Nach dem Techniker studieren

Um ohne Abitur studieren zu können, sind längst keine Umwege im Lebenslauf mehr nötig. Mit einem Techniker in der Tasche ist mittlerweile ein Ingenieursstudium ohne Weiteres möglich. Je nach Bundesland und Hochschule können Meister- und Technikerabsolventen unter Umständen sogar die sogenannte allgemeine Hochschulzugangsberechtigung beantragen. Damit könnte also jeder Studiengang an der Universität aufgenommen werden. Oft ist das aber mit einem Antragsverfahren, einer Aufnahmeprüfung und/oder mit einem Probesemester verbunden.

Die meisten staatlich geprüften Techniker aber entscheiden sich wohl für einen Studiengang, der zu ihrer vorherigen Tätigkeit passt und für die eigene Karriere auch Sinn macht. Mal davon abgesehen, man möchte sich mit dem Studium nicht vollständig umorientieren. Daher ist es meist ein Bachelor-Studiengang im Maschinenbau oder in der Elektrotechnik, der infrage kommt.

Die Techniker-Weiterbildung schlägt eine inhaltlich sinnvolle Brücke zwischen der Berufsausbildung und dem Studium. Dennoch bräuchte man den Techniker nicht einmal unbedingt, um ohne Abitur studieren zu können: Mittlerweile reichen dafür die (mind. zweijährige) Berufsausbildung sowie drei Jahre Berufserfahrung. Damit sit man aber fachlich auf die jeweilige Ausbildung beschränkt und unter Umständen sind wieder Prüfung und/oder Probesemester notwendig.

Warum nach dem Techniker studieren?

Es gibt vielerlei Gründe, nach der Weiterbildung zum Techniker noch ein Studium draufzusatteln. Zwar bietet die Zusatzqualifikation selbst schon neue Perspektiven, was Aufgaben und Gehalt betrifft. Ein Ingenieur aber verdient im Durchschnitt deutlich mehr als ein Arbeitnehmer ohne akademischer Ausbildung. Was die Arbeit betrifft, so können sich die von Techniker und Ingenieur durchaus überschneiden. In Führungspositionen beispielsweise können beide vertreten sein. Auch ein Techniker kann ausreichen, um etwa in einem Industrieunternehmen Karriere zu machen, während hingegen ein Universitätsabschluss, egal ob Bachelor oder Master, auch nicht unbedingt eine Garantie für einen steilen Karrieresprung ist. Ob sich die Mühen für einen Uni-Abschluss lohnt, kommt stets darauf an, wohin man beruflich will.

Wie dem auch sei – Ingenieure wie Techniker sind, wie jede höhere technische Qualifikation, nach wie vor am Arbeitsmarkt gut gefragt. Beide Abschlüsse sind nicht unbedingt miteinander vergleichbar. Daher ist ein Bachelor nicht “höher” als der Techniker, sondern schlichtweg anders.

Unterschiede Techniker und Bachelor: Ist der Techniker gleichwertig?

2012 wurde der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) eingeführt, um Berufsabschlüsse innerhalb Deutschlands aber auch EU-weit (EQR) transparenter und vergleichbar zu machen. Der Techniker und Meister ist mit dem Bachelor auf gleichem Niveau (Stufe 6 von 8). Demnach könne man sagen, dass die Abschlüsse grundsätzlich gleichwertig sind, in der Praxis sind es sie aber dennoch faktisch nicht: Alle drei Qualifikationen, also Techniker, Meister und Bachelor, unterscheiden sich sowohl im fachlichen Inhalt als auch im Umfang. Während der Techniker in zwei Jahren Vollzeit absolviert werden kann, hat ein Bachelor meist eine Regelstudienzeit von dreieinhalb Jahren. Das Studium ist nicht nur länger, hier wird auch mehr Theorie durchgekaut, wie etwa reine Mathematik oder Grundlagen in Physik, Elektrotechnik und anderen Naturwissenschaften.

Nach dem Techniker direkt Master studieren?

Der Bachelor ist auch eine der Zugangsvoraussetzungen für ein Masterstudiengang, eine Techniker-Qualifikation reicht dafür in der Regel nicht aus – trotz des schon erwähnten gleichen Niveaus im Qualifikationsrahmen. Wer einen Masterabschluss in einer Ingenieurswissenschaft anstrebt, der kommt um den Bachelor nicht herum.

Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass in wenigen Ausnahmen auch ohne Bachelor oder Diplom ein Master studiert werden kann: Es sind meist Management-Master an privaten Akademien, die zum Abschluss “Master of Business Administration” (MBA) führen. Viele Jahre Berufserfahrung und eine gute Begründung können unter Umständen den Bachelor-Abschluss als Zugangsvoraussetzung ersetzen. Das ist etwa der Fall, wenn ein Techniker ins Management eines Unternehmens aufsteigt und seine Stellung die entsprechende Hochschulbildung erfordert. Die Euro-FH etwa bietet Masterstudiengänge ohne Erststudium an, verlangt aber eine Berufserfahrung von zehn Jahren, wobei sechs davon in einer Führungsposition verbracht werden müssen. Zusätzlich ist ein sechsmonatiges Einstiegsprogramm zu absolvieren.

Diese Studiengänge können können dann berufsbegleitend absolviert werden und sind entsprechend teuer – meist um die 10.000 Euro. Solche Abschlüsse sind für bestimmte Führungspositionen gedacht und eignen sich nicht für die frühzeitige Karriereplanung direkt nach der Technikerqualifikation.

Den Techniker aufs Studium anrechnen lassen

Wie schon erwähnt, kann man sich mit dem Techniker problemlos in ein Studium einschreiben. Bestimmt kommt es vor, dass sich Inhalte der beiden Ausbildungen überschneiden. Wenn es aber darum geht, sich etwa gezielte Qualifikationen auf das Bachelorstudium anrechnen zu lassen, so gibt es deutschlandweit keine eindeutigen Regelungen, wann etwa was möglich ist. Das entscheidet die Hochschule stets individuell und oftmals lohnt sich die bürokratische und aufwändige Auseinandersetzung mit dem Prüfungsamt nicht, sodass man sich oft lieber gleich damit abfindet, etwas schon zu können, und die anstehende Prüfung im Studium umso einfacher hinter sich bringt.

Nahezu jeder Ingenieursstudiengang erfordert (mindestens) ein Praxissemester. Hier haben es die Techniker meist einfach, sich die bereits mitgebrachte Berufserfahrung daran anrechnen zu lassen. Dafür dürfte ein Nachweis des Arbeitgebers über die Dauer und Art der Tätigkeit ausreichen, sodass kein berufserfahrener Techniker während des Studiums zurück in ein halbjähriges Praktikum muss.

Ausländische Hochschulen erkennen Techniker an

Manche Schulen haben auch direkte Kooperationen mit ausländischen Hochschulen, die dann die Inhalte der Technikerausbildung ohne Widerrede anerkennen – ganz in Gegensatz zu deutschen Hochschulen. Für hierzulande qualifizierte Techniker sind solche Möglichkeiten interessant, um schnell zu Bachelor und Master zu kommen. Während die Regelstudienzeit für beide zusammen mindestens fünf Jahre beträgt, kann ein Techniker im Ausland schon nach zwei Jahren den Master erlangen.

So empfiehlt die Technikerschule Erlangen beispielsweise das Studium an der Glyndŵr University in Wrexham, Nord-Wales. Nach nur einem Jahr Studium kann ein Techniker bereits den Bachelor in der Tasche haben, da einige Credits (ECTS) bereits auf der Technikerschule angerechnet werden. Während hierzulande die Studiengebühren schnell wieder verschwanden, ist man davon in Wales nicht (mehr) befreit. So kostet ein Semester dort gut mehrere Tausend Euro. Die Studiengebühren in Wales sind jedoch deutlich geringer als in England. Mit Förderungen von EU und Auslands-BAföG kann diese Last zwar etwas gedämpft werden – teuer ist die Auslandsoption dennoch.

Als Techniker wie studieren – Teilzeit, Vollzeit oder Fernstudium?

Wer ein Studium dranhängen möchte, steht vor derselben Frage, die sich vor der Weiterbildung zum Techniker stellte: Wie soll die Ausbildung absolviert werden? Wie bei der Techniker-Qualifikation stehen auch hier wieder die drei Optionen zur Verfügung:
– Vollzeit: schnell aber ohne
– Teilzeit: nur halb so schnell, dafür berufsbegleitend
– Fernstudium: voll flexibel, dafür Doppelbelastung

Auch wenn es sich um dieselben drei Möglichkeiten wie beim Techniker-Lehrgang handeln, so haben sie beim Hochschulstudium im Detail andere Vor- und Nachteile:

Ein Vollzeit-Studium ist die klassische Variante für Abiturienten und selbst für Techniker mit Anstellung und/oder Familie nicht unbedingt die ungünstigste Variante. Während der Stundenplan der Technikerschule noch straff schulisch durchorganisiert ist, bieten Vorlesungen und Seminare eines Studiums etwas mehr Freiheiten. Nur wenige Veranstaltungen sind mit einer Anwesenheitspflicht versehen und werden in großen Studiengängen auch gelegentlich mehrfach zu unterschiedlichen Zeiten angeboten. Daher müssen sich ein Vollzeit-Studium und eine Teilzeit-Festanstellung nicht unbedingt ausschließen – ganz im Gegenteil bei der (Vollzeit-)Technikerschule.

Wem also ein Teilzeit-Studium mit der doppelt so langen Regelstudienzeit nicht schnell genug ist, kann sich durchaus an diese sportliche Variante wagen. Außerdem können hin und wieder einige Prüfungen einfach auf nächste Semester verschoben werden. Ein “Dauerstudium”, wie es früher noch möglich war, ist heutzutage wegen einer festen Höchststudiendauer so nicht mehr machbar. Ein Bachelor-Studium etwa mit sieben Semester Regelstudienzeit ist meist auf zehn Zeitsemester begrenzt. Ohne Befreiungen oder Urlaubssemestern kann man sich also maximal drei Semester mehr Zeit lassen. Diese sollten aber nicht von vornherein mit eingeplant werden. Denn wenn einige Prüfungen nicht bestanden und im nächsten Semester nachgeschrieben werden müssen, ist man froh über etwas Luft nach oben hin, was die Zeit angeht.

Da die Höchststudiendauer meist begrenzt ist, bieten viele Hochschulen auch ein Teilzeitstudium an. Sie unterscheiden sich von der Vollzeitvariante meist nur dahingehend, dass ein Student doppelt so viel Semester Zeit bis zum Abschluss hat und dafür auch nur die Hälfte der Prüfungen (bzw. Credits) pro Semester absolvieren kann. Es ist dann von einem “unechten Teilzeitstudium” die Rede, da es kein eigenständiger Studiengang parallel zur Vollzeitversion ist. Wer in Teilzeit nebenher arbeitet und eventuell auch noch eine eigene Familie daheim hat, für den ist es wohl die praktikabelste Studienlösung. Auch was die Kinderbetreuung angeht, hat sich an den Hochschulen einiges getan. Für alleinerziehende Studierenden (aber nicht nur für die) bieten sich Betreuungsangebote direkt von der Hochschule an.

Wer den Techniker im Fernlehrgang schon kennen- und schätzen gelernt hat, für den ist ein Fernstudium zum Bachelor eine gute Option. Er läuft im Prinzip genau so ab wie der Techniker-Lehrgang: Gelernt wird ausschließlich mithilfe Büchern und (Online-)Dokumenten, die die Fernhochschule zur Verfügung stellt. Je nach Studiengang finden außerdem einige Präsenzveranstaltungen statt, und die Prüfungen werden zu bestimmten Zeiten ebenfalls vor Ort geschrieben. Der Vorteil am Fernstudium ist die volle Flexibilität, die es einem auch ermöglicht, einen Vollzeitjob nicht aufgeben zu müssen. Dafür ist es weitaus anstrengender, sich das Wissen alleine und nur anhand des Materials anzueignen. Während man im regulären Vor-Ort-Studium vom Austausch mit den Kommilitonen und den Dozenten profitiert.

Die Fernlehrgänge zum Techniker werden ausschließlich von privaten Hochschulen angeboten. Was das Fernstudium betrifft, so gibt es mit der Fernuniversität Hagen eine, bzw. die einzige, staatliche Alternative, die verglichen mit den privaten daher weitaus günstiger ist. Ein ganzer Studiengang kostet dort etwa 1.500 Euro, während hingegen an einer privaten Hochschule so viel nur ein Semester kosten kann. Was die Ingenieursstudiengänge aber betrifft, so ist die Auswahl an der Fernuni Hagen nicht gerade üppig: Bachelorabschlüsse werden nur in Mathematik, Informatik und Wirtschaftsinformatik angeboten. Für die meisten Techniker dürfte ein Studium in Maschinenbau oder Elektrotechnik interessant sein. Aber auch dafür gibt es einige wenige staatliche Fernstudiengänge: Im Maschinenbau etwa an der TU Dresden oder TU Ilmenau – in der Elektrotechnik etwa an der HS Anhalt oder HTW Dresden.

Fördermöglichkeit: Aufstiegsstipendium

Das Aufstiegsstipendium unterstützt Fachkräfte mit Berufsausbildung und Praxiserfahrung bei einem ersten Hochschulstudium. Viele unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten erlangen den Zugang zum Hochschulstudium über einen Technikerabschluss.

Jährlich können rund 1.000 Stipendien vergeben werden. Inzwischen gibt es Stipendiatinnen und Stipendiaten an über 300 Hochschulen.

Informationen gibt es auf www.aufstiegsstipendium.de

 

FAQ: Studieren nach dem Techniker

Was kann ich nach dem staatl. gepr. Techniker studieren?

Grundsätzlich steht einem Techniker jeder Studiengang offen, dessen Fachrichtung zur Techniker-Weiterbildung passt. Ein Maschinenbautechniker kann sich daher in Maschinenbau einschreiben.

Je nach Bundesland und Hochschule kann (nur) mit einem Techniker auch ein fachfremdes Studium aufgenommen werden. Dafür sind aber unter Umständen Zugangsprüfungen, Probesemester oder Auswahlgespräche erforderlich. Jede Hochschule hat eigene Bedingungen für das Studieren ohne Abitur. Außer, dass das mittlerweile grundsätzlich in jedem Bundesland möglich ist, gibt es keine einheitliche Zugangsregelung.

Brauche ich die Techniker-Weiterbildung überhaupt zum Studieren?

Eigentlich nicht. Wer eine Berufsausbildung und drei Jahre Berufserfahrung vorweisen kann, kann unter Umständen eben zu einem fachgebundenen Studium zugelassen werden. Das heißt wieder, die Ausbildung muss zum Studiengang passen – der Fachinformatiker kann etwa Informatik studieren.

Nach der Ausbildung gibt es auch andere Wege an die Hochschule: In manchen Bundesländern gibt es die Berufsoberschule, an der man mit abgeschlossener Berufsausbildung nach einem Jahr die Fachhochschulreife bzw. nach zwei jahren die fachgebundene oder allgemeine Hochschulreife (Abitur) erlangt. Wer nach der Ausbildung weiß, auf jeden Fall studieren zu wollen, muss nicht erst eine Weiterbildung absolvieren.

Macht die Qualifikation zum staatl. gepr. Techniker überhaupt Sinn, wenn ich sowieso Ingenieur werden will?

Wenn der Techniker zum jeweiligen Studiengang passt, ist die Qualifikation nie verschenkte Zeit. Man ist zwar nicht unbedingt bessergestellt als Ingenieure ohne Techniker-Weiterbildung, jedoch ist sie ein Hinweis auf zusätzliche Praxiserfahrung. Der Einstieg ins Studium fällt so leichter. Gerade in den theoretischen Fächern wie Mathematik und Physik ist der Anspruch – sogar im Vergleich zum Abitur – gewaltig, sodass jede Art von Vorkurs oder Vorbildung hilfreich ist. Technikerschüler haben es daher einfacher als Studenten, die vom Gymnasium oder der Fachoberschule kommen. Außerdem verkürzt der Techniker das Studium mindestens um das Praxissemester – also um ein halbes Jahr.

Ist ein Studium in Vollzeit, in Teilzeit oder das Fernstudium die beste Variante?

Das kommt stets auf das eigene Lebensumfeld an. Meister-BAföG ist alters- und einkommensunabhängig. Das reguläre BAföG jedoch nicht. Das gibt es nur bis zu einem Alter von ca. 30 Jahren. Wer also noch jung und flexibel genug ist, stürzt sich ins klassische Vollzeitstudium. Wer die Möglichkeit hat, nebenher in Teilzeit zu arbeiten, studiert ebenso im Teilzeit. Ein Fernstudium bietet die größtmögliche Freiheit, ist dafür aber anspruchsvoll und unter Umständen teuer.

Lohnt sich ein Studium nach dem Techniker?

Das kann nicht so pauschal beantwortet werden. Schon mit einem Techniker kann man durchaus Karriere machen, während hingegen Ingenieure auch hin und wieder mit Technikerstellen abgespeist werden. Der Bachelor ist zwar ein höherer Abschluss, der je nach Stelle bessere Gehaltsaussichten liefern kann, aber nicht zwangsläufig muss. Auch der Master ist ebensowenig ein Garant dafür. Obwohl höhere Abschlüsse eröffnen nicht unbedingt bessere, sondern meist andere Perspektiven.

Das beste Beispiel dafür wäre eine Promotion, also den Doktortitel. Außer der Schmeichelei, stets eine ander Anrede führen zu dürfen, ist er für die freie Wirtschaft ein eher unsinniger Titel. Hier reicht meist der Masterabschluss. Ein Doktor lohnt sich ausschließlich für eine Karriere in Wissenschaft oder Forschung, die anders, aber nicht unbedingt lukrativer ist.

Die gerade Hierarchie der “höheren Abschlüsse” geht bestenfalls vom Schulabschluss über die Berufsausbildung bis zur Weiterbildung. Darüber hinaus ist es zutreffender, sie als “andere Abschlüsse” zu bezeichnen, wenn Techniker und Studienabschlüsse miteinander verglichen werden. Es kommt daher stets darauf an, wohin man will. Wem also die Technikerstelle nicht mehr taugt und vor Theorie nicht zurückschreckt, für den kann sich ein Studium lohnen – und sei es auch nur für den beruflichen Tapetenwechsel.