kurzsichtig
    und lässt sich von Werbung viel zu leicht manipulieren,
    d.h. dazu verlocken, neuen Schrott zu kaufen
    und ob man da den Akku tauschen kann,
    interessiert ihn überhaupt nicht.
    :D
    Auch wenn es ketzerisch klingt,
    möchte ich die Hersteller völlig aus der Verantwortung entlassen:
    Selbstverständlich machen die unter Konkurrenzdruck ihre Produkte so billig wie möglich;
    verröcheln diese während der Garantie, so trifft es ihn dort, wo´s weh tut;
    überleben sie die Garantiezeit, war das richtig dimensioniert.
    Ja, ich möchte sogar so weit gehen,
    dass das nahezu gleichzeitige Kaputtgehen mehrerer Komponenten komplexer Konstrukte (z.B. von Autos)
    nach Ablauf der geplanten Lebenszeit ein Zeichen einer sehr guten Konstruktion mit richtiger Dimensionierung ist!
    Warum sollte man Geld für einen Automotor ausgeben, der 1 Mio. km hält (aber teuer, schwer und wenig sparsam ist),
    wenn die Karossererie oder die Inneneinrichtung nach 10 Jahren (~100.000 km) so ausschaut,
    dass man das gern neu haben möchte?
    :thumbsup:
    Wer da nicht mitmachen will, kann meist erfolgreich dagegen rudern:
    Einstmals teure, (einstmals) große Röhrenfenseher (prima und nahezu ewig reparierbar)
    sind heute um einen Appel und ein Ei aus der Bucht zu fischen,
    gutes Werkzeug, das ein Leben lang hält, produzieren einige Hersteller
    und vom Landrover Defender laufen angeblich noch 2/3 (in Worten zwei Drittel) aller jemals erzeugten Fahrzeuge.
    (... wenn mir nicht vom Autozangeln so grausen täte, würde ich mir einen schnappen.)
     
  13. AW: Altes hält länger?

    Für Mercedes Nutzfahrzeuge bekomme ich noch heute für "Oldtimer" bei jeder MB-Niederlassung Ersatzteile. Es geht also - wenn man möchte. Nicht umsonst ist MB-NFZ ein Exportschlager. Ist halt etwas teurer, als Iveco, der nach 5 Jahren komplett Schrott ist und da braucht auch keiner mehr Ersatzteile für.

    Im Computerbereich habe ich schon oft erlebt, dass ich bereits nach einer Woche nicht mehr die gleichen Komponenten beziehen konnte. Wenn der Schiffscontainer aus Fernost leerverkauft wurde, gibts das eben nicht mehr.

    Der hat aber ein total unsteilisches Dissain und null Fietschers ...
     
    pleindespoir gefällt das.
  14. AW: Altes hält länger?

    Servus,

    na ja, das Problem bei "Otto Normalverbraucher" ist doch dass er gar nicht beurteilen kann ob etwas robust ist oder nicht! Und selbst mit einer besseren Wissensgrundlage als Techniker kann ich bei den meisten Artikeln auch nicht von außen sagen ob die lange halten oder nicht.
    Selbst wenn ein Gegenstand von außen total "billig" wirkt kann doch das Innenleben total perfekt sein. Umgekehrt gilt das natürlich auch.
    Und bei Elektronik hört es doch schon komplett auf.

    Momentan bin ich in einem Projekt bei einem großen Automobilzulieferer. Wir werden da mit Forderungen Seitens des Kunden gequält, die jenseits von gut und böse sind! Und dann verbaut der Kunde die hochqualitative Komponente in ein Auto ein dass nur auf 100000km ausgelegt ist obwohl die Einzelkomponente mindestens das dreifache könnte?
    Das macht doch keinen Sinn! Der Kunde könnte die Komponente doch günstiger haben wenn er von vornherein sagt dass die nur 100000km halten muss. Von daher kommt mir die Sache mit der 100000km-Auslegung doch etwas komisch vor.

    Gruß
    Daniel
     
  15. AW: Altes hält länger?

    Hallo,
    das ist Teil einer gezielten Produktstrategie.
    Die Haltbarkeit verkürzen, damit neue Produkte gekauft werden.
    So habe ich z.B. einen Bericht gesehen, wo bei einem Druckerfabrikat nach 18.000 Druckseiten eine gewollte Fehlermeldung einprogrammiert war und den Drucker stillegte. Der Anwender hat sich dann aus dem Netz ein Programm beschafft, mit dem er den Drucker wieder auf "Null" setzen konnte und siehe da, er arbeitete problemlos weiter.

    Das beste Beilspiel ist aber das Glühbirnensyndikat. Das gibt es schon etwa seit Anfang ca. 1900. Die Birnen wurden systematisch in der Lebensdauer auf etwa 1000 h herunterentwickelt, obwohl sie viel länger halten könnten. Firmen, die sich nicht daran hielten, mußten an dieses Syndikat Strafzahlungen entrichten.
    Diesem Syndikat gehörten alle Glühbirnenhersteller in Europa und den USA an und es existiert heute noch.
    Es gibt in NY eine Kohlefadenbirne, die schon 100 Jahre funktioniert (OK, die Leuchtkraft ist stark gesunken aber sie funzt halt immer noch).
    Es ist also Absicht, um Umsatz zu machen.

    Gruß:
    Manni
     
  16. AW: Altes hält länger?

    Mannis Drucker ist das klassische Beispiel der geplanten Obsoleszenz:
    Sowas muss einfach publik gemacht werden, damit das den Hersteller auch im hochpreisigen Segment trifft.
    Ich würde von dem auch kein "besseres" Produkt kaufen wollen! :mecker:


    Das Glühlampenkartell ist dafür jedoch ein schlechtes Beispiel - auch wenn es immer wieder herhalten muss.
    Es gibt eben einen naturgesetzlichen Zusammenhang zwischen Lebensdauer und Lichtausbeute einer Glühlampe
    und der schaut bei einer mit Wolfram-Glühdraht so aus:
    Gluelebensdauerrp.png (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ewigkeitsglühbirne)
    Wie man unschwer erkennen kann,
    nimmt die Lebensdauer mit zunehmender Spannung ab, während die Lichtausbeute zunimmt,
    wobei der Einfluss ganz schön grimmig ist:
    Bei 90% der Nennspannung ergibt sich die gut 4-fache Lebensdauer bei jedoch nur ca. 70% des erzeugten Lichtstromes;
    bei 110% liefert die die fast eineinhalbfache Lichtmenge wie im Nennbetrieb, hält aber nicht mal 1/3 so lang.
    :(
    Ließe man die Hersteller unreguliert produzieren,
    so würden manche superhelle, sparsame Eintagsfliegen-Lampen auf den Markt bringen
    und andere eher als Heizgeräte anzusprechende Ewigkeitsfunzeln,
    was den technisch ungebildeten Konsumenten, der Grundschul-Mathematik ohnehin für verzichtbare Bildung hält,
    zweifel- und maßlos überfordern würde. Es macht also durchaus Sinn für das Gemeinwohl,
    hier normativ einzugreifen und für die Standard-Glühlampe die Lebensdauer auf 1000 Stunden zu begrenzen
    d.h. den Wirkungsgrad und damit den Lichtstrom auf einem bestimmten hohen Niveau zu halten.
    Die klassische 100er-Birne liefert so eben (egal von welchem Hersteller) 1380 Lumen Lichtstrom
    und wem das nicht gefällt, der muss halt zu alternativen Lampen greifen, die NICHT "Standard" sind:

    Der Zusammenhang ist gerade den Herstellern natürlich schon lange bekannt und wird auch waidlich ausgenützt,
    indem Lampen, die länger halten müssen (z.B. für Ampeln) einfach mit Unterspannung betrieben werden,
    wobei die stark verringerte Lichtausbeute (und rötlicheres Licht) in Kauf genommen wird
    während man (vor der Erfindung leistungsstarker LEDs) z.B. 6 Volt-Tauchlampen mit 7,2 Volt befeuerte:
    Eine große Lichtmenge (auch bei teilentleerter Batterie) war eben mehr wert als die reduzierte Lebensdauer,
    denn bis man 1000 Nachttauchgänge beisammen hat, ist schon eine neue Technologie marktreif entwickelt.
    (... und eine Reservelampe sowie einen Buddy hat man ohnehin dabei.)


    Mir ist aber noch ein anderes Beispiel eingefallen, wo wir Konsumenten uns den Schrott eingebrockt haben,
    sodass die Hersteller auf aufwändige (für Umwelt und Arbeitnehmer schädliche) Art und Weise kurzlebiges Zeug produzieren:
    bei Jeans!
    Ich kann mich an Zeiten erinnern, wo neue Jeans steif, bockig und dunkelblau waren
    und es viele Jahre härtester Beanspruchung und unzähliger Waschgänge bedurft hat,
    bis die so eine lässige Patina bzw. helle Stellen an den Oberschenkeln und diversen Falten erworben hatten.
    (Später gab es sogar einen "Gebrauchtmarkt", wo für Ungeduldige alte Jeans aus Amerika importiert wurden!)
    Mittlerweile schmeissen´s in Fernost Steine oder Sand in die Waschmaschine, füllen die mit ätzenden Chemikalien,
    bleichen die exponierten Stellen der Hose, damit´s aussieht, als ob da Falten abgeschurbelt wurden
    und erzeugen damit ein labbriges Beinkleid, das neu schon alt aussieht (na, so UNGEFÄHR halt)
    sowie von einem simplen Handy in der Hosentasche binnen Jahresfrist gnadenlos vernichtet wird.
    (ACHTUNG! Vor dem ersten mal Tragen UNBEDINGT waschen, sonst fällt einem dauerhaft die Beinbehaarung ab!)

    Dafür kostet´s mehr ... weil WIR es so wollen (oder zumindest die Meisten).
    Soviel zu "Otto Normalverbraucher kann doch gar nicht beurteilen, ob etwas robust ist oder nicht".


    Ui, hoffentlich lesen das keine weiblichen ausländischen Hilfskräfte! :rolleyes:
     
    #17 derschwarzepeter, 13 Jan. 2013
    Zuletzt bearbeitet: 13 Jan. 2013
  17. AW: Altes hält länger?

    Das mit der Glühbirne habe ich auch mal im TV gesehen und auch sonst kann ich dir zustimmen. Was ich jedoch noch erwähnen muss ist, dass die Ausgabebereitschaft gesunken ist. Früher war auch nicht alles billiger! Das wird zwar oft so dargestellt stimmt aber einfach nicht. Heute kaufen viele halt lieber eine billige Waschmaschine und ärgern sich dann, dass diese nach 3 Jahren nicht mehr geht. Wenn man sich heute z.B. eine ordentliche Siemens Waschmaschine kauft. Hält diese auch über 10 Jahre.
    Viele leben einfach nach dem Prinzip "Geiz ist geil"!
     
    nameless79 gefällt das.
  18. Mir ist jetzt ein Fall von geplanter Obsoleszenz untergekommen:
    Remington IPL-Enthaarer
    Wir (d.h. genauer: meine Freundin) benutzen den Enthaarer regelmäßig seit ca. 6 Monaten und konnten tatsächlich eine DEUTLICHE Reduktion des Haarwuchses feststellen. (Blitzstärke 2 oder 3 von 5 möglichen Stärken, mehr tut weh.) Allerdings werden (wie auch in der Beschreibung angegeben) nur die dunklen Haare betroffen - die Härchen kringeln sich sogar ein! - helle oder weisse bleiben unbeeindruckt.
    Gestern hat die gelbe Warnlampe am Gerät zu blinken begonnen, die anzeigt, dass die Kartusche nach weiteren 150 Blitzen zu tauschen ist. Vielleicht 30 (!) Blitze nachher war's dann auch soweit: Die gelbe Lampe leuchtete dauernd und zeigte damit an: Nichts geht mehr!
    Gut, offenbar sind die 1500 Blitze (laut Beschreibung soll's so lang halten) verblitzt;
    einen neue Kartusche zum fürstlichen Preis ist nötig.

    Ich habe die Kartusche entnommen und (als Elektroniker kann ich nicht anders) geöffnet (3 Kreuzschrauben). Im Inneren befinden sich auf einer Printplatte außer 2 konventionellen Blitzröhren (mit leichten Gebrauchsspuren, jedoch in augenscheinlich durchaus gebrauchsfähigem Zustand) nur ein kleiner elektronischer Bauteil (TO92-Gehäuse mit 3 Haxerl). Es handelt sich um den Speicherbaustein DS2431, in den offenbar der im Gerät sitzende Rechner die Anzahl der Blitze einträgt.
    Abgesehen davon, dass da keine Rücksicht auf den tatsächlichen Zustand der Blitzröhren genommen wird und auch die Stärke der Blitze nicht berücksichtigt wird, kann der Speicherbaustein, wie dem Datenblatt entnommen werden kann (http://datasheets.maximintegrated.com/en/ds/DS2431.pdf), bauartgemäß nur bis 1024 zählen und NICHT bis 1500, d.h. man kann nur um gute 30% weniger Blitze nutzen als in der Beschreibung angegeben ist.

    Das ist (neudeutsch:) geplante Obsoleszenz bzw. drängt sich der Verdacht auf Betrug auf
    unter der Spekulation, dass der Konsument die Blitze nicht mitzählt.

    P.S.: Ich werde versuchen, den Speicherbaustein (Kosten im Cent-Bereich) zu tauschen
    und die Blitz-Kartusche weiterzuverwenden.
     
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  19. Peter es mag dir nur so vorkommen, aber es ist wahr.
    ob jetzt so ein Blitzenthaarungsgerät oder was anderes Obsoleszenz wird wo es nur kann angewendet. Mein Nachbar hat sich mal nen Drucker gekazft und nach 10000 Kopien ging nichts mehr. Warum erfuhr er im Internet: das Gerät hat alle Kopien mitgezählt und nach 10000 Blatt war SCHLUSS!

    Und zum Thema altes ist besser kann ich nur sagen das stimmt. Grüne dafür sind ganz einfach aber vielleicht etwas schwer zu verstehen.

    Man nehme ein Beispiel an:
    Man fährt mit einem Auto (BJ 2006 von mir aus) und man bemerkt etwas mit der spur stimmt nicht. Man faährt rechts ran oder zu nem nextn Patkplatz und sieht das der Querlenker nen dickn Riss hat und ein bissl verbogen ist. Wenn man jetzt nach Hause fährt das Problem selber beheben will muss man den Querlenker ausbiegen und den Riss zuschweißen. Wenn man nun mit der selbstständigen Reperatur nicht mehr als 30km fährt dann garantiere ich dieses Ding ist nach 10km komplett zerstört.
    WARUM? ganz einfach die heutigen Autohersteller investieren Millionen in Simulationen und Test um die Einzelteile aufs genaueste zu trimmen. D.h. Eigenreperaturen die iwie mit schneiden, flexen, schweißen zu tun haben muss man vergessen (Auspuff und nicht tragende Teile ausnahme). Da die Teile in ihren eigenschaften dadurch enorm geschwächt werden.
    Ich habe in einer kleinen Gruppe im Labor einen solchen Versuch gewagt es wurden Querlenker getestet von 4 Autoherstellern. Die ergebnisse waren BRUTAL.
    Alle Teile haben aufgrund von Reperaturarbeiten (schweißen) bis zu 70% ihrer Traglast verloren. Folde wäre das ein Auto schon unter dem Eigengewicht zusammenbrechen könnte.

    Bei einem alten Oldtimer ist das aber ganz und gar nicht der Fall sein. Es ist schön und gut das Autos leichter und Spritsparender unterwegs sind, aber sie sind doch robuster und Stabiler konzipiert als heutige Modelle.

    Auch zu dem Thema mit der PS3 habe ich mich mal schlaugemacht und habe da sehr lustiges erfahren. :)
    Eine PS3 und eine XBox 360 kann man mit einer PS1, N64 oder einer NES nicht vergleichen.
    Mir wurde gesagt die PS3 zum Beispiel hat so viel Innenleben das der kleinste Fehler in der Bedinung zu gravierenden Störungen des Systems führt.
    Eine alte N64 dagegen hat eine Platine mit einem Steckslot für die Disketten wo eigentlich nichts passieren auch wenn kleine Kinder darauf reiten sind sie sehr Robust. (Naja in der Dusche Spielen is nicht so klug)

    Auf jeden Fall tritt das Wort Robust die älteren Saschen sehr gut. Und Vielfalllt die neuen Sachen.

    Aber im endeffekt sind wir die Verbraucher schuld da wir das alles wollten :):):)

    MFG Sascha

    "Von dem Geld, das wir nicht haben, kaufen wir dinge, die wir nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen"
    Tyler Durden
    :D
     

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