Akademisierung breiter Schichten unsinnig

Dieses Thema im Forum "Weiterqualifikation" wurde erstellt von knirf, 6 Jan. 2013.

  1. http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Die-Akademisierung-breiter-Schichten-ist-unsinnig/62042/1
     
  2. AW: Akademisierung breiter Schichten unsinnig

    Zwangsarbeiter aus Hartz IV Umfeld sind eben noch billiger als Maschinen.

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    Eine "Akademisierung" der breiten Masse ist wohl aus verschiedenen Gründen kaum umsetzbar - aber eine Empfehlung, anstelle Studium doch besser Vollidiot zu bleiben, weil die Einstellungschancen statistisch ähnlich liegen, welche ich aus dem Tenor des Textes lese, halte ich für noch bedenklicher.

    Was will uns der Artikel eigentlich wirklich sagen ?
     
  3. AW: Akademisierung breiter Schichten unsinnig

    Ich denke der Beitrag möchte uns sagen, daß ein Studium - egal ob Techniker, Fh oder TU - weniger bringt als gemeinhin angenommen; und zwar sowohl für den einzelnen als auch für die gesamte Gesellschaft.
    Es würden nämlich nur rund 20% aller Arbeitnehmer eine akademische Ausbildung überhaupt benötogen.
    Da aber trotzdem jeder meint studieren zu müssen wird es hierzulande in ein paar Jahren wohl wie in Skandinavien sein, wo ein Handwerker deutlich mehr verdient als ein Ingenieur. Die Gehaltsangaben hier im Forum sprechen ja dieselbe Sprache: Pro Stunde hat der Ing netto schon heute nicht viel mehr als der Geselle-was ja auch nicht verwunderlich ist, da gerade im technischem Bereich ein Studium eher eine Berufsausbildung an der Uni ist statt einer fundierten wissenschaftlichen Ausbildung. Und ma ehrlich: Das meiste was ein typischer Ing so macht (CAD; FEM; Simulation, etc) kann man auch genausogut mittels learning-by-doing lernen - ganz ohne Studium und Theorie.
     
  4. AW: Akademisierung breiter Schichten unsinnig

    Akademikerquote vergleichen ist auch unsinnig, denn im Ausland gibt es keine Duale Berufsausbildung und keine Weiterbildungen (Meister, Techniker etc).
     
  5. AW: Akademisierung breiter Schichten unsinnig

    der Artikel bezieht sich zwar meines Wissens nur auf Deutschland, aber Recht hast du natürlich trotzdem. Ich denke auch, dass man hier Techniker und Meister zu den Akademikern gezählt hat...
     
  6. AW: Akademisierung breiter Schichten unsinnig

    Ich finde in technischen Berufen dürfte ein Ingenieur gar nichts werden, wenn er nicht vorher wirklich was gearbeitet hat. Ich hatte damals fürs Studium ein paar Monate Praktika bestätigen lassen müssen ... davon die Hälfte nicht wirklich mitgemacht oder das tollste war beim Fernmeldeamt (so hiess das damals noch), wo wir nur gewartet haben bis es abend wird und wer nix machen wollte, hat eben in der Kantine gesessen.

    Dann werden im Studium die tollsten höchstmathematischen Berechnungen vollführt und im Messtechniklabor sind die zu dämlich nen Strom zu messen. Nach einem Dutzend Aufenthalten im Labor bekommt man dann einen Schein, dass man es kann - oder machts halt nochmal.

    Das sind dann die Klugscheisser, die mit Krawatte und weissem Helm durch den Betrieb latschen und den Leuten, die wirklich arbeiten, erzählen wollen, wie man's richtig machen soll. Von nix ne Ahnung und das massiv.
    Von solchen Akademikern braucht die Welt wirklich nicht noch mehr!

    Ich weiss nicht wie sich die "Bätschler" auswirken werden - da werden Leute gezogen, die im Panikdurchgang den akademischen Teil anschmecken und von der Praxis garnichts mehr wissen.

    Wenn diese Jungs mehr Gehalt bekommen, als ein Techniker, der sich berufsbegleitend jahrelang den A... aufgerissen hat, um zu seiner Erfahrung noch den wissenschaftlichen Unterbau nachzulegen, fände ich das mehr als nur ungerecht ... naja aber so ist eben nun mal die Welt !
     
    JohnLocke und pleindespoir gefällt das.
  7. AW: Akademisierung breiter Schichten unsinnig

    Was ist dann mit den Vollzeit-SgT ( wie z.B.) ich, die haben sich nicht Jahre lang berufsbegleitend jahrelang den A... aufgerissen , die dürften dann auch nichts werden, nach deiner Aussage. Oder was ist mit den Ingenieuren die sich berufsbegleitend jahrelang den A... aufgerissen (z.B. wieder ich) die dürfen dann was werden. Ein sehr seltsamer Post muss man schon sagen, Emotinal verständlich aber sachlich völlig daneben.
     
  8. AW: Akademisierung breiter Schichten unsinnig

    Ich meine speziell die Akademiker, die ohne jegliche Berufserfahrung unmittelbar nach dem Abi Ingenieur werden und wenn sie zuhause ein Bild aufhängen wollen, den Handwerker kommen lassen.

    Den Techniker - ob Vollzeit oder Teilzeit - meine ich dabei nicht , da dazu üblicherweise einige Jahre Beruferfahrung Voraussetzung sind. Ob der Techniker als Akademiker betrachtet werden kann bezweifle ich übrigens.

    Ein Ingenieur, der nach Berufsausbildung und Praxis später studiert, ist auch nicht Ziel meiner zugegebenerweise emotional gefärbten Meinungsäusserung gewesen.
     
  9. AW: Akademisierung breiter Schichten unsinnig

    Das ist aber auch erst einmal nur ein Klischee, das bei weitem nicht immer zutrifft. Ich denke, dass das eher Erziehungssache ist. In einer "Handwerkerfamilie" wird man die Kinder tendenziell eher zu einer gewerblichen Ausbildung motivieren. Diese Leute erkennen ihr Potential zum Ingenieur/Akademiker erst später und wählen dann wohl eher den zweiten Bildungsweg. Oder sie erkennen es erst zu spät und wählen diesen Weg gar nicht mehr. In einer Familie, in der das "handwerkliche Gen" vielleicht nicht so vorhanden ist und vielleicht Allgemeinbildung höher geschrieben ist, wird man die Kinder eher zum Abitur motivieren. Da kann aber natürlich trotzdem ein Kind mit mathematischen und/oder technischen Talent dabei sein und damit ein Ingenieursstudium ergreifen. Derjenige hat vielleicht nicht das handwerkliche Geschick, weil er es zuhause nie gelernt hat, aber das ist entgegen der landläufigen Meinung für die meisten Ingenieursjobs auch gar nicht notwendig. Außerdem sind die Menschen auch lernfähig und können sich im Beruf durchaus noch das ein oder andere dazulernen.

    Es muss aber nicht zwangsläufig so sein. Und gerade in jüngerer Vergangenheit wird dieses "Standesdenken" nicht mehr so in den Köpfen fest sitzen und eher zu einer Vermischung führen.

    Ich kenne jedenfalls einige Ingenieure mit Abitur, die jedem Handwerksmeister etwas vormachen können, und das in gleich mehreren Bereichen. Umgekehrt kenne ich Handwerksgesellen, von denen ich mir noch nicht einmal eine Glühbirne wechseln lassen wollte.

    Das geht vielleicht schon, aber mit dem Studium lernt man eben eine sehr effiziente Weise, sich Wissen anzueignen. Das ist auch wichtiger als die tatsächlichen Inhalte im Studium.

    Im Prinzip zeigt aber ja die enorm wachsende Beliebtheit von dualen Studiengängen in diese Richtung: Dort werden die wissenschaftliche Methoden ohne den "akademischen Overhead" komprimiert vermittelt und gleichzeitig wird mehr Wert auf die Praxis gelegt. So kriegt man die Leute in weniger Zeit in den Beruf. Trotzdem stehen "nach oben hin" alle Möglichkeiten offen: Master, Doktor usw.
     
    #9 NoMansLand, 13 Jan. 2013
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 13 Jan. 2013
  10. Bei der ARD kam auch wieder etwas zum Thema. Das Video ist hier verfügbar.
     
  11. Die Probleme die du beschreibst sind der wirtschaft schon lange bekannt und es wird mit dem dualen studium massiv gegengesteuert. Da gleicht sich praktisches lernen und theorie studium super aus.
     
  12. Hallo,
    früher wurde man etwas, wenn man von der "Pike" (Pikke?) auf lernte. Nur dadurch hatte man Hintergrundwissen.
    Seit langem ist das schon aus der Mode.
    Heute möchte jeder Umgeschulte sich als Experte definieren.

    Ich hatte früher in England einen Freund, der in der Gießereiindustrie tätig war.
    Verteter, die ihn besuchten, nannte er "the boys with the shiny shoes".
    Nadelstreifenanzug, gestreifte Krawatte und polierte Schuhe...
    Ein oder zwei fundierte Fachfragen und die Jungs mußten passen.

    Viel Ahnung von Nichts.
    So kommt mir das heute auch vor;-)

    Ich lernte ihn kennen, als ich zur Inbetriebnahme eines von mir gelieferten Ausschlagrostes in der Gießerei war.
    angezogen mit Gummistiefeln, Parka und Helm.
    Als er mich sah, wollte er nicht glauben, daß ich der Firmenchef war.
    So etwas hatte er noch nicht gesehen.
    Ich habe die Maschine eingestellt, einen Leistungstest gefahren und das Gerät übergeben und ihm bei anderen Problem- Schwingmaschinen Tips zur Beseitigung der Probleme gegeben.
    Seitdem habe ich von ihm jeden weiteren Auftrag auf eine Schwingmaschine bekommen und wir wurden Freunde.

    Gruß:
    Manni
     
  13. In der DDR mußten viele erst eien Ausbildung abschließen, um studieren zu dürfen. Berufsschullehrer durfte niemand nur durch Studium werden.

    Ein bekanntes Beispiel ist Gregor Gysi, der eien Ausbildung zum Rinderzüchter mit Abitur machte.
     
  14. Interessant, wußte ich gar nicht.
     
  15. Ja, so sehe ich das auch. it Berufserfahrung sammelt man weit mehr relevantes Wissen als in irgendeinem Elfenbeinturm. Erfahrene Mechaniker sind weitaus bessere Konstrukteure und Produktentwickler als das Gros der Ingenieure. Meiner Meinung nach sollte man als Zugangsvoraussetzung für ein Ingenieursstudium statt dem (Fach-)Abitur eine abgeschlossene einschlägige Ausbildung machen - und zwar nur noch an Fachhochschulen. Uni-Ings sind echt kaum zu was zu gebrauchen, können nur schwafeln und Formeln schubsen. Dann würde sich die Spreu vom Weizen trennen!
     
  16. Der Ingenieur läuft erst nach einer Zeitspanne von ca. 5 bis 10 Jahren im Betrieb zu seiner Höchstform auf, sofern er ein Einser Schüler ist. Wer mit Ach und Krach das Studium schaft ist meist eh nicht zu mehr zu gebrauchen als ein Technischer Zeichner oder Ähnliches.

    Aber so junge Ingenieure die theoretisch sehr gute Leistung im Studium zeigen, die sind Rohdiamanten und die kann man schleifen zu Edelsteinen.Diekommen dann irgendwann mit phenomenalen Lösungen amlaufenden Band und der Gewinn der Abteilung oder des ganzen Betriebes zieht dann stramm an. Weil bei denen funktioniert das Oberstübchen aber richtig!

    Neue Ideen, neue Produkte, neue Märkte. Die Konkurrenz kann auch billig aber die Deutschen Firmen liefern High Tech für den Weltmarkt. Das schaffen die in China auch in 50 Jahren nicht. Dafür fehlt denen das wirkliche Interesse am Job.

    Ich habe einen Neffen dem werde ich ein Studium empfehlen. Ich hoffe er packt es, aber er strengt sich kaum an. Hat solala Noten und seine Mutti ist es auch ziemlich Wurst.
     
  17. So stellt man sich die schöne, heile Welt vor.
    Das mag für kleine Firmen und/oder Startups gelten. Bei großen, etablierten Firmen mit vielen Hierarchieebenen gilt das auf gar keinen Fall.
    Hier wird sofort überlegt, wie man eine neue Idee torpedieren kann, da diese ja nicht von einem selbst stammt.
    Fällt jemand durch besonders viele Ideen auf, wird derjenige seinem nächsten Vorgesetzten unbequem. Denn im Umkehrschluß bedeutet das ja, daß er (der Vorgesetzte) keine Ideen hat. Da wird also schnell abgewiegelt (das haben wir noch nie so gemacht. Wir lösen das auf meine Weise, wobei nie gesagt wird, welche Weise da nun sein soll).
    Du unterschätzt die Asiaten völlig.
    Deren Arbeitsauffassung entspricht derjenigen der Deutschen vor ca. 50 jahren, als Beruf noch etwas bedeutete.. Heute gibt es nur noch Jobs mit der entsprechenden miesen Berufsauffassung. Daran sind aber hauptsächlich die Arbeitgeber schuld. Das fing an mit der Arbeitsvergabe an Leihfirmen.;-)
    Damit zeigte man, daß man an eigenen festangestellten Mitarbeitern gar nicht mehr interessiert war.
    So begann der Niedergang der deutschen Tugenden und der Arbeitsmoral.
     
  18. Aha woher hast du die Info, bei uns ist das gerade schwer im Kommen.
     
  19. Geht doch heute schon, ok nicht statt, aber alternativ, wo ist das Problem ?
     

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