Quereinstieg: Als Techniker in der Berufsschule unterrichten

Du hast Spaß daran, jungen Erwachsenen Dein Wissen praxisnah zu vermitteln, und bist schon ein paar Jahre im Beruf tätig? Dann könnte der Quereinstieg als Berufsschullehrer für dich als Staatlich geprüfter Techniker eine Option sein. Da überall Lehrermangel herrscht, stehen die Chancen für Seiteneinsteiger so gut wie nie zuvor. Selbst ein Hochschulabschluss ist nicht mehr zwingend erforderlich. Das solltest du wissen, wenn du darüber nachdenkst, in Voll- oder Teilzeit als Techniker an einer Berufsschule zu unterrichten.

Keine einheitlichen Richtlinien für Techniker als Berufsschullehrer

Seiteneinsteiger sind aktuell an Berufsschulen willkommen, denn überall fehlt Lehrpersonal. Zwar werden für den Einsatz an technischen Einrichtungen Absolventen im Bereich Ingenieurswesen grundsätzlich bevorzugt, doch haben auch Meister und Staatlich geprüfte Techniker mit Berufserfahrung gute Chancen auf einen Lehrerposten. Abhängig von der Ausbildung und den Berufsjahren erhalten Quereinsteiger als Techniker an der Berufsschule das notwendige pädagogische Rüstzeug entweder durch ein Referendariat oder berufsbegleitende Qualifizierungsmaßnahmen. Eine generelle Richtlinie für Techniker als Berufsschullehrer gibt es nicht. Denn das Schulwesen ist Ländersache. Für Quereinsteiger in Bayern gelten ganz andere Regeln als für Techniker in Nordrhein-Westfalen. Das gilt auch für die Dauer der jeweiligen Qualifizierungsmaßnahmen. Klar ist nur, dass der Sprung ins kalte Wasser nur selten funktioniert. Je nach Bundesland dauert ein Referendariat 18 bis 24 Monate, bei berufsbegleitenden Maßnahmen sind zwei bis drei Jahre einzukalkulieren. Hier geht es vor allem um pädagogische und didaktische Inhalte, schließlich ist es etwas anderes, ob du einem noch unerfahrenen Kollegen im Betrieb etwas erklärst oder vor einer ganzen Schulklasse stehst. Wenn du einen Quereinstieg als Techniker in der Berufsschule planst, solltest du dich mit dem für dich zuständigen Kultusministerium in Verbindung setzen. Dort erfährst du die Voraussetzungen und die Konzeption der Fortbildung. Daneben solltest du dich ebenfalls über Förderungsmöglichkeiten für deinen Lebensunterhalt während der Qualifizierungsmaßnahme informieren – denn die Umschulung erfolgt in Vollzeit.

So sieht die Weiterbildung aus

Wenn du dich dazu entschließt, eine Fortbildung zum Lehrer für Berufspraxis als Techniker zu beginnen, stehen folgende Inhalte auf dem Stundenplan der pädagogisch-didaktischen Fortbildung:

  • Methodik und Didaktik im fachpraktischen Unterricht
  • Pädagogik und pädagogische Psychologie, inklusive sonderpädagogische Inhalte
  • pädagogische Soziologie
  • Berufspädagogik
  • Schulorganisation
  • Hospitationen im Unterricht
  • Unterrichtsstunden mit Anleitung
  • selbstständig organisierte Unterrichtsstunden
  • Im Bereich Recht: Beamtenrecht, Berufsbildungsrecht, Schulrecht, auf die Schule bezogenes Jugend- und Elternrecht

Fallbeispiel: Seiteneinstieg Berufsschule in Baden-Württemberg

Am Fallbeispiel Baden-Württemberg wird deutlich, wie der Einstieg als Techniker in die Berufsschule funktionieren kann. Berufserfahrene Meister und Staatlich geprüfte Techniker können zur Durchführung fachpraktischer Übungen in den Schuldienst an gewerblichen oder landschaftlichen Schulen des Landes eingestellt werden. Neben entsprechenden Berufsabschlüssen ist eine mehrjährige Berufserfahrung als Techniker oder Technischer Assistent notwendig. Interessierte können sich auf schulbezogene Ausschreibungen bewerben, für die Einstellung sind die jeweiligen Regierungspräsidien zuständig. Nach der Einstellung erfolgt ein einjähriger pädagogischer Fortbildungslehrgang. Parallel dazu wird ein Teillehrauftrag wahrgenommen und die technischen Lehrer erhalten ein Gehalt. Wer sich im Schuldienst bewährt, unter 42 Jahren ist und ein entsprechendes Gesundheitszeugnis erhält, kann danach verbeamtet werden und auf der Karriereleiter weiter nach oben klettern. Gestartet wird als Technischer Lehrer in der Besoldungsgruppe A 10, über die A 11 geht es weiter zum Technischen Oberlehrer bis hin zu A 12 als Technischer Oberlehrer als Fachbetreuer. Auch in anderen Bundesländern ist der Einstieg als Werkstattlehrer, der im Berufsvorbereitungsjahr, in Berufseinstiegsklassen, an Berufsschulen, Fachschulen oder Berufskollegs unterrichtet, möglich.

Master „Berufliche Bildung“ für Staatlich geprüfte Techniker

Seit dem Wintersemester 2012/2013 gibt es für Techniker jedoch noch eine weitere Möglichkeit, Berufsschullehrer zu werden und dabei noch einen akademischen Abschluss zu erreichen. Denn dann ging der Studiengang „Berufliche Bildung“ der Universität Bremen in den Fachrichtungen Elektrotechnik-Informationstechnik und Metalltechnik-Fahrzeugtechnik an den Start. Anlass waren die vom Bundesministerium für Bildung formulierten Ziele, die Kluft zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung zu verringern und gleichzeitig das Prinzip des lebensbegleitenden Lernens fester zu etablieren. Der berufsbegleitende Studiengang richtet sich an Meister, aber vor allem an Staatlich geprüfte Techniker. Zunächst wird der Bachelor of Science erworben, im Anschluss daran der Master, der für das Lehramt an Berufsschulen qualifiziert. Der Master beinhaltet die Zulassung zum Referendariat an berufsbildenden Schulen. Schwerpunkte der Ausbildung sind die Grundlagen beruflicher Aus- und Weiterbildung, Begleitung von Lernprozessen und die Organisation von Bildungsabläufen. Die technischen Inhalte orientieren sich am gewählten Schwerpunkt. Besonderes Plus ist die Anrechnung bereits erbrachter Lernergebnisse als Staatlich geprüfter Techniker, wodurch die Belastung durch das Studium verringert wird. Das Studium selbst findet in Form von Abend- und Wochenendveranstaltung nicht nur an der Universität, sondern auch bei kooperierenden Weiterbildungsträgern sowie im Betrieb selbst statt. Die bisherigen Erfahrungen der Verantwortlichen haben jedenfalls gezeigt, dass die langjährige Berufspraxis in Verbindung mit dem Studium nicht nur die eigenen Karrierechancen fördert, sondern vor allem ein Gewinn für den Unterricht an Berufsschulen ist.

Große Unterschiede beim Verdienst

Zum Verdienst als Techniker an einer Berufsschule lässt sich ebenso wenig eine allgemein-gültige Aussage treffen wie bezüglich Zulassungsvoraussetzungen. Denn auch die Besoldung wird von den Bundesländern in Eigenregie geregelt. Das betrifft Beamte, aber auch angestellte Lehrkräfte, die gemäß Tarifvertrag der Länder (TV-L) bezahlt werden. Möglichkeiten gibt es ebenfalls an privaten Fachschulen. In diesem Fall richtet sich die Bezahlung nach den Richtlinien des Arbeitgebers. Hier kommt es auf dein Alter, deine Berufspraxis und eventuell absolvierte Weiterbildungen an. Falls du die Kriterien für eine Verbeamtung erfüllst, gibt es deutlich mehr Geld. Hier ist ein großes Gefälle zwischen den einzelnen Bundesländern zu beobachten. Hast du es in die Besoldungsgruppe A 13 geschafft, verdienst du als kinderloser, lediger Berufsschullehrer in Bayern 4.762,91 Euro, im Saarland allerdings nur 3.223,16 Euro brutto. bist du nicht verbeamtet, ist das Gehalt niedriger, da Sonderbezüge entfallen. Nicht für jeden Staatlich geprüften Techniker ist dieser Job daher lukrativ. Möchtest du trotzdem unterrichten, käme auch eine stundenweise Tätigkeit als Werkstattlehrer infrage.

Fazit: ein Beruf mit speziellen Herausforderungen

Die Aussichten für den Quereinstieg an einer Berufsschule als Techniker sind gut. Wer gerne seine Fachpraxis mit Pädagogik verknüpfen will, findet hier ein spannendes Tätigkeitsfeld. Auch die Qualität der Ausbildung profitiert von Lehrern, die den Arbeitsalltag nicht nur aus Büchern kennen und selbst trockene Inhalte lebensnah vermitteln können. Trotzdem ist die Berufsschule kein Zuckerschlecken. Die größtenteils erwachsenen Schüler sehen den Unterricht nur als Pflichtübung und die Unterschiede in den Klassen bezüglich sozialer Herkunft und Umfeld können zu Konflikten führen, die eine lösungsorientierte Lehrerpersönlichkeit und starke Nerven verlangen.

Praxislehrer sind doch oft schon Meister, da ist der Techniker vergleichbar, sowohl an Berufsschulen als auch an Bildungswerken. Da gehören sie auch hin.

Aber richtige Lehrer können die doch nicht werden. Es fehlen "harte Grundlagen". Wenn man ohne Hochschulabschluss Lehrer wird, wird das Studium entwertet und den neuen Lehrern fehlen zum Beispiel Grundlagen in Mathematik. Da Berufsschullehrer auch Abiturienten unterrichten, trägt das Ganze nur zur weiteren Entwertung des Abiturs bei.

Meine Meinung.
 
Praxislehrer sind doch oft schon Meister, da ist der Techniker vergleichbar, sowohl an Berufsschulen als auch an Bildungswerken. Da gehören sie auch hin.

Aber richtige Lehrer können die doch nicht werden. Es fehlen "harte Grundlagen". Wenn man ohne Hochschulabschluss Lehrer wird, wird das Studium entwertet und den neuen Lehrern fehlen zum Beispiel Grundlagen in Mathematik. Da Berufsschullehrer auch Abiturienten unterrichten, trägt das Ganze nur zur weiteren Entwertung des Abiturs bei.

Meine Meinung.
Wenn ein selbstverschuldeter Mangel (durch die Politik hervorgerufen) vorliegt, senkt man halt die Zugangsbedingungen.
Demnächst gibt es z. B. nur noch "Einser- Abis" und schon können alle studieren (wegen der Chanc(s)engleichheit) -)