Hans- Böckler- Studie „Staatlich geprüfte Techniker im Öffentlichen Dienst“

In dem vorliegenden Working Paper sind die zentralen Befunde der empirischen Erhebungen und Interviews mit staatlich geprüften Technikern zusammengefasst.In dem vorliegenden Working Paper sind die zentralen Befunde der empirischen Erhebungen und Interviews mit staatlich geprüften Technikern/ Technikerinnen zusammengefasst, die schwerpunktmäßig im Sommer/Herbst 2015 stattgefunden haben. Im Rahmen der von der Hans-Böckler-Stiftung finanzierten Kurzstudie konnte naturgemäß nur ein erster Einblick und kurzer Überblick über das Berufsfeld von Technikern/ Technikerinnen im Öffentlichen Dienst vorgenommen werden. Das hängt auch mit der in 2.1 im Einzelnen beschriebenen Vielzahl an Technikerabschlüssen zusammen.

Die für die Kenntnisse über die Einsatzfelder von Technikern/ Technikerinnen im Forschungsantrag diagnostizierte Forschungslücke konnte hier deshalb aufgrund der eng begrenzten Projektmittel nur ansatzweise geschlossen werden. Ungeachtet dieser Untersuchungssituation und der notwendigerweise vorläufigen Ergebnisdarstellung hat sich eine Reihe von Ausgangshypothesen bestätigt, mit denen wir mit unseren offenen Frageleitfäden ins Feld gegangen sind. Auf einen Blick lassen sich die Hauptergebnisse in folgenden Kurzbefunden zusammenfassen:

  • Die große Bandbreite von Technikerabschlüssen erlaubt überall in den öffentlichen Verwaltungen den Einsatz von Technikern und Technikerinnen.
  • Der Technikerabschluss wird in den weit überwiegenden Fällen von den individuellen Fachkräften auf eigene Kosten und in der eigenen Freizeit bzw. berufsbegleitend erworben.
  • Bestimmte Positionen im (gehobenen) Öffentlichen Dienst können sowohl Ingenieure / Ingenieurinnen als auch erfahrene Techniker / Technikerinnen mit Berufs- und „Betriebserfahrung“ besetzen.
  • Der Einkommensabstand des Öffentlichen Dienstes zur freien Wirtschaft wird (in den meisten Fällen) kompensiert durch gute Arbeitsbedingungen, gutes Betriebsklima, teilweise bessere Work-Life Balance und die Aushandelbarkeit von Arbeitszeitregelungen, die auf individuelle Präferenzen Rücksicht nehmen.
  • Techniker und Technikerinnen selbst sehen sich in einer Bindegliedfunktion zwischen Ingenieuren/Ingenieurinnen bzw. Planungsstäben in der Verwaltung und den gewerblichen Mitarbeiter/innen und Bürger/ innen bzw. ausführenden, externen Auftragnehmern.
  • Mit dieser Bindegliedfunktion ist aber keine grundsätzlich konfliktgeladene und psychisch ständig belastende Arbeitssituation gegeben. Das Berufsprofil und die Berufserfahrung erlauben den Technikern und Technikerinnen mit auftretenden Konflikten produktiv umzugehen.
  • Schulung und Weiterbildung wird im Öffentlichen Dienst großgeschrieben.
  • Das größte Problem der Personalpolitik im Öffentlichen Dienst sind die starren Stellenpläne, die in den letzten Jahren durch Haushaltssanierungen bzw. -einsparungen stark begrenzt oder gekürzt wurden.
  • Auch auf eine quantitative Zunahme der zu vertretenden Bevölkerung oder die Zuweisung von zusätzlichen Aufgaben kann nicht oder nicht kurzfristig durch Personalaufstockungen reagiert werden. Vorausgesetzt sind oftmals langwierige demokratische Entscheidungsverfahren.
  • Ein weiteres gravierendes Problem ist der Wissensabfluss und Knowhow- Verlust, der mit jedem Rentenabgang verbunden ist und der aufgrund der in den letzten beiden Befunden festgestellten Restriktionen nicht durch eine überlappende Besetzung von (vom Abgang betroffenen) Positionen vermieden werden kann.
  • Die zuletzt genannten personalpolitischen Probleme werden sich in den nächsten Jahren mit dem demografischen Wandel und den zunehmend älter werdenden Belegschaften, den mit den Babyboomern ebenfalls boomenden Rentenabgängen und der gleichzeitigen Verknappung von Fachkräften, Techniker/innen und Ingenieur/innen zuspitzen.
  • Sofern es dem Öffentlichen Dienst nicht gelingt, durch eine neue, vorausschauende
  • Personalpolitik diese quantitativen und qualitativen Abflüsse durch mindestens gleich große und qualifizierte Rekrutierungen zu verkraften, ist mit Einbußen in der für die Bürger und Bürgerinnen wesentlichen Kontrollfunktion der Verwaltung und Daseins- vorsorge für die Bevölkerung zu rechnen.
  • Es wäre infolgedessen wünschenswert, wenn sich die öffentlichen Verwaltungen bzw. die ihnen vorgelagerten Legislativen präventiv dieser personalpolitischen Zu- kunftsszenarien annehmen würden, die ja kaum mit Prognoseunsicherheiten behaftet sind. Eine unterstützende Rolle könnte einer weitergehenden Erforschung erfolgrei cher personalpolitischer Strategien zur Rekrutierung und Bindung von technischen Fachkräften im Öffentlichen Dienst (auch im Vergleich mit der freien Wirtschaft) zu kommen.

Diese Böckler Studie wurde auf Anregung des Vereins der Techniker e. V. und mit Unterstützung der Ver.di initiiert, und wurde dann von Dr. Klaus Schmierl, Wissenschaftler am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung – ISF München, umgesetzt.

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Der Verein der Techniker e. V. beschäftigt sich seit seiner Gründung mit Themen wie demografische Entwicklung, Fachkräftesicherung, Durchlässigkeit , Anrechnung neben dem aktuellen politischen Tagesgeschäft, das sich an der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes orientiert.

3 Kommentare:

Derfnam am 27.11.2016 um 16:11 Uhr
"Working Paper"?
Die Amtssprache in Deutschland ist doch Deutsch.
In Frankreich wäre der englische Begriff unmöglich.
Die haben wenigstens noch Stolz ( in der Sprache zumindest).
zahnstocher am 30.11.2016 um 22:11 Uhr
"Working Paper"?
Die Amtssprache in Deutschland ist doch Deutsch.
Ach, bei Berufsbezeichnungen ist das doch auch schon lange am absteigenden Ast. Ein Kumpel von mir ist ganz offiziell als Scientist angestellt. Wieder andere sind im Controlling tätig. Wichtig ist doch nur, dass wie Work-Life-Balance stimmt :dead:

Ist halt momentan hip, auch wenn man sich natürlich auch wunderbar auf Deutsch ausdrücken könnte. Naja.
Derfnam am 01.12.2016 um 07:12 Uhr
zahnstocher
Ach, bei Berufsbezeichnungen ist das doch auch schon lange am absteigenden Ast. Ein Kumpel von mir ist ganz offiziell als Scientist angestellt. Wieder andere sind im Controlling tätig. Wichtig ist doch nur, dass wie Work-Life-Balance stimmt :dead:

Ist halt momentan hip, auch wenn man sich natürlich auch wunderbar auf Deutsch ausdrücken könnte. Naja.
Ja, das ist der übliche Anglizismen- Unfug, um sich möglichst bombastischer Bezeichnungen zu bedienen und die "Weitgereistheit" zu dokumentieren.
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